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Nutztiere 27.11.2019 16:23

«Was mache ich bei Klauenproblemen?»

«Auf meinem Zuchtbetrieb muss ich häufig Sauen frühzeitig ausmerzen, da sie Veränderungen und Verletzungen an den Klauen aufweisen. Für mich stellt das einen grossen wirtschaftlichen Verlust dar. Wie gehe ich das Problem an?»
Landwirt J.S.
  • Zur Verhinderung von Klauen­schäden sind diverse Mass­nahmen beim Stallbau zu bedenken. 
Bild: Christiane Schaller
  • Zur Verhinderung von Klauen­schäden sind diverse Mass­nahmen beim Stallbau zu bedenken. 
Bild: Christiane Schaller

Klauenveränderungen treten in vielen Schweinebetrieben auf. Um die Veränderungen genauer eingrenzen zu können, ist das Beurteilen der Klauen in einem Klauenstand unumgänglich. Die Läsionen können so kategorisiert und deren Schwere, sowie die Häufigkeit des Auftretens, abgeschätzt werden.

Faktor Stall
Gehen Sie mit offenen Augen durch den Stall. Sehr häufig sind fehlerhafte oder schadhafte Stalleinrichtungen für die Verletzungen verantwortlich. Ein Stallboden kann zu rau sein (erstmalige Stallbenutzung, häufiges Reinigen mit Hochdruckreiniger, altersbedingt), was zu übermässigem Abrieb von Sohle und Balle führt. Daraufhin entstehen Spalten in den Klauen, wo Bakterien eintreten und Entzündungen verursachen können.
Im Gegensatz dazu kann ein weicher (Tiefstreu) oder zu glatter Boden
(Gusseisen, Kunststoff) zu einem unzureichenden Hornabrieb und der Entwicklung von Stallklauen führen.
Beschädigte Spaltenböden, scharfe Kanten, Niveauunterschiede sowie unangepasste Spaltenweiten und Auftrittsbreiten sind zu vermeiden. Ebenso können nicht versenkte Schrauben bei Futtertrögen oder Abrufstationen die Klauen schädigen. Stallböden sollten sauber und trocken sein, denn zu viel Feuchte, Kot und Harn schädigen die Klaue.

Faktor Grossgruppe
Im Wartestall sind die Liegekojen so zu konstruieren, dass sie entweder sechs bis acht oder mehr als 20 Sauen fassen können. Quergänge sollten ausreichend breit sein (mind. drei Meter) und Sackgassen sollten vermieden werden, damit rangniedere Sauen ausweichen können. Denn bei Rangkämpfen kann es zu Klauenbelastungen kommen. Vor allem zum Zeitpunkt der Fütterung herrscht immer grosses Gedränge. Daher sollte der Start der Fütterung ausserhalb der Dämmerung erfolgen. Im Radius von drei bis fünf Metern um die Abrufstation sollten keine Hindernisse vorhanden sein.

Umgang mit lahmen Tieren
Je nach Schweregrad der Lahmheit ist das betroffene Tier in eine Krankenbucht umzustallen. Bei einem Panaritium (Grippeli) kann auf den Hautbereich oberhalb der Klaue eine Zugsalbe aufgetragen werden, damit die Entzündung schneller reift. Zusätzlich empfiehlt sich die Gabe eines Antibiotikums und eines Schmerzmittels. Dies alleine reicht aber je nach Art der Verletzung nicht. Oft ist auch eine zusätzliche Klauenpflege nötig. Tritt in absehbarer Zeit keine Besserung ein, ist das Schlachten in Betracht zu ziehen. Der Bestandestierarzt entscheidet, ob eine tierärztliche Bescheinigung zu Handen der Fleischkontrolle ausgestellt werden muss.

Dr. med. vet. Christiane Schaller, Tierärztin der Schweinepraxis Schaller & Figi GmbH

Quelle: UFA-Revue 11/2019
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