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Nutztiere 05.06.2019 13:07

Mit Konzept zu guten Leistungen

Hohe Milchleistungen im Biobetrieb. Mit der langjährigen Zucht, einem konsequenten und intensiven Aufzuchtregime sowie ausgeglichener und optimierter Fütterung ist dies möglich. Der Melkroboter ist eine grosse Unterstützung dank dessen Datenerfassung und Früherkennung.
  • Der Betrieb Blum 
liegt auf 630 m ü. M. 
in Roggliswil, 
Kanton Luzern.

Der Betrieb der Familie Blum liegt wunderschön auf 630 m ü. M. und gehört zur Gemeinde Roggliswil (LU). Die zweijährige Umstellungszeit haben die Blums nun hinter sich, seit dem 1. Januar 2019 gilt der Betrieb als Bio-Vollknospenbetrieb. Spricht man mit dem 42-jährigen Betriebsleiter, Thomas Blum, so merkt man, dass auf diesem Betrieb nichts dem Zufall überlassen wird. Die Umstellung auf den biologischen Landbau war ein gut geplanter, strategischer Entscheid. Er wollte in einem Markt produzieren können, wo die Nachfrage gross ist und der Aufwand kostendeckend entschädigt wird. Blum ist der Meinung, dass man auf dem konventionellen Markt nur noch mit einer bestimmten Betriebsgrösse konkurrenzfähig sein kann. Dies widersprach seinen Zielen, wie auch den Möglichkeiten auf dem Betrieb, weshalb der Entscheid auf die biologische Produktion fiel.

Management
Thomas und Sabrina Blum sind beide auf dem Betrieb tätig und sie bilden einen Lehrling aus. Zudem hilft der pensionierte Onkel von Thomas Blum viel mit. Die Milchkühe werden in einem Laufstall, seit fünf Jahren mit Melkroboter, gehalten. Im Sommerhalbjahr liegt der Schwerpunkt beim Weiden; es ist das Ziel, mit bestem Weidefutter möglichst viel herauszuholen. Je nach Jahr haben die Kühe ungefähr ab Mitte März täglich 24 Stunden Weidezugang. Da die Weidefläche direkt an den Milchviehstall angrenzt, ist ein unbeschränkter Weideauslauf möglich. Dank dem Weidetor weisen die Kühe selbst im Sommer durchschnittlich 2,7 Melkungen auf, im Winter liegt der Durchschnitt bei 2,9. Das Melken am Roboter funktioniert mit Blums Kühen sehr gut. Das Jungvieh wird jeweils drei Wochen vor dem Abkalben in die Milchviehherde integriert, was das Angewöhnen an das Melken stark vereinfacht. Blum bereut es keine Sekunde, auf den Roboter umgestellt zu haben. Er betont, dass er dank diesem deutlich flexibler ist und die Zeit besser eingeteilt werden kann. Kontrollgänge und Tierbeobachtung haben einen hohen Stellenwert. Gerade das Überwachen der Wiederkautätigkeit und die Brunsterkennung durch den Roboter sei eine grossartige Unterstützung, was das Tierwohl insgesamt verbessere. 

Genetik
Die Brown Swiss Kühe auf dem Betrieb Blum haben eine durchschnittliche Jahresmilchleistung von 7500 bis 8000 kg pro Kuh. Einzelne Kühe haben sogar Leistungen von bis zu 11 000 kg. Der Faktor Zucht spielt dabei eine wichtige Rolle. Es wird konsequent auf robuste Tiere gezüchtet, welche gut zu den Gegebenheiten auf dem Betrieb passen. Schon seit über 40 Jahren werden auf diesem Betrieb Kühe mit einem hohen Fitnesswert gezüchtet. Kühe mit schlechter Fruchtbarkeit werden konsequent ausgemerzt.

Fütterung
Die Aufzuchtrinder werden extern im Aufzuchtvertrag gehalten. In der Aufzucht wird besonderer Wert auf eine genügende Milchgabe und hochwertiges Aufzuchtfutter gelegt, sodass die Kälber zu leistungsfähigen Kühen heranwachsen. Nicht nur die Zucht, sondern auch die Fütterung der Milchkühe ist optimiert, um solche Leistungen erreichen zu können. Dabei achtet Blum als erstes auf eine bestmögliche Qualität im Futterbau. Die Futterbaumischungen bestehen einerseits aus einer Luzerne-Mischung, um Stickstoff für die Folgekulturen zu binden und einer Standardmischung mit ausdauerndem und trockenresistentem Mattenklee. Die Fütterung der Kühe unterscheidet sich im Sommer grundlegend von derjenigen im Winter. Im Sommer wird, nebst dem Weiden, eingegrast. Im Winter hingegen füttert Blum den Kühen eine TMR mit Maissilage, Grassilage, Eiweisskonzentrat, Belüftungsheu und Trockengras. Die unterschiedliche Fütterung im Sommer und Winter widerspiegelt sich gut in der Milchleistung. Im Winter liegt die durchschnittliche Tagesleistung bei rund 28 kg, im Sommer bei 24 kg. Zudem wirkt sich die Winterfütterung bezüglich Persistenz besser auf die Kuh aus. Das verabreichte Lockfutter im Roboter wird saisonal angepasst. Im Winter und im Frühling werden Graswürfel, im Sommer hingegen Maiswürfel verabreicht, um den Kühen bei der grasbasierten Fütterung genügend Stärke zuführen zu können. Eine zusätzliche Ergänzung erfolgt nur während der Startphase, rund 30 bis 100 Tage, je nach Leistung. Vom Startphasenfutter wird im Durchschnitt rund 250 kg pro Kuh und Jahr verabreicht. 

Herausforderungen
Im Frühling besteht auf dem Markt ein Überschuss an Biomilch, im Sommer hingegen gibt es zu wenig davon. Dies ist der Grund, weshalb auf dem Betrieb Blum kein saisonales Abkalben erfolgt. Die Umstellung auf biologische Landwirtschaft hat für Thomas Blum beim Pflanzenbau deutlich mehr Veränderungen mit sich gezogen als bei den Milchkühen. Er habe seit dem Umstellen auf Bio ein völlig anderes Bewusstsein für den Boden. «Ich lernte die Natur viel besser kennen, da ich mich nun stärker damit auseinandersetzen muss. Beikräuter in der Ernte zum Beispiel müssen akzeptiert werden und extremen Wetterbedingungen ist man stärker ausgesetzt, da man nichts ausbessern kann» so Blum. In der Bio-Wiederkäuerfütterung gibt es in den nächsten Jahren einige Änderungen. Auf die Frage, wie er mit der Einschränkung auf Maximum fünf Prozent Kraftfutter ab 2022 umgehen wird, meinte Blum: «Mit der Zuchtstrategie sowie dem Aufzuchtregime wird auf unserem Betrieb bereits seit Jahren in diese Richtung hingearbeitet.» Momentan liege der Einsatz bei rund sieben Prozent Kraftfutter, wobei er zuversichtlich ist, die fünf Prozent in naher Zukunft einhalten zu können. Der Restriktion von 100 Prozent Schweizer Knospe-Futter blickt Blum hingegen kritisch entgegen. Eiweiss wird es in der Schweiz zweifellos zu wenig geben, weshalb in der Milchproduktion auf extensivere Kühe mit deutlich tieferen Leistungen ausgewichen werden muss. Trotzdem sieht Blum die Forderung von 100 Prozent Schweizer Futter auch als mögliche Chance für den Schweizer Bio-Milchmarkt, da sich dieser dadurch bei der Vermarktung eindeutig abheben kann.

Quelle: UFA-Revue 05/2019
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