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Nutztiere 12.06.2019 08:37

Schweine auf Schweizer Kuhalpen

Die Alpsaison 2019 hat begonnen und mit ihr auch die Sömmerung von Kühen, Rindern und Schweinen auf Schweizer Alpen. Auf Milchviehalpen fressen Schweine die hochwertige Schotte und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Verwertung von Nebenprodukten der Nahrungsmittelproduktion.
  • Die letzten Meter bis zur Alp werden zu Fuss zurückgelegt. Bild: Anicom

Bei der Milchverarbeitung fallen je nach Produktionsziel und Verarbeitung verschiedene Milchbestandteile als Nebenprodukte oder als allfällige Abfallprodukte an. Diese Produkte gilt es, auf der Alp möglichst wirtschaftlich und gemäss den Vorgaben der Umweltschutzgesetzgebung zu verwerten, beziehungsweise zu entsorgen. Die Haltung von Schweinen zur Verwertung der Schotte ist dabei ökologisch sinnvoll. Bei der Bezeichnung Alp­schwein handelt es sich um ein Label, welches von der Linus Silvestri AG lanciert wurde. Wer im Programm mitmacht, muss strenge Vorschriften befolgen (siehe Kasten).

Verschiebung auf die Alp
Auf gut 50 Alpen in der Ost- und Zentralschweiz sowie im Kanton Bern werden Alpschweine gehalten. Damit die Tiere während der Alp­saison die Schlachtreife erreichen, werden sie auf 50 bis 60 kg vorgemästet. Abhängig von der Höhenlage und der Schneesituation werden die Alpschweine zwischen Mitte Mai und Mitte Juni zur Ausmast auf die Alp transportiert.

Wühltrieb ausleben
Auf der Alp haben die Tiere täglichen Auslauf und dürfen sich auf der Wiese und im Schlamm nach Lust und Laune austoben.
Der Naturbodenauslauf bietet den Tieren viel Platz zum Suhlen und
Herumtollen. Zudem können die Schweine ihren natürlichen Wühltrieb ausleben und nach essbaren Wurzeln, Würmern und Insekten suchen.

Idealer Schotteverwerter
Auf den Milchviehalpen sind Schweine die ideale Ergänzung zu den Kühen, da sie die anfallende Schotte aus der Käseproduktion verwerten. Bei der Verkäsung von 100 Litern Alp­milch entstehen rund zehn Kilogramm Alpkäse und 90 Liter Schotte. Dieses Nebenprodukt enthält viel Flüssigkeit, leicht verfügbare Energie in Form von Laktose, hochverdauliche Proteine und Mineralstoffe, insbesondere Kalium, Kalzium und Phosphor. Schotte ist zudem fettarm, weist einen hohen Natriumgehalt auf und enthält verschiedene Vitamine. Mit der Schottefütterung werden die Schweine mit wertvollen Nährstoffen versorgt. Angereichert wird die Ration mit einem Ergänzungsfutter in Form einer Getreidemischung.

Kräftiges und aromatisches Fleisch
Anicom vermittelt die passenden Mastjager und führt deren Transport vom Züchter zum Vormastbetrieb, wie auch später auf die Alp und von dort in den Schlachthof durch. Das Fleisch der Alpschweine ist im Herbst in den Verkaufsregalen der Detailhändler Coop und Migros sowie in ausgewählten Metzgereien erhältlich. Durch das einzigartige Futterangebot und den vielen Auslauf erhält das Fleisch einen intensiven Geschmack und gilt als besonders zart.


Anforderungen bei der Alpschweine-Haltung

  • BTS und RAUS-Verordnung
  • 40 m2 Naturbodenauslauf pro Schwein
  • Mastjager stammen aus Coop Naurafarm (CNf) oder IP-Suisse Zuchtbetrieben
  • Sömmerungsdauer während mindestens 60 Tagen
  • Maximal ein Schwein pro gesömmerte Kuh
  • Führen eines Schweine-Stalljournals
  • Unangemeldete Kontrolle durch den Schweizer Tierschutz (STS)
Quelle: UFA-Revue 06/2019
  • Autor/Redaktor
  •  Redaktion [RED]

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