fenaco-LANDI

Dank mehr Wissen eine Nasenlänge Vorsprung

Zwischen der fenaco Genossenschaft und Agroscope besteht seit 2015 eine Zusammenarbeit. Zudem unterstützen beide Institutionen seit 2016 die neu gegründete Professur für Molekulare Pflanzenzüchtung an der ETH Zürich. Die Bilanz aller Beteiligten nach drei Jahren Forschung: sehr positiv.

Forschungsprojekt fenaco und Agroscope

Qualität von Getreidesaatgut unter der Lupe: In einem Forschungsprojekt suchen die fenaco und Agroscope gemeinsam nach Alternativen, um das Saatgut nicht mehr beizen zu müssen.

(Bild: Agroscope)

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ehemalige Redaktorin UFA-Revue

Wie schön wäre es, eine Methode zu haben, mit der das Getreidesaatgut ohne Beizmittel vor Schimmelbefall geschützt werden könnte? Oder es gäbe eine Möglichkeit, um die Karotten viel länger lagern zu können als heute; oder eine, um Äpfel ohne Pestizide zu produzieren? Die ersten Schritte sind bereits getan: 2015 vereinbarten die fenaco Genossenschaft und Agroscope eine Forschungskooperation. Das Ziel: Mehrwerte für Produkte aus der Schweizer Landwirtschaft entwickeln. Im gleichen Jahr beschlossen die beiden Partner, die ETH Zurich Foundation für die neu eingerichtete Professur für Molekulare Pflanzenzüchtung über mehrere Jahre hinweg mit einer Donation zu unterstützen.

Erwartungen übertroffen

Markus Hämmerli, bei der fenaco Leiter Departement Landesprodukte und Bereich Forschungskooperationen, zieht eine äussert positive Bilanz der vergangenen drei Jahre: «Insgesamt ist die Zusammenarbeit sehr fruchtbar und hat unsere Erwartungen übertroffen», freut sich Hämmerli. Und: «Wir arbeiten auf Augenhöhe miteinander: Agroscope profitiert von unserer Erfahrung mit dem Markt und der Praxis, wir vom gros sen Wissen der Forschenden.»

Agroscope sei insbesondere für neue Erkenntnisse bei praxisrelevanten Themen ein «ganz wichtiger Partner ». Hämmerli verweist dabei auf das laufende Forschungsprojekt mit Äpfeln. Die Resultate sind zwar in den nächsten Jahren noch zu überprüfen; Ergebnisse aus den ersten Versuchen fliessen aber bereits jetzt in die landwirtschaftliche Praxis ein.

Auch Agroscope beschreibt die Zusammenarbeit als «konstruktiv und zielführend». Sie trage dazu bei, dass die Forschungsresultate direkt zu den Landwirtinnen und Landwirten gelangen und von diesen auch angewendet werden. «Der direkte Zugang zu den Produzentinnen und Produzenten ist für uns sehr wertvoll», sagt Eva Reinhard, Leiterin Agroscope.

fenaco Fachgruppe Forschungskooperationen gestartet

Am 19. September 2019 gründete fenaco die Fachgruppe Forschungskooperationen. Das Ziel: Sich fenaco-intern noch besser vernetzen und über einen Forschungsradar den Austausch zu laufenden und zukünftigen Forschungsarbeiten intensivieren. Markus Hämmerli, Leiter der neuen Fachgruppe Forschungskooperationen: «So wird es uns auch gelingen, rechtzeitig Themen festzulegen und zu erforschen, die in Zukunft für die Landwirtschaft brisant sein werden.»

In der zwölfköpfigen Fachgruppe vertreten sind alle Geschäftsbereiche der fenaco. Ansprechpartner und Experten bei Anfragen zu Forschungsprojekten, Kommunikation und Rückmeldung zur Zusammenarbeit mit Forschungsinstitutionen – so lauten die wichtigsten Aufgaben der Mitglieder der neuen Fachgruppe.

Professur erfolgreich gestartet

«Durch unsere tägliche Arbeit versuchen wir, die Pflanzenzüchtung in der Schweiz für die Sorten der Zukunft voranzutreiben», erklärt Bruno Studer, Leiter der Professur für Molekulare Pflanzenzüchtung. Dass sich die fenaco und Agroscope für eine starke Forschung und Entwicklung in diesem Bereich einsetzen, werde seitens der ETH sehr geschätzt. «Ich bin sehr dankbar, dass durch den finanziellen Einsatz von fenaco und Agroscope die Professur Molekulare Pflanzenzüchtung ermