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Nutztiere 01.02.2019 09:12

Steigende Bruttowertschöpfung im Schweizer Frischfleischmarkt

Im vergangenen Jahr ist die Bruttowertschöpfung von der Schlachtung bis zum Verkauf im Detailhandel bei Frischfleisch insgesamt gestiegen. Hauptgründe waren steigende Konsumentenpreise und gesunkene Produzentenpreise. Unterschiede resultieren zwischen den Tiergattungen.
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Das Jahr 2018 war ein spezielles Jahr. Die grosse Trockenheit im Sommer hat sich merklich auf ein tiefes Futtermittelangebot ausgewirkt. Der Futtermittelmangel führte zeitweise zu einem höheren Angebot an Schlachtkühen, was entsprechend den Schlachtviehpreis gedrückt hat (2018: 7.84 CHF / kg SG bzw. -4,6 % gegenüber 2017 für Kühe T3). Dennoch haben Konsumenten mehr für Hackfleisch (mehrheitlich ein Erzeugnis aus Kuhfleisch) bezahlt (+3,9 % auf 19.45 CHF / kg; ohne Discount), wodurch die Bruttowertschöpfung bei Rindfleisch gestiegen ist.

Nettoeinnahmen im Detailhandel sind gestiegen
Allgemein wurden im vergangenen Jahr höhere Preise für Schweizer Frischfleisch im Detailhandel festgestellt. Je nach Produkt war die Entwicklung aber unterschiedlich. Während Edelstücke bei allen Tiergattungen tendenziell leicht teurer wurden (z.B. Rindsentrecôte: +1,8 % auf 73.44 CHF / kg), wurden einzelne Produkte merklich günstiger verkauft (z.B. Rindssiedfleisch: -7,8 % auf 19.49 CHF / kg). Die Preisanstiege überwiegten insgesamt, weshalb die Konsumentenpreise höher als im Vorjahr ausgefallen waren.

Margenanteil aus Importvorteil sinkt
Der Importvorteil (Erlös Schlacht-/Verarbeitungsbetriebe aus dem Erhalt von Zollkontingentsanteilen) ist beim Rindvieh erstmals seit der Wiedereinführung der Teilvergabe von Importkontingenten nach Inlandleistung Schlachtung gesunken. Der Grund liegt primär bei den tieferen Importen. So wurden von der Branche im vergangenen Jahr weniger Importe innerhalb des Zollkontingents beantragt, etwa für Edelstücke (Nierstücke und «High Quality Beef») oder Kuhschlachthälften (bedingt durch die Trockenperiode in der zweiten Jahreshälfte).
Bei Lamm war der Margenanteil aus dem Importvorteil bereits seit 2016 sinkend, was auf die laufend gestiegene Inlandproduktion zurückzuführen ist. Da sich die verteilten Importkontingente an die Anzahl geschlachteter Tiere ausrichten, sinken die Kontingentsanteile je Tier bei wachsender Inlandproduktion.

Steigende Inlandproduktion beim Rind
Die Produktionsentwicklung stand im letzten Jahr im gegenläufigen Zusammenhang zu den Produzentenpreisen. Beim Bankvieh sind die angefallenen Schlachtmengen 2018 um 7,8 % gestiegen. Aufgrund der höheren Marktversorgung mussten Rindviehmäster in der Schweiz mit tieferen Produzentenpreisen wirtschaften als noch im Jahr 2017. Durchschnittlich wurden rund 5 % weniger für Bankvieh bezahlt, wodurch die Bruttowertschöpfung für Verarbeitung und Vertrieb gestiegen ist.
Im Schweinemarkt wurde die Produktion um rund 8'000 Tonnen (-3,2 %) zurückgefahren, was die Angebotsseite entlastet hat und sich gegen Jahresende positiv auf die Preise ausgewirkt hat. Bei Kalbfleisch wurden sowohl das Produktion- als auch das Produzentenpreisniveau aus dem Vorjahr gehalten (+0,4 %). Hier waren die höheren Konsumentenpreise massgebend für die höhere Bruttowertschöpfung.

Definition Bruttowertschöpfung
Die Bruttowertschöpfung errechnet sich vereinfacht formuliert aus der Differenz zwischen dem Einkaufspreis eines Schlachtkörpers (Einstandspreis) und den Einnahmen aus den einzelnen Fleischstücken im Detailhandel (Nettoeinnahmen), welche zu Vergleichszwecken anteilmässig zu einem Schlachtkörper zusammengesetzt werden (ohne Bio, ohne Discounter). Die Importvorteile errechnen sind aus den Einnahmen der Branchenakteure aus der Verteilung der Importkontingente nach der Inlandleistung. 

Quelle: Fachbereich Marktanalysen, BLW
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