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Pflanzenbau 09.01.2019 12:57

Manganversorgung im Getreide

Die im Boden enthaltenen Nährstoffe sind nicht immer verfügbar. Trotz hohen Mangangehalten können die Pflanzen unterversorgt sein. In welchen Situationen treten Mängel auf und was kann dagegen unternommen werden?
  • Manganmangel tritt meist fleckenweise im Feld auf. (Bild: agrarfoto.com)

Mangan ist ein für Pflanzen essenzielles Spurenelement. Es dient als Aktivator für zahlreiche Enzyme, welche wiederum an wichtigen Stoffwechselprozessen beteiligt sind. So wird Mangan für den Aufbau von Chlorophyll, von Eiweissen und von Kohlenhydraten benötigt. Es hat auch Auswirkungen auf den Hormonhaushalt (Auxine) und die Stickstoffmobilisierung in der Pflanze (Nitratreduktion).
Kulturen mit einem hohen Bedarf an Mangan sind Zuckerrüben, Getreide, Erbsen und Obstkulturen. Einen mittleren Bedarf an Mangan haben Mais, Raps, Kartoffeln, Rotklee und Luzerne.

Verschiedene Formen im Boden
Das harte Schwermetall Mangan liegt im Boden in unterschiedlichen Formen vor, zum Beispiel als Manganoxyd, Mangancarbonat, Manganchelat oder als Mangan-Ion (Mg2+). Für die Pflanzen ist Mangan nur als Mangan-Ion direkt verfügbar.
Da der Mangangehalt im Boden die Gesamtheit aller Manganverbindungen angibt, sagt er nichts über die Verfügbarkeit aus. Das Mangan-Ion ist entweder im Bodenwasser gelöst oder an Ton-Humus-Komplexe gebunden. Schwere, humusreiche Böden sind dadurch meist manganreicher als leichte. In leichten Böden wird das wasserlösliche Mangan wesentlich einfacher ausgewaschen (ca. 250 CV / ha und Jahr).

Mangelsituationen
In welcher Form das Mangan im Boden vorliegt, hängt hauptsächlich von den Bodeneigenschaften ab. Hohe pH-Werte und hoher Sauerstoffgehalt im Boden führen zur Oxydation von pflanzenverfügbarem Mangan (Mn2+) zu nicht pflanzenverfügbarem Manganoxyd (MnO2), auch Braunstein genannt.
Manganmangel wird oft nach grösseren Kalkgaben beobachtet. Vor allem bei leichten Böden mit wenig Pufferkapazität führt eine hohe Kalkgabe zu einer starken Veränderung des pH-Wertes. Die Anhebung des pH-Wertes um eine Einheit führt zu hundert Mal weniger pflanzenverfügbaren Mn2+-Ionen. Das Ganze funktioniert aber auch in die andere Richtung. Je saurer der Boden wird, desto mehr Mangan wird pflanzenverfügbar.
Auch bei humosen, luftigen Böden ist die Verfügbarkeit eingeschränkt. Durch den hohen Sauerstoffgehalt im Porenraum neigen diese Böden zur Oxidierung, also zur Festlegung von Mangan. Die Anteile der verschiedenen Mangan-Formen sind dadurch starken Schwankungen unterworfen.
Auch bei Trockenheit muss mit tiefer Verfügbarkeit gerechnet werden. Der Wassermangel führt zu einer erhöhten Durchlüftung des Bodens und damit zu erhöhter Oxydation von Mangan. Bei Trockenheit ist Manganmangel auch auf sonst untypischen Standorten möglich.

Bodenanalyse sagt wenig aus
Bei der Bodenanalyse für den ÖLN wird der Mangangehalt meist gar nicht analysiert. Dafür ist eine Zusatzanalyse nötig. Mit dieser Analyse kann ein niedriger Gehalt im Boden als Mangelursache ausgeschlossen werden. Wie gut die Verfügbarkeit des vorhandenen Mangans ist, zeigt sich nur bei einem Vergleich von Bodenanalyse und Pflanzenanalyse.

Symptome erst spät sichtbar
Manganmangel tritt meist fleckenweise im Feld auf. Dabei sind lockere, humose und trockene Bereiche eher vom Mangel betroffen. In einigen Fällen sind auch grünere Fahrspuren von vorherigen Feldarbeiten erkennbar. Die Verdichtung in diesem Bereich führt zu reduzierenden Verhältnissen und dadurch zu höherer Manganverfügbarkeit.
Mangan als Spurenelement ist in der Pflanze schlecht verlagerbar. Mangelsymptome zeigen sich daher zuerst an mittleren (jungen) Blättern. Je nach Kultur sind die Symptome unterschiedlich. Wo sich bei Kartoffeln punktförmige Nekrosen (Absterbende Blattteile) bilden, zeigt Getreide streifenförmige Nekrosen. Getreide reagiert am stärksten auf Manganmangel. Die streifenförmigen Nekrosen laufen über die Blattmitte zusammen und führen zum Abknicken der noch grüngebliebenen Blattspitzen.
Sobald solche Symptome sichtbar sind, sollte spätestens Blattdünger eingesetzt werden. Ist der Mangel schon sichtbar, kann der Schaden durch die Blattdüngung nur noch begrenzt werden. Schwieriger ist die Situation zu beurteilen, wenn nur ein latenter Mangel vorliegt. Ein latenter Mangel führt bereits zu Ertragseinbussen, ist aber nicht sichtbar. Da Magnesium einige Funktionen von Mangan übernehmen kann, entscheidet bei Mangelstandorten auch die Magnesiumversorgung über das Auftreten von Mangelsymptomen.
Wichtig zu wissen : Stärker als das oberirdische Wachstum ist bei Manganmangel die Wurzelbildung gehemmt.

Vorbeugende Massnahmen
Damit es zu keinem Mangel kommt, kann vorgesorgt werden. Der Bodenvorrat an Mangan kann mit Hofdüngern und manganhaltigen Mineraldüngern wieder aufgefüllt werden (z. B. Landor Rüben- oder Kartoffeldünger). Bei bekannten Mangel-standorten sollte die Blattdüngung mit Mangan im Getreide schon bei der Düngungsplanung fix eingeplant werden. Die Blattdüngung mit Mangan wird beim Getreide im Herbst oder im Frühling durchgeführt. Getreide hat den höchsten Bedarf währen der Schossphase. Als Anwendungszeitpunkt im Frühling eignet sich daher der Schossbeginn (BBCH 29 / 30) mit 1 l / ha Mantrac (500 g / l Mangan). Bei Trockenheit mehrmals anwenden.

Quelle: UFA-Revue 01/2019
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