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Pflanzenbau 14.01.2020 15:40

Verschiedene Modelle für Aufforstung vorgestellt

Die diesjährige Holzgant in Unterstammheim stand ganz im Zeichen der Wiederaufforstung, welche nach den Stürmen und auch den Käferjahren grossflächig nötig wird. Dabei zeigte Förster Christian Bottlang auf, wie diese Massnahmen gezielt an die Hand genommen werden.
  • Bereits nach einigen Jahren hat diese sehr artenreiche Naturverjüngung eine beachtliche Höhe erreicht, so dass eigentliche Jungwuchspflegearbeiten entfallen.  (Bild: RoMü)

„Wir haben innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren dramatische Veränderungen in unserem Wald zur Kenntnis nehmen müssen“, führte der Stammheimer Revierförster Christian Bottlang zu Beginn der ersten von vier Holzganten in der Gemeinde aus. Der Gewittersturm anfangs August 2017 und der Wintersturm Burglind anfangs 2018 hinterliessen im Stammer Wald ihren tiefe Stufen. „Wir verzeichneten dabei rund 40‘000 m3 Schadholz, was einer sechs bis siebenfachen Jahresnutzung entspricht“, hielt Bottlang fest. Doch leider waren damit die Schäden nicht abgeschlossen. Insbesondere die vom Sturm und Hagel geschwächten Fichten litten im Sommer besonders stark unter der Wärme und Trockenheit, so dass dem Borkenkäfer beste Lebensbedingungen ermöglich worden sind. so kamen bis zum Jahreswechsel 2019 weitere 10‘000m3 Käferholz dazu. Leider blieb der hohe Käferdruck auch im Sommer 2019 konstant und machte weitere 12‘000m3 Zwangsnutzungen nötig. Schlussendlich sorgte auch wiederum ein Gewittersturm am 18. August für zusätzliche rund 1‘000m3 Sturmholz. Alles in allem werden es 60‘000 bis 65‘000m3 Holz sein, welches in den 452 ha öffentlichen- und 406 ha Privatwald von etwas mehr als 200 Waldbesitzern zwangsgenutzt wurde und noch wird. „Aufgrund von sorgfältigen Aufnahmen gehen wir davon aus, dass es rund 80 ha oder rund 10 Prozent der gesamten Waldfläche sein werden, welche vollständig kahl sindoder noch einen Bestand von bis zu 10% aufweisen“, bilanzierte Bottlang. Enorm viel Käferholz fiel dabei im Privatwald an. Bottlang begründete dies damit, dass diese tendenzmässiger einen deutlich höheren Fichtenanteil aufweisen, eine deutliche grössere Bestandesdichte und somit sehr grosse Vorräte aufweisen. Somit sind diese fichtenbetonten Waldflächen zum eigentlichen Eldorado für den Borkenkäfer geworden.

Wald wieder auf Vordermann bringen

„Wir können nun auf kantonale finanzielle Mittel zählen, um den Wald wieder auf Vordermann zu bringen“, erklärte Bottlang beim ersten Halt. Konkret leistet der Kanton maximal während fünf Jahren 10 Franken pro Are an die dafür notwendigen anfallenden Pflegekosten. Denn diese mit viel Handarbeit verbundenen Arbeiten werden auf den rund 80 Hektaren in den nächsten Jahren eine der Kernaufgaben des gesamten Forstes sein. Insbesondere Standorte, wo die Brombeere, andere rankende Pflanzen oder auch Neophyten sich ideal entwickeln können, werden zu grossen waldbaulichen Herausforderungen werden. Zugleich sind diese Gelder aber auch Verpflichtungen verbunden. So muss der geförderte zukünftige Wald vielfältiger und zugleich auch standortgerechter werden. Dabei ist vor allem auf Naturverjüngung zu setzen, wobei ein Laubholzanteil von 40 bis 60 Prozent angestrebt wird. „Wir müssen uns deshalb bei der betroffenen Fläche Fragen, Was hat es, sind es standortgerechte Baumarten und kann damit das Ziel eines breiten Baumartenspektrums erfüllt werden“, Bottlang. Bei der ersten Waldparzelle sind umfangreiche Zwangsnutzungen erfolgt. Forstunternehmer René Strasser ist nun mit seinem langen Arbeitsarm am Vorwadder damit beschäftigt, das verbliebene Restholz zusammen zu rechen und als Matratze auf die Rückegasse zu deponieren. Nach Möglichkeit wird dieses auf Baumstrünken aufgeschichtet. In diesen Massnahmen sieht Bottlang verschiedene positive Aspekte. Junge Baumarten können so und schneller auflaufen und das teilweise leichte Aufreissen des Bodens begünstigt das vielfältige Wachstum. Er zeigte sich überzeugt, dass diese Massnahmen grösstenteils ausreichen, um solche Flächen wieder erfolgreich aufforsten zu können.

