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Nutztiere 15.04.2019 16:01

Weniger Antibiotika beim Freiluft-Kalb

Am 12. April wurden am Tierspital Bern die Resultate der Studie «Freiluftkalb» präsentiert. Die Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern hat in Zusammenarbeit mit IP-Suisse und dem Migros-Genossenschafts-Bund ein Managementkonzept für die Kälbermast entwickelt und getestet.
  • Die Kälber im Versuch waren die ersten drei Wochen in Einzeliglus und anschliessend in Gruppeniglus à 10 Tiere. (Bild: Wiederkäuerklinik Bern)
  • Der Auslauf der Gruppeniglus im Versuch war vollständig überdeckt. (Bild: Nadine Kägi)

Jens Becker, Tierarzt an der Vetsuisse-Fakultät, Universität Bern, stellte die Ziele sowie die Resultate vor. Der Grund für die Lancierung des Projekts war der grosse Antibiotikaverbrauch in der Kälbermast. Als Hauptgrund dafür nannte Becker das häufige Autreten von Lungenentzündungen, die antibiotisch behandelt werden müssen. Das Zusammenführen von Kälbern verschiedener Geburtsbetriebe und die Aufstallung in grossen Gruppen sind zwei von vielen Faktoren, die die Tiergesundheit beeinträchtigen, denn dabei können Keime übertragen werden und Krankheiten entstehen. Das Ziel des Versuchs war es, den Antibiotikaeinsatz in der Kälbermast um die Hälfte zu reduzieren, ohne Verschlechterung von Tiergesundheit und Tierwohl.  

Direkter Transport
19 Betriebe machten am «Freiluftkalb-Konzept» mit, welche mit 19 Kontrollbetrieben (Produktion nach IP-Suisse Richtlinien) aus derselben Region verglichen wurden. Eine Vorgabe war, dass die Versuchsbetriebe mindestens 50 Prozent der Kälber zukaufen mussten. Die zugekauften Kälber wurden jeweils von benachbarten Betrieben auf direktem Weg, also ohne Halt auf weiteren Betrieben, auf den Mastbetrieb gebracht. Danach kamen sie, im Sinne einer Quarantäne, in Einzeliglus, wo sie auch geimpft wurden. Drei Wochen später wurden die Kälber in ein Gruppeniglu à maximal zehn Tiere mit überdachtem und eingestreutem Auslauf umgestallt. 

Resultate des Versuchs
Der Antibiotikaeinsatz in den Freiluftbetrieben war fünf Mal kleiner als bei den Vergleichsbetrieben und die Anzahl der Abgänge konnte halbiert werden. Die aus den Schlachtkörpern entnommenen Lungen der Freiluftkälber wiesen weniger Symptome für Lungenentzündungen auf. Die Gewichtszunahme hingegen war in beiden Gruppen vergleichbar. 

IP-Suisse behält Konzept bei
Niklaus Hofer, stv. Geschäftsführer der IP-Suisse betonte, dass der Kalbfleischkonsum in den letzten Jahren gesunken ist. Es sei immer schwieriger, dieses zu platzieren. Die positiven Resultate vom Versuch «Freiluftkalb» sieht er als einmalige Chance, dem entgegenzuwirken, da wieder mehr Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu den Konsumenten entstehen kann.
Obwohl die Kälber bei diesem System vollständig an der frischen Luft leben, erfüllt es die RAUS-Anforderungen nicht, da der Auslauf überdacht ist. Hofer hofft, dass das neue Freiluftkalb-System zeitnah als RAUS-konform eingestuft wird.

IP-Suisse sieht das System «Freiluftkalb» als die zukünftige Kälbermast. Die Versuchsresultate waren ein Anstoss für ein neues Konzept, welches IP-Suisse am Erarbeiten ist. Ab 2020 soll bei der Kälbermast ein Punktesystem eingeführt werden. Dabei werden die Betriebe beim korrekten Umsetzen einzelner Massnahmen, die sich positiv auf das Tierwohl auswirken, mit Punkten belohnt. Welche Massnahmen umgesetzt werden, ist wählbar, es muss jedoch eine Mindestpunktzahl ­erreicht werden. Durch dieses System möchte IP-Suisse gewährleisten, dass die Schweizer Landwirte auch in zehn Jahren noch Kalbfleisch produzieren können.

  • Autor/Redaktor
  • Eva Studinger [es]
    Redaktorin
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