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Management 31.12.2018 15:36

Unfallverhütung in der Landwirtschaft

Am diesjährigen Werkstattapéro bei Bossert Landtechnik in Neunkirch (SH) in der Altjahreswoche thematisierte Thomas Frey von der BUL die Unfallverhütung in der Landwirtschaft. Insbesondere soll das Tragen der Sicherheitsgurte verstärkt propagiert werden.
  • Thomas Frey zeigte mit einfachen Beispielen und Erklärungen auf, wie die Sicherheit in allen Bereichen der Landwirtschaft verbessert werden kann.  (Bild: RoMü)

„Wir verzeichneten 2018 leider sehr viele Unfälle in der Landwirtschaft und stehen damit bezüglich der Risikoberufsgruppen nach vierter Stelle“, führte Thomas Frey von der BUL in der Werkstatt von Gastgeber Martin Bossert in Neunkirch aus. So sind bereits 42 tödliche Unfälle verzeichnet worden, wobei deren 14 auf Fahrzeugstürze zurückzuführen sind. „80% der Unfälle gehen auf eine menschliche Ursache zurück und nur 20% haben einen technischen Grund“, hielt Frey weiter fest. Insbesondere machte sich Frey dafür stark, dass man sich auch auf dem Traktor grundsätzlich immer anschnallen sollte. Wo die notwendigen Schutzvorrichtungen mit Sturzkabine oder Sturzbügel vorhanden sind, können diese Gurten das Leben retten. Oftmals werden die Fahrzeugführer beim Sturz des Traktors vom Sitz weggeschleudert oder sie versuchen abzuspringen und werden aber anschliessend überrollt. „Das Anschnallen insbesondere bei Strassenfahrten und bei Arbeiten im unebenen Gelände soll für alle zur Gewohnheit werden“, so Frey’s Botschaft. Die neuen Vorschriften verlangen, dass alle neuen Schlepper bereits mit Gurten ausgerüstet sein müssen. Zugleich wird auch ins Auge gefasst, dass es eine Wegfahrsperre geben könnte, wenn man nicht angeschnallt ist. Er kam aber auch die Polizeikontrollen zu sprechen, welche bei den betroffenen Fahrzeuglenkern Ärger verursachen. „Wichtig ist, dass man sich ruhig verhält. Auch die Polizisten machen nur ihre Arbeit“, rief Frey in Erinnerung. Er zeigte dabei verschiedene Vorkommnisse, welche der Polizei schnell ins Auge stechen. So ist das Fahren mit eingeklappten Sturzbügel verboten. Zudem sollten die zugelassenen Höchstgeschwindigkeiten konsequent beachtet werden. Vermehrt werden das Gewicht, die Ladesicherung sowie die Bremsen kontrolliert. Im Fokus steht dabei das Gesamtgewicht. „Gerade beim Rübentransport ist es sehr wichtig, dass man darauf achtet. Nicht der Verlader auf der Rübenmaus sondern der Fahrzeuglenker ist schlussendlich verantwortlich“, rief Frey in Erinnerung. Bezüglich der Ladesicherung sind nur zugelassene und fehlerfreie Spannsete zu gelassen.

Frontlader ist kein Transportgerät
Immer wieder gibt es Ärger, wenn Schlepperfahrer bezüglich dem Frontlader in die Mühlen der Justiz geraten. Frey erinnerte daran, dass es verboten ist, mit dem Frontlader auf der Strasse beispielsweise Siloballen oder Paloxen zu transportieren. Am Heck darf dies nur der Fall sein, wenn das Ladegut korrekt gesichert ist. Zudem muss der Frontlader während der Strassenfahrt so gestellt sein, dass ein Sichtfeld von 12 Meter gewährleistet ist. Zugleich wird verstärkt ein Augenmerk auf das Adhäsionsgewicht bei Schleppern gelegt. Dieses muss mindestens 22% des Betriebsgewichtes des gesamten Zuges auf dem Traktor betragen. Wer mit einem 40 t schweren Rübenzug unterwegs ist, muss somit ein Schleppergewicht inklusive Stützlast von 8,8 t aufweisen. Auch die Bremsen sind immer wieder ein Thema. „Die Bremsen an den Anhängern sind regelmässig zu kontrollieren und zu warten“, rief Frey den Landwirten in Erinnerung. Als Folge der EU-weiten Harmonisierung der Vorschriften über den Bau und Betrieb erhält die Schweiz höhere Anforderungen an die Anhängerbremsen. Diese gelten für neue Zugfahrzeuge und Anhänger. Insbesondere gilt zu beachten, dass erhöhte Anforderungen an die Prüfung und Wirkung der Bremsen zu beachten sind. Weiterhin sind Zweileitungssysteme zugelassen, wobei es dafür klare Vorgaben und Vorschriften gibt. Hier soll man sich aber von Fachpersonen beraten lassen.
Eine weitere Neuerung ist die Erweiterung des vorderen Überhangs von 4 auf 5 Meter ab Mitte Steuerrad. Bis vier Meter reichen am Frontgerät angebrachte Seitenblickspiegel, wobei diese im Querformat mit Weitwinkel eine Mindestgrösse von 550cm2 aufweisen müssen. Wird ein Überhang bis fünf Meter verzeichnet, so ist ein geprüftes und entsprechend auch zugelassenes Kamera-Monitor-System obligatorisch, wobei zugleich auf dem Zusatzgerät auch ein gelbes Gefahrenlicht erforderlich ist. Aktuell ist dabei mit Kosten von 3‘000 bis 4‘000 Franken für die Kamera an der Front und den Monitor im Traktor zu rechnen. Bezüglich der Frontanbaugeräte erinnerte Frey daran, dass man auch der zugelassenen maximalen Vorderachslast die notwendige Beachtung schenkt. Diese ist im Fahrzeugausweis eingetragen und darf nicht überschritten werden.

Unfälle in der Landwirtschaft
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) erfasst alle ihr bekannten Unfalldaten. 30% aller Unfälle in der Landwirtschaft sind auf Stürze im Hofbereich zurückzuführen. Gerade im vergangenen Dezember und November gab es ein Sturz vom Dach und von einer Treppe, welche für die betroffenen tödlich endeten. Je 15% entfallen auf solche welche sich beim Umgang mit Tieren oder beim Reiten sowie mit Maschinen und Fahrzeuge. Weitere 12% verzeichnet man im Wald und bei der Brennholzaufrüstung. Je 8% passieren im Haushalt und beim Umgang mit Handwerkzeugen. Schlussendlich verbleiben der 12% für verschiedenste Unfälle.

Quelle: RoMü
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