Gezielte Pflanzungen

An einer weiteren Waldparzelle, vom man einen prächtigen Ausblick in Bibertal und den Vulkanhügeln geniessen konnte, musste bereits im Sommer 2018 der Jungbestand an Fichten zwangsgenutzt werden. „Wir setzen hier ganz gezielt auf die Förderung der Eiche“, erklärte Bottlang. Dafür sind in der Parzelle zahlreiche aus Dachlatten hergestellte Holzpferche von fünf auf fünf Meter Grösse aufgestellt worden. Auf grossflächige Wildschutz - Einzäunungen wird aber bewusst verzichtet. „Wir haben hier jeweils in der Mitte sowie in jedem Geviert Eicheln gepflanzt, um diese geschützt vor dem Wildverbiss aufzuziehen“, erklärte Stefan Hübscher vom Stammertaler Forstrevier. Doch leider machten hier die Mäuse einen Strich durch die Rechnung, indem sie ein Grossteil dieser Saateicheln noch vor dem Keimen gefressen hatten. In einem zweiten Schritt sind nun einheimische zweijährige Eichen gezielt im kantonalen Baumschulgarten in Winkel bei Bülach in Töpfen gezogene Jungbäume ausgepflanzt worden. Zugleich sind auch einige Elsbeerbäume gepflanzt worden, welche aber mit Einzelschützen vor einem möglichen Wildverbiss geschützt werden müssen. Für diese selber hergestellten Gatter sind über 70‘000 Meter Dachlatten verwendet worden. Bottlang verwies dabei auf die Kosten, welche sich pro Gatter auf 200 Franken belaufen, aber anderseits aus dem Wildschadenfonds, wo bis zu 10‘000 Franken pro Hektare entschädigt werden können. Schlussendlich führte Bottlang die über 50 Teilnehmer auf eine ebenfalls als Folge des Borkenkäfers zwangsgenutzte Fläche. „Wir haben hier im Abstand von jeweils rund 2,5 Meter Dutzende von Douglasien ausgepflanzt und diese jeweils mit einem Einzelschutz versehen“, erklärt Forstwartlehrling Ivan Schneeberger. In drei bis fünf Jahren werden diese bereits aus dem Schutzgitter ragen, so dass damit die weitere zügige Entwicklung der Aufforstung gewährleistet ist. Dass diese durchaus erfolgreich sind, zeigte zum Abschluss, wo eine rund 15 jährige gezielter Aufforstung mit Einzelschützen und mit grösstenteils der Naturverjüngung bereits eine beachtliche Höhe erreicht hat.
Schlussendlich folgte aber noch die eigentliche Holzgant, wo sich aber die Kauflust für das Brennholz in Klaftern im Rahmen hielt. Nur eines der 11 Lose wurde von 255 auf 280 Franken gesteigert. Schlussendlich fand die Holzgant bei nun deutlich mehr Besuchern und Gästen ihren traditionellen Abschluss bei der Lachenhütte, wo nun das kulinarische und vor allem auch gesellige in der Vordergrund rückte.

Quelle: RoMü
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