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Pflanzenbau 13.09.2018 06:48

Ladina – die robuste, rote, saftige und aromatische Schweizer Apfelsorte

Die neue Apfelsorte Ladina wurde von Agroscope gezüchtet. Dabei kombinierten die Fachleute die klassischen Eigenschaften der säuerlich-aromatischen Muttersorte Topaz mit der Exotik der süsslich-knackigen japanischen Sorte Fuji. Und das Beste ist: Anders als ihre Elternsorten ist Ladina robust gegenüber der Bakterienkrankheit Feuerbrand.

Ladina entstand aus einer Kreuzung zwischen Topaz und Fuji im Jahr 1999. Aufgrund ihrer Schorf-Resistenz (Vf-Resistenz) guter Wuchseigenschaften sowie geringer Mehltauanfälligkeit haben Agroscope-Fachleute diese Züchtung weiterverfolgt. 2004 konnten die ersten Früchte geerntet und degustiert werden. Schon bei der ersten Degustation erzielte Ladina ausgezeichnete Noten – die leuchtend rote Farbe beeindruckte und das knackige feinzellige Fruchtfleisch sowie das besondere Aroma machten sie zu einer interessanten Sortenkandidatin.

Ladina erobert von der Schweiz aus die Welt
Im Rahmen der Projekte ZUEFOS (Züchtung feuerbrandrobuster Obstsorten) und GgFb (gemeinsam gegen Feuerband) wurden Pilotanlagen feuerbrandrobuster Apfelzüchtungen und -sorten gepflanzt – an vier Standorten in der Schweiz in Wädenswil ZH, Conthey VS, Güttingen TG, und Morges VD. Ladina war auch dabei. Die neue Sorte hat die Erwartungen erfüllt mit regelmässigen Erträgen guter Fruchtausfärbung und guter Fruchtgrösse.

Ladina wurde zudem 2012 in eine Bio-Obstanlage am Zürichsee gepflanzt. Dort war im Jahr 2011 sehr starker Feuerbrandbefall bei den damals vorhandenen Sorten aufgetreten. Es zeigte sich in den Folgejahren: Ladina kann bei starkem Infektionsdruck befallen werden, doch die Krankheit breitet sich weniger stark aus als bei anfälligen Sorten wie etwa Gala.

An Prüfstandorten in Frankreich, Deutschland und Italien konnte sich die Neuzüchtung gut positionieren. Inzwischen gibt es in Frankreich ein Pilotprojekt, das von einem grossen Obsthandelsbetrieb geleitet wird. Ladina wird im biologischen als auch im konventionellen Anbau geprüft und von der Produktion bis zur Vermarktung professionell begleitet. Ausserhalb Europas wird die Sorte in den USA, Chile, Südafrika, Australien und Neuseeland getestet.

Feuerbrandtests mit Bravour bestanden
Bei den Triebinfektionen im Sicherheitsgewächshaus von Agroscope sowie bei Blüteninfektionen im Gewächshaus und im Freiland wurde eine hochkonzentrierte Bakterienlösung des Feuerbranderregers in die Triebspitzen injiziert bzw. auf die Blütenbüschel gesprüht. Anschliessend wurde die Ausbreitung der sichtbaren Symptome ausgewertet. Die Ergebnisse zeigten, wie sich die Sorte Ladina im Vergleich zur anfälligen Sorte Gala präsentiert. Sowohl bei der Triebinfektion als auch bei der Blüteninfektion wurde Ladina deutlich weniger stark befallen als die Kontrolle Gala.

Ladina überzeugt auch im Anbau
Die Ladina-Bäume besitzen einen mittelstarken Wuchs mit guter Verzweigungsdichte. Sie sind gut garniert und haben gesundes Laub. Erntebeginn von Ladina ist je nach Region Mitte bis Ende September, rund 10 bis 14 Tage nach der Sorte Gala. Die Sorte liefert gute und regelmässige Erträge.

Fruchtqualität und Haltbarkeit
Die intensiv roten Früchte von Ladina weisen ein knackig-saftiges Fruchtfleisch mit ausgewogenem säuerlich-süssem Geschmack auf. Eine Sensorikerin beschrieb ein Litschi-Aroma und definierte das Aroma als intensiv und langanhaltend.

Die Sorte zeigt überdies eine sehr homogene Grössensortierung. So lagen über 40% der Früchte zwischen 70-75 mm und über 90% zwischen 65-85 mm.

Bei den Lagerversuchen war von den beobachteten Schadensformen die Hautbräune am häufigsten und machte mindestens die Hälfte der gesamten Schäden aus. Der Schaden tritt gehäuft ab Februar besonders nach der Nachlagerung bei Zimmertemperatur nach CA-Lagerung auf.

Alle Früchte von Ladina waren frei von Kernhausbräune Stippe Kavernen und CA-Schäden. Vereinzelt tritt bei Ladina Kernhausfäule auf. Aufgrund der bisherigen Erfahrung wird geraten, die Früchte bis spätestens Ende Januar zu verkaufen. In Degustationen erzielt Ladina stets gute Bewertungen.

Markteinführung in der Schweiz
Seit 2013 stehen an sechs Standorten in den Kantonen Zürich, Aargau, Luzern, Thurgau und St. Gallen 1200 Ladina-Bäume in Pilotanlagen bei Obstproduzenten. Vier der sechs Obstanlagen werden nach den Richtlinien der Integrierten Produktion kultiviert. An zwei Standorten erfolgt der Anbau nach Bio-Richtlinien. Die Produzentinnen und Produzenten werden von den kantonalen Fachstellen Obst betreut. Die Markteinführung von Ladina wird über das «Forum Ladina» der VariCom (www.varicom.ch) koordiniert. VariCom ist für die erfolgreiche Markteinführung der Agroscope-Obstsorten in der Schweiz und international zuständig.

In Zusammenarbeit mit der fenaco Genossenschaft Obsthalle Sursee und Tobi Seeobst AG in Bischofszell ist die Sortierung Aufbereitung und Vermarktung gewährleistet, um das Marktpotential von Ladina im Detailhandel zu prüfen. Daneben haben verschiedene direktvermarktende Betriebe die Sorte mit Erfolg aufgenommen.

Quelle: Agroscope
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