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Pflanzenbau 08.04.2019 10:24

Morgenfrost hält Steinobstproduzenten auf Trab

Die klare Nacht von Freitag auf Samstag hat am frühen Morgen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken lassen. Dies hat den Andelfinger Aprikosenproduzenten Andreas Wegmann bewogen, seine Anlage mit Frostschutzkerzen zu schützen.
  • Die Frostschutzkerzen werden in Eimern in die Kulturen gestellt. (Bild: RoMü)

Bereits am späten Freitagabend um Mitternacht zeichnete sich bei einem fast sternenklaren Himmel ab, dass die Temperaturen auch entsprechend den Vorhersagen am Boden wie auch auf zwei Meter Höhe bis am frühen Morgen unter den Gefrierpunkt sinken werden könnten. Da die Vegetation bereits bei vielen Kulturen zügig vorangeschritten ist und insbesondere die Steinobstarten wie Aprikosen, Pfirsiche, Nektarinen oder auch die ersten frühen Kirschen-, Pflaumen oder Zwetschgensorten in der Vollblüte stehen oder diese teilweise schon beendet ist, sind sie extrem möglichen Frostschäden ausgesetzt. Solche können wie 2016 und vor allem auch 2017 gezeigt haben, bis einen Totalausfall zur Folge haben. In der auf rund 430 m ü.M. südlich von Andelfingen liegenden Aprikosenkultur von Andreas und Annemarie Wegmann in Andelfingen stehen am frühen Samstagmorgen Dutzende von brennenden Forstschutzkerzen. „Wir haben diese heute Morgen früh um drei Uhr angezündet“, erklärt Andreas Wegmann. Erst wenn die Temperaturen wieder über null steigen, werden sie mit dem Aufsetzen des Deckels gelöscht. Es ist nicht das erste Mal in diesem Frühling, wo diese Frostschutzmassnahmen zum Einsatz kommen. Da bei den ersten Aprikosen bereits sehr früh im März mit der Blüte einsetzte, musste schon vor rund 20 Tagen während zwei Nächten geheizt werden. „Eine solche in einem Eimer brennende Frostschutzkerze hat eine Brenndauer von sechs bis acht Stunden“, erklärt Wegmann. Es hat diese gleichmässig in den Reihen verteilt, wobei er mit einem Wirkungsgebiet von rund 25 m2 rechnet. Konkret heisst dies, dass pro Hektare rund 400 Kerzen notwendig sind. Er selber hat schon seit Jahren gute Erfahrungen mit dieser Frostschutzmethode gemacht. Viele Betriebe haben aber auch nach dem letzten beiden Frostjahren intensiv bezüglich von Frostschutzmassnahmen aufgerüstet und sich frühzeitig mit Heizkerzen eingedeckt, welche nun teilweise zum Einsatz kommen. Da der Vegetationsstand sehr fortgeschritten ist, ist aber die Gefahr in den nächsten Wochen nicht gebannt und wird noch bei den Obst-, Beeren, Wein- und Obstbauern viele bange Blicke auf das Thermometer haben.

Intensive Frostschutzmassnahmen im Wallis
Bereits sind im Wallis in der Ebene des Rhonetals grossflächig insbesondere die Steinobst- und auch ersten Kernobstkulturen ebenfalls mit verschiedenen Frostschutzmassnahmen geschützt worden. Einerseits nutzt man auch dort auf den Einsatz mit Wärmekerzen. Doch wo Wasser in genügenden Mengen vorhanden ist, setzt man auch auf die Frostbewässerung, wo die Kulturen vor Beginn des Frostes bis in die Aufwärmphase kontinuierlich beregnet werden. Die sich dabei um die Blüte oder den Fruchtansatz bildende Eisschicht gibt ihre Wärme nach innen ab und schützt die zarten Pflanzenteile vor dem erfrieren (siehe unten). Beispielsweise hat der professionell geführte Obst- und Beeren Eichenberger in Uhwiesen in den letzten Jahren intensiv in die Bewässerung mit Überkronenberegner investiert, welche bei Frostgefahr auch als Frostschutzbewässerung genutzt werden kann. Im vergangenen Jahrhundert setzte man vielerorts in frostgefährdeten Lagen in der Ostschweiz auf stationäre Heizanlagen, wo mit Öl oder Gas geheizt wurde. Im Weinbau kam vielfach der Frostschirm- oder die Frostmatte zum Einsatz, wobei deren Wirkungen eher umstritten waren.

Frostschutzberegung
Bei der Frostschutzberegnung, welche beispielsweise im Südtirol eine sehr lange Tradition hat, nutzt man die Kristallisationswärme, welche aus dem eingesetzt Wasser freigesetzt wird. Dabei ist es wichtig, dass frühzeitig noch bei einer Temperatur über Null mit 0,5°C mit der ununterbrochenen Beregnung begonnen wird und man über genügend Wasser verfügt (Pro Stunde 3 bis 5 mm Niederschlag). Gelangt das fein versprühte Wasser auf die Pflanzenteile, so bildet sie rasch eine Eisschicht. Dabei wird die Erstarrungswärme des Wassers freigesetzt, wodurch die Temperatur innerhalb dieser Eishülle nicht unter den Gefrierpunkt absinkt. Die Frostbewässerung darf aber erst dann eingestellt werden, wenn das Eis wieder abtaut. Wird sie zu früh abgestellt, so führt dies sofort zu einem Totalverlust, weil die ständig neue notwendige Erstarrungswärme nach Innen fehlt und dann alles sehr rasch gefriert.

Quelle: RoMü
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