UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Pflanzenbau 02.08.2018 09:52

Mischkulturen gegen Monotonie

Artenreiche Pflanzengesellschaften sind produktiver und widerstandsfähiger als Monokulturen, sagt Christian Schöb. Er fordert, dass man Züchtungsprogramme auf Mischkulturen auslegt.
  • Bild: Christian Schöb, ETH Zürich

Die Schweiz hat 1994 die Biodiversitätskonvention von Rio ratifiziert und sich damit zum Schutz der Artenvielfalt verpflichtet. Aber nicht nur deshalb befürwortet Christian Schöb, Professor für Agrarökologie ETH Zürich, dass unsere Landwirtschaft vielfältiger werden muss. Seit Inkrafttreten der Konvention 1995 hat die Forschung der biologischen Vielfalt einen erstaunlich vielfältigen Nutzen nachgewiesen. Gerade in Pflanzengemeinschaften produzieren Mischungen von Sorten oder Arten in der Regel mehr Biomasse als Monokulturen, und die Biomasseerträge schwanken auch weniger über die Zeit.

Doch unseren Äckern und Gärten haben diese Erkenntnisse bislang wenig gebracht. Mischkulturen verschiedener Arten sind im Schweizer Ackerbau eine Rarität: 2016 waren es 0.03 Prozent beim Brotgetreide und 0.36 Prozent beim Futtergetreide. Mit der intensivierten Landwirtschaft hat die Biodiversität im Ackerbau stark abgenommen, nicht nur in der Artenzahl, sondern auch in der Anzahl Sorten per Art, also der genetischen Vielfalt. So sind viele der heute kultivierten Ackerflächen Monokulturen einer Sorte oder sogar eines einzigen Genotyps.

Aufwändige Einfalt
Die Vorteile solcher «Sortenreinheit» scheinen jene der Vielfalt bisher übertrumpft zu haben. Was in dieser Rechnung oft unterschätzt wird: Die Einfalt der Monokultur ist mit viel Arbeit, Ressourcenaufwand und vor allem mit Risiken verbunden. Spezialisierte Schädlinge beispielsweise fühlen sich da wie im Paradies – davon zeugen historische Beispiele wie die Kartoffelfäule als Auslöser der Grossen Hungersnot in Irland, aber auch die durch die Erreger der Panamakrankheit bedrohte monokulturelle Bananenproduktion in Südamerika. Darüber hinaus bringt diese Einfalt auch mit sich, dass Individuen, die zusammen auf dem Feld stehen, nicht nur die gleichen Ressourcen brauchen, sondern auch exakt die gleichen Fähigkeiten besitzen. Eine Monokultur ist also wie ein geklontes Fussballteam aus lauter Angreifern, die alle in einer Platzhälfte stehen und Tore schiessen, aber keiner wirklich gut verteidigt. Darum funktionieren Monokulturen nur, wenn die Ressourcen und Bedingungen für die Kultur durch externen Input ideal vorbereitet und Schädlinge kontrolliert werden – das heisst, wenn für sie gesorgt und «verteidigt» wird. Chemische und biologische Dünger sowie Pflanzenschutzmittel sind deshalb in Monokulturen unabdingbar.

Kombination sich ergänzender Stärken
Christian Schöb meint, Mischkulturen können hier Abhilfe schaffen. In der Schweiz bereits verbreitet sind neben Graslandmischungen auch Gerste-Erbse-Mischungen für den Futterbau oder Winterweizen-Sortenmischungen als Brotgetreide.

Der Nutzen von Mischkulturen liegt in der Komplementarität ihrer Komponenten. So dient die Gerste als Stütze für die sonst niederliegenden Erbsen, was die maschinelle Ernte vereinfacht, während die Erbse der Gerste aus der Luft fixierten Stickstoff zur Verfügung stellt. Bei Weizenmischungen kann man Sorten mit verschiedenen Krankheitsresistenzen kombinieren, was einen stabilen, hohen Ertrag von guter Qualität mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln erlaubt. Kurz: Pflanzenteams sind auch aus ökologischen Gesichtspunkten höchst attraktiv.

Gezielte Züchtung für Mischkulturen
Um dieses Potenzial zu nutzen, braucht es Schöbs Meinung nach ein Umdenken im Agrarsektor. Zusammen mit einer Kollegin der Uni Zürich konnte Schöb zeigen, dass sich die ertragssteigernden positiven Interaktionen zwischen Pflanzenarten nur dann voll entwickeln, wenn die Pflanzen über Generationen in Mischkulturen kultiviert werden. Das bedeutet: Es braucht gezielte Züchtungsprogramme für gemischte Nutzpflanzenkulturen.

Wie unsere Umfrage bei Landwirten im Rahmen des EU-Projekts DIVERSify zeigte, sind die Hindernisse für einen verbreiteten gemischten Anbau aber mannigfaltiger als das: Sie haben vor allem mit dem fehlenden Wissen zu tun, wie wir unsere auf Monokulturen ausgelegten Methoden für Mischkulturen anpassen können – sei es bei der Pflanzung, beim Pflanzenschutz, bei der Ernte, der Weiterverarbeitung oder der Vermarktung.

Hier besteht also Handlungsbedarf. Schöb ist überzeugt, dass sich das lohnt. Biodiversitätseffekte machen nicht an den Toren der Landwirtschaftsbetriebe halt, genauso wenig wie die monokulturellen Risiken. Nutzen wir darum die Vielfalt, um die landwirtschaftliche Produktion weiterhin produktiv, aber auch nachhaltiger zu machen, so Schöb.

Quelle: Beitrag im Zukunftsblog der ETH Zürich von Prof. Christian Schöb.
  • Autor/Redaktor
  • Gabriela Küng
  • Gabriela Küng [gk]
    Redaktorin
    Email
Zurück zur Übersicht