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Archiv2019 11.04.2019 16:53

Schwieriges Anbaujahr mit durchschnittlichen Erträgen

Die Ostschweizer Produzenten von Kartoffelpflanzgut hatten im vergangenen Anbaujahr mit den Wetterbedingungen zu kämpfen.
Trotz Hitze und Trockenheit verzeichnete man eine beachtliche Ernte.
  • Die Pflanzkartoffelproduzenten sind bemüht, Pflanzgut mit einer optimalen Qualität ohne Virusbefall und Krankheiten zu ernten. (Bild: RoMü)

In Wülflingen hat die Genossenschaft Vermehrung Kartoffelpflanzgut Ostschweiz (VO Ost) getagt. In dieser Vereinigung sind die Pflanzkartoffelproduzenten aus den Kantonen Zürich, Schaffhausen, Thurgau und Graubünden organisiert. „Im Berichtsjahr können praktisch alle Pflanzkartoffeln vermarktet werden und somit sind keine nennenswerten Überschüsse zu erwarten. Einzig bei der neuen Sorte Queen Anne liegt der Verkauf hinter den Erwartungen“, hielt Geschäftsführer Patrick Kreienbühl fest. Unter guten Bedingungen konnte im Frühling 2018 ausgepflanzt werden und die Knollen entwickelten sich schön und ausgeglichen. Im Mai und Juni fehlte aber teilweise der Regen, wobei grosse regionale Unterschiede bezüglich der Niederschlagsmengen festgestellt worden sind. Zugleich setzten die Pflanzgutproduzenten einmal mehr alles daran, gesundes und virusfreies Saatgut zu produzieren, welches nun nach der Einlagerung in diesem Frühling ausgepflanzt wird. „362 Aren mussten infolge einer zu hohen Blattlauspopulation bezüglich der Virusübertragung abgewiesen werden“, hielt Kreienbühl weiter fest. Gute Noten erteilte er dem Team, welches die zentrale Aufbereitung problemlos bewältigen konnte. „Die sortierte und kalibrierte Menge der Ernte 2018 betrug über 900 t. Die Sortierqualität ist auf einem guten Niveau, jedoch mussten wir deutlich mehr Kartoffeln infolge Schäden durch Drahtwürmer, Rhizoctonia und Schorf aussortieren“, führte Kreienbühl weiter aus.

Anbauflächen und Erträge

Im vergangenen Jahr sind auf 115 ha Kartoffeln zur Vermehrung angebaut worden, wobei rund 1‘700 t Pflanzgut produziert wurde. Dabei konnte ein mittlerer Ertrag von 162 kg je Are erzielt werden. Damit wurde seit 2014, wo 170 kg geerntet worden sind, das beste Resultat erzielt. „Die Krautvernichtung erfolgte bei Erreichung der gewünschten Kaliber Mitte Juli. Zugleich stellten wir aber auch fest, dass die Trockenheit in vielen beständen zu Stress führte. Bezüglich Krankheiten und Schädlinge verzeichnete man teilweise Drahtwürmer sowie Buckel- und Flachschorf, während der Pulverschorf kein Problem darstellte. Gesamthaft sind 24 verschiedene Sorten für die Pflanzkartoffelproduktion angebaut worden. Dabei sind zugleich auch mit Sorten Agata, Jelly, Ditta, Desirée und Agria auf einer Fläche von 7,57 ha Bio-Pflanzgut vermehrt worden. Nach wie vor dominiert Agria mit 19,63 ha die Anbauflächen, gefolgt von Ditta mit 9,89 ha und Jelly mit 8,70 ha. Schlussendlich konnten 1‘544 t Normalsortierung und weitere 135 t Kleinsortierung abgeliefert werden.
Für den diesjährigen Anbau ist mit rund 111 ha gegenüber dem Vorjahr eine leicht verringerte Anbaufläche geplant. Die Sorte Marabel wird nicht weiter vermehrt, während neu die Chips-Sorte Kiebitz dazu stossen wird. Mit 26 ha bleibt Agria die Hauptsorte. Kreienbühl verwies zudem darauf, dass die Swisssem auf den Einzug in den Überschuss-Fonds verzichtet wurde. Er begründete diese für die Produzenten erfreuliche Situation damit, dass im Vorjahr nur geringe Überschüsse verzeichnet worden sind und der Fondsbestand das erwünschte Soll ausgewiesen hat.

Alte Sorten behaupten sich weiterhin

Grundsätzlich sind Sortenlisten eine schnelllebende Sache. Viele oftmals sehr vielversprechende aus Züchtungen hervorgegangene neue Sorten können sich aus den verschiedensten Gründen bereits schon im Anbau oder später bei der Lagerung und Verarbeitung und Verkauf bis an die Ladenfront nicht behaupten. So wird auf die Vermehrung der erst 2017 aufgenommenen Sorte Marabel bereits verzichtet und die 2018 neu aufgenommene Queen Anne flächenmässig zurückgestuft. Doch es gibt auch schon mehrmals totgesagte Kartoffelsorten, welche seit Generationen überlebt haben. Die älteste bereits schon 1935 in die Sortenliste aufgenommene aber Bintje darf dabei gar als eigentliches Fossil in der schnelllebenden Sortenvielfalt bezeichnet werden kann. Diese mehlig kochende Speisekartoffel ist eine holländische Züchtung und stammt aus einer Kreuzung von Munsternsen und Fransen. Sie ist immer noch aufgrund ihrer sehr positiven Kocheigenschaften weiterhin sehr gefragt. Sie wird auch wiederum 2019 in der VO-Ost auf einer Fläche von 164 Aren vermehrt. Doch auch die ebenfalls als sehr betagt zu bezeichnete Sorte Desirée mit einer geplanten Vermehrungsfläche von 2 ha im konventionellen und 1 ha im Biobereich gehört seit 1961 der Sortenliste an und ist immer noch geschätzt. In dieser roten Kartoffeln steckt aber die alte nicht mehr angebaute rotschalige Urgenta, welche zusammen mit Depesche die Eltern stellt. Ebenfalls gehören auch die Charlotte und Hermes seit 1984 auf der Sortenliste, zusammen dem Agria, welcher in diesem Jahr 30 jährig wird, zu den älteren der gesamthaft 40 zugelassenen Sorten.
Vermehrt kommen aber auch neue Sorten auf den Markt, welche über einen Markenschutz verfügen und nur mit einem Anbauvertrag als Exklusivität angebaut werden dürfen. Die bekannteste ist dabei die eher frühreife festkochende Speisesorte Amandine, welche seit 1999 im Sortenkatalog ist und bis vor wenigen Jahren als geschützte Marke nur in der Westschweiz angebaut und exklusiv durch einen Grossverteiler vermarktet wurde. Diese französische Züchtung wird nun auch im Zürcher Weinland produziert. Doch mit Celtiane (2010), Cheyenne (2016) und Gwenne (2014) stehen ausschliesslich weitere französische Sorten unter Markenschutz.

Quelle: RoMü
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