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Pflanzenbau 02.09.2019 17:51

Mit weissem Gesteinsmehl gegen die Kirschessigfliege

In diesen Tagen sind die ersten Rebparzellen mit dem Tonmineral Kaolin besprüht worden, welches zur präventiven Abwehr der Kirschessigfliege (KEF) eingesetzt wird.
  • Insbesondere die Traubenzone dieser Cabernet Dorsa in Benken wird mit dem weissen Gesteinsmehl Kaolin besprüht. (Bild: RoMü)

Beim täglichen Putzen der Zähne oder auch als Trägerstoff in der Lebensmittelbranche kommt der Mensch täglich in den direkten Kontakt mit Kaolin. Nun ist dieser aus Tonmineral gewonnene Träger- und Wirkstoff auch in den letzten Jahren zum erfolgreichen präventiven Abwehrmittel gegen die Kirschessigfliege im Weinbau geworden. Dieser Einsatz ist dabei wie hier in einer Caberbet Dorsa Parzelle in Benken optisch nicht zu übersehen, weil dieses Produkt als weisslicher Belag aufgesprüht wird. Insbesondere die Traubenzone ist entsprechend weiss. Im Fokus dieser präventiven Behandlung stehen speziell die von der KEF bevorzugten vorerst eher frühreifen Rotweinsorten wie Regent, Cabernet Dorsa, Acolon, Dunkelfelder, Garanoir oder Dornfelder. Mit dem Einsatz von Kaolin, welches unter den Namen Surruond als Naturprodukt vermarktet wird, hält die Kirschessigfliege von einem möglichen Ablegen ihrer Eier in die Traubenbeeren ab. Es wird dabei auch als biologisches Insektizid gegen den Birnblattsauger, die Walnussfliege und zur Bekämpfung des Rapsglanzkäfers eingesetzt.
Die KEF scheint diese weisslich oberflächlich eingefärbten eigentlich blauen Beeren nicht zu schätzen, weil sie in weissen Trauben eher ungeeignete Früchte für die Ablage und Ausbrütung der Larven sieht. Entsprechend erhofft man so, die ungeliebte sehr schädliche Taufliege im Weinbau in Schach zu halten. In den letzten Jahren hat man zudem aus Erfahrungen weitere Kenntnisse gewonnen, welche für den Einsatz von Kaolin sprechen. Angeschlagene oder verletzte Traubenbeeren trocknen schneller aus, so dass die Gefahr von Essigbildung reduziert wird. Zugleich wirkt es auch präventiv gegen den Wespenfrass. Es ist dabei das eigentliche Produkt, welche den Fressorganen der Wespe analog zum Mensch wie Sand zusetzt, so dass die gefrässigen Wespen solche Trauben meiden. Ob es gar auch eine Teilwirkung auf Vogelfrass hat, lässt sich noch nicht bestätigen.

Physikalische Wirkung

Kaolin oder das als Markenprodukt eingesetzte Surround ist eine bewilligte Bekämpfungsmassnahme und entsprechend für den ÖLN und den biologischen Landbau zugelassen und entsprechend empfohlen. Es ist im Gegensatz zum Kalk nicht toxisch und hat auch keine anderen physiologischen Auswirkungen auf die Umwelt. Während Kalk mit einem sehr hohen alkalischen Wert radikale Wirkungen hat, ist Karolin pH-Neutral und hat somit im Gegensatz zu Kalk auch in der Kelterung keinen Einfluss auf die Gärung und deren Verlauf sowie auf die Säure- respektive pH-Werte bei den Jungweinen. Es beeinflusst zudem weder die Traubenqualität oder wirkt sich auch nicht auf die Zuckerbildung aus. Werden die mit Surround behandelten Trauben abgepresst, so sinkt das aufgetragene Kaolin zusammen mit den anderen im jungen Most natürlich vorhandenen Trub- und Schleimstoffen ab und entsprechend zusammen mit diesem beim Entschleimen entzogen werden.
Beim Einsatz von Kaolin oder Surround kann man sich auch auf langjährige Erfahrungen bei anderen Kulturen berufen. So wird dieses Produkt im Obstbau bei den Birnen noch vor dem Austrieb der Knospen zur präventiven Abwehr der Birnblattsauger verwendet. Es kann auch zur Bekämpfung der Walnussfruchtfliege oder im Rapsanbau gegen den Rapsglanzkäfer eingesetzt werden.
Aktuell ist in den letzten Tagen der Befallsdruck massiv angestiegen, weil die KEF auch als Taufliege bezeichnet das eher nun wieder weniger heisse Sommerwetter mit dem täglichen Morgentau sehr schätzt. Sie ist in er Lage innert weniger Tage eine gewaltige Population aufzubauen, welche dann zu den Schäden führt. Nebst den Trauben sind aktuell auch die verschiedenen Herbstbeeren durch einen Befall gefährdet.

Quelle: RoMü
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