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Management 15.02.2019 07:58

Neuauflage "ProfiCost Gemüse"

Die neue Kalkulationssoftware ProfiCost Gemüse ermöglicht es, für Gemüsekulturen die Produktionskosten mit betriebseigenen Maschinen und Ansätzen zu berechnen. Erste Anwendungen auf den Betrieben sorgen für Überraschungen - zuweilen gar Ernüchterung.
  • (Bild: zvg)

"Wir haben ein Gefühl und grobe Berechnungen für unsere Produktionskosten. Aber detailliert berechnet haben wir einzelne Kulturen schon lange nicht mehr", sagt Bruno Gutknecht vom Gemüsebaubetrieb Gutknecht Gemüse in Ried b. Kerzers. Deshalb haben er und seine beiden Geschäftspartner Pascal Gutknecht und Thomas Etter vom Angebot der Gemüseproduzenten-Vereinigung Bern und Freiburg GVBF profitiert. Diese hat eine von der Beratung begleitete Vollkostenberechnung gefördert.

An alle Kosten denken
Etwa eine Stunde dauert es, bis die 10 Kostenbereiche für eine Kultur in der ProfiCost Software eingegeben sind: von der Bodenbearbeitung über die Saat, Düngung, Bewässerung etc. bis zur Lieferung. Dabei diskutieren Gutknechts intensiv mit dem Berater: "An diese Kostenposition haben wir gar nicht gedacht". Oder: "Die Standard-Ernteleistung ist zu tief, die ist auf unserem Betrieb höher". Kaum gesagt, ist der Wert in ProfiCost angepasst. Dies ist der Vorteil der neuen Software: Zwar sind Standardberechnungen hinterlegt.
Diese können aber als Vorlage genommen und mit den effektiven Erträgen, Kosten, Maschinen und Leistungen von Gutknechts Betrieb angepasst werden. Wo keine betriebseigenen Werte zugezogen werden können, bleiben die Standardwerte stehen.

Die Auswertung lügt nicht 
Die Spannung steigt, die Auswertung steht bevor. Vorher will der Berater von einer Gemüseart den durchschnittlichen Verkaufspreis in dieser Saison wissen. "etwa CHF 2.10", antwortet Bruno. Eine Aussage, die ihn zwei Minuten später leer schlucken lässt. Die erste Auswertung mit dem Zusammenzug aller Kostenpositionen weist Produktionskosten von CHF 2.30 pro Stück und einen Verlust von 4'500.- Franken pro ha aus. Die zweite Auswertung zeigt grafisch auf, wie die Kosten innerhalb der 10 Produktionsbereiche verteilt sind. Die dritte Auswertung zeigt schliesslich, wo die meisten Arbeitsstunden anfallen.
"Gehen wir die Kostenpositionen noch einmal durch und überprüfen die Werte", so die Reaktion der Betriebsleiter. Erneut werden einzelne Kosten und Leistungen leicht angepasst. Die Auswirkung auf die Produktionskosten pro Stück bleibt gering. Das Vertrauen in die Berechnung wächst, die Ernüchterung bleibt.
Die Überraschung über die Resultate hält sich bei Gutknechts dennoch in Grenzen. "Wir wissen ja alle, dass die Preise für dieses Produkt zu tief sind. Selbst wenn wir in der ProfiCost Berechnung unsere Kosten tiefer darstellen, als sie es sind, decken die Verkaufserlöse sie über die Saison gesehen nicht oder nur knapp", stellt Pascal fest, und fügt ein Beispiel an: "auch mitten in der Nacht an der Bewässerung zu hantieren, hat seinen Preis".

Kostenbewusstsein erhöhen 
Die Resultate und die Schlüsse aus den ProfiCost-Berechnungen sind mit anderen Gemüsebaubetrieben vergleichbar. "Aber es ist für uns sehr wertvoll, dass wir nun genauer wissen, wie hoch unsere Produktionsaufwände sind und vor allem, wo sie anfallen", meint Pascal. "Gleichzeitig bleibt zu hoffen, dass möglichst viele andere Betriebe diese Berechnungen auch machen.
So steigt in der Branche das Bewusstsein, dass die Preise, für die wir unser Gemüse heute verkaufen, zeitweise nicht nachhaltig sind."

ProfiCost Gemüse bestellen
Die Kalkulationssoftware für den Gemüsebau enthält über 90 Kultur-Varianten (SGA/BIO). Es sind Standard-Produktionskosten nach guter landwirtschaftlicher Praxis hinterlegt. Diese können betriebsindividuell angepasst werden.
Die Ausgabe 2018 wurde gegenüber der letzten Ausgabe komplett überarbeitet. Sie ist neu im Jahresabo erhältlich, zum Download auf den PC oder mit Webzugang. Es erfolgen regelmässige Updates. Eine Demoversion ist kostenlos.
Herausgeber sind die SZG und die AG Betriebswirtschaft des VSGP. Mitgewirkt haben Vertreter aus Produktion, Beratung, Forschung und Bildung.

Quelle: Schweizerische Zentralstelle für Gemüsebau und Spezialkulturen
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  •  Redaktion [RED]

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