UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Management 28.11.2019 15:42

Landwirtschaft engagiert sich gegen Food Waste

«Save Food. Fight Waste» heisst die heute lancierte, nationale Initiative bei der mehr als 69 Firmen, Organisationen, Städte und Gemeinden mitwirken. Die Landwirtschaft ist ebenfalls mit an Bord. Der Schweizer Bauernverband will mit seinen Massnahmen Aufklärung betreiben, die Verkaufsnormen überprüfen und den Absatz von Zweit- und Drittklassware im Direktverkauf fördern.

Die Stiftung Pusch gibt heute den Startschuss der nationalen Kampagne "Save Food. Fight Waste", bei der sich auch die Landwirtschaft engagiert. Ziel ist es, die Bevölkerung zum Thema Food Waste zu sensibilisieren und die hohe Menge nicht gegessener Lebensmittel zu reduzieren. Die Initiative unterstützt eine breit abgestützte Allianz aus Firmen, Organisationen und öffentlichen Institutionen, darunter auch die Landwirtschaft und der Schweizer Bauernverband (SBV). Die Schweizer Bauernfamilien produzieren mit viel Leidenschaft Lebensmittel für die Bevölkerung. Sie bearbeiten die Böden, bauen Kulturen an, pflegen diese von der Saat bis zur Ernte und sorgen sieben Tage die Woche für ihre Nutztiere. Verluste versuchen sie dabei möglichst zu vermeiden. Denn alles, was sie nicht verkaufen (können), fehlt ihnen an Einnahmen. Dennoch: Die Lebensmittelproduktion braucht per se viele Ressourcen. Wenn ein Drittel davon im Abfall oder der Biogasanlage endet, belastet das Umwelt und Klima unnötig.

Schweizer Bauernverband: "Extreme Qualitätskriterien"
Aus Sicht des Schweizer Bauernverbands führen insbesondere die extrem strengen Qualitätskriterien im Handel und der Verarbeitung zu Food Waste. Diese geben immer wieder Anlass zu Diskussionen. Sie lassen sich aber nur schwer anpassen, wenn Abnehmer und Konsumenten nicht bereit sind, weniger normierte und nicht ganz perfekte Naturprodukte zu kaufen. Die Aktivitäten des SBV im Rahmen von "Save Food. Fight Waste" konzentrieren sich deshalb auf die Wissensvermittlung und Sensibilisierung. Einerseits soll die Bevölkerung den hohen Wert der Lebensmittel wieder stärker schätzen lernen und andererseits erkennen, dass Naturprodukte in ihrem Aussehen Schwankungen unterliegen. Ein wichtiger Fokus legt er dabei auf die Direktvermarktung. Der SBV wird Anfang 2020 allen ihm bekannten Direktvermarktungsbetrieben ein Bestellformular für kostenloses Material wie "Save Food. Fight Waste"-Kleber oder Infoflyer zustellen. Diese könnten damit Zweit- und Drittklassware auszeichnen und ihre Kunden darüber aufklären, dass der Kauf ein Beitrag gegen Food Waste ist. Auf der Webseite http://www.verantwortungsvolle-landwirtschaft.ch findet die Bevölkerung neu nicht nur generelle Informationen zum Thema Food Waste, sondern auch acht konkrete Tipps einer Bäuerin. Auf der Webseite des SBV finden betroffene Bauern beim Thema Food Waste eine Liste von möglichen Abnehmern, wenn ihre Handelspartner grössere Posten wegen Qualitätsmängeln zurückweisen.
Der SBV wünscht sich, dass aus der Kampagne "Save Food. Fight Waste" eine breite Food-Ninja-Bewegung entsteht, die Wertschätzung für Lebensmittel wieder steigt und der Food Waste-Anteil merklich zurückgeht.

Anteil der Landwirtschaft am Food Waste beträgt 9 Prozent
In der Schweiz geht rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel zwischen Feld und Teller verloren und wird damit verschwendet. Das entspricht pro Jahr rund 2.6 Millionen Tonnen. Fast die Hälfte dieser Abfälle fallen in den Haushalten und in der Gastronomie an. Die Landwirtschaft ist für neun Prozent des gesamten Food Waste verantwortlich. Die beiden Hauptgründe dafür sind: 1. Unverkäufliche Ware aufgrund von mehr oder weniger grossen Abweichungen von den (strengen!) Handelsnormen. Das Rüebli zu krumm, die Gurke zu lang, der Apfel mit oberflächlichen Flecken oder die Kartoffel mit Schorf auf der Schale. 2. Ein zu grosses Angebot für die aktuelle Nachfrage.
Letzteres passiert vor allem bei schnell verderblichen Frischprodukten wie Salat, dessen Wachstum und Konsum zudem stark vom Wetter abhängig ist. Ein Fünftel der unverkäuflichen Ware landet in der Tierfütterung und wird damit - über einen Umweg - wieder zu Lebensmitteln. Der Rest wird in Biogasanlagen zu Strom und Wärme umgewandelt und die Kompost-Überreste gelangen als Dünger wieder auf die Felder. Auch andere Erntereste arbeiten die Bauern in den Boden ein, wo sie zur Humusbildung beitragen und die Bodenfruchtbarkeit fördern.

Quelle: sbv/Bild pixabay
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