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Management 30.11.2018 10:01

Symposium Bio 2018: Prioritäten im Spannungsfeld von Klasse und Masse

Wie schafft die Bio-Branche quantitatives Wachstum ohne Qualitätsverlust? Am Symposium Bio 2018 im Kursaal Bern debattierten rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Qualitätsanforderungen an Bio-Produkte in einem stark wachsenden Markt.

Innert zehn Jahren hat sich der Absatz von Bio-Produkten in der Schweiz auf 2,7 Milliarden Franken verdoppelt. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von über sieben Prozent seit 2007. Soll es in diesem Tempo weitergehen? Kann die Bio-Branche den hohen Qualitätsstandard sicherstellen? Können die Produzentinnen und Produzenten der Nachfrage nach Schweizer Bio-Produkten entsprechen und Verarbeitung, Handel und Konsum mit dem Angebot der Bio-Bäuerinnen und -Bauern Schritt halten? Vertreterinnen und Vertreter aus Produktion, Verarbeitung und Handel zeigten am Symposium Bio 2018 auf, wo sie im Spannungsfeld von Klasse und Masse die Prioritäten setzen.

Ball liegt bei Produktion, Verarbeitung, Handel und Konsum
«Unser Handlungsspielraum ist beschränkt, denn wir bedienen eine Nachfrage – ob Bio oder nicht, das entscheiden die Kundinnen und Kunden», erklärte etwa Niklaus Iten, Leiter Qualitätsmanagement bei Müesli-Pionierin bio-familia und Präsident der Interessengemeinschaft Bio Schweiz (IG Bio). Die 2015 gegründete IG Bio vertritt branchenübergreifend die Interessen der mittlerweile über fünfzig Unternehmen in der Schweizer Bio-Wertschöpfungskette von der Verarbeitung über den Handel bis zum Verkauf. Sie setzt sich generell für gute politische, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen für ihre Mitglieder ein und arbeitet eng mit Behörden und Verbänden zusammen. «Wir brauchen vor allem attraktive Rezepturen für Bio-Produkte, damit noch mehr Konsumentinnen und Konsumenten bereit sind, den höheren Preis zu bezahlen», sagte Iten weiter. «Allerdings stossen wir beim Preis an, weil die Umweltkosten der konventionellen Landwirtschaft nicht in die Rohstoffpreise miteingerechnet werden. Solange keine Kostenwahrheit existiert, solange hat die Bio-Produktion nicht den Anteil, den sie angesichts der gravierenden Umweltprobleme effektiv haben müsste.»

«Aus Sicht von Umwelt und Natur genügt es natürlich nicht, wenn nur jede siebte Hektare biologisch bewirtschaftet wird», zeigte sich auch Bio Suisse Präsident Urs Brändli überzeugt. «Die gesamte Landwirtschaft muss nachhaltiger werden. Dank neuer Technik wie Robotik, Precision- und Smart-Farming wird dies möglicherweise gar schneller geschehen, als wir es heute für möglich halten», erklärte er weiter. «Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten kaufen zudem verantwortungsvoll ein und konsumieren bewusst. Sie wollen zwar geniessen, aber nicht auf Kosten anderer oder zu Lasten von Natur und Umwelt.»

Damit Konsumentinnen und Konsumenten auf Bio umstellen können, ist auch der Detailhandel gefragt. Für die Migros beispielsweise besteht kein Trade-Off zwischen Quantität und Qualität, da Bio für sie klar zum Mehrwertsortiment zählt. Gleichzeitig möchte Migros mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis allen Kundinnen und Kunden Bio-Produkte zugänglich machen. Klare Anforderungen an Bio-Produkte sind dabei wichtig, um der Verwässerung des Qualitätssiegels vorzubeugen und die Glaubwürdigkeit sicherzustellen. Grundlage dafür sind Richtlinien, die einen klaren messbaren Nutzen erbringen.

Umdenken bei der Verarbeitung?
Das Spannungsfeld zwischen heterogenem Anbau und standardisierter Verarbeitung beleuchtete Adrian Müller vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL anhand von drei Beispielen: erstens der Düngung von Weizen und damit verbunden Klebergehalt und Backeigenschaften, zweitens dem Gehalt mehrfach ungesättigter Fettsäuren im Schweinefett und der Rolle der Fütterung und drittens der Grösse der Fleischstücke bei graslandbasierter Rindfleischproduktion. «In all diesen Fällen zeigt sich ein Konflikt zwischen dem, was ein optimaler biologischer Anbau liefern kann und was die Verarbeitung wünscht», erklärte er. Die Anstrengungen mit diesem Konflikt umzugehen würden derzeit vor allem auf der Produktionsseite unternommen. Denkbar wäre auch ein Umdenken auf der Seite der Verarbeitung, mit dem Grundsatz, dass eine standortangepasste Produktion auch eine standortangepasste Verarbeitung brauche und nur so grossflächig funktionieren könne. Adrian Müller folgerte: «Vielleicht könnte man dabei auch die Chancen all der neuen Technologien dahingehend nutzen, nicht die Heterogenität auf dem Acker besser in den Griff zu bekommen, um gleichbleibende Qualität zu produzieren, sondern um die Standardisierung bei der Verarbeitung zu vermeiden, um mit heterogenen Inputs gute Produkte – die durchaus auch heterogen sein dürfen – zu produzieren.»

Das Symposium Bio 2018 – Klasse und Masse wurde gemeinsam von bio.inspecta, bionetz.ch, Bio Suisse, demeter, FiBL und IG Bio organisiert.

Quelle: Bio Suisse
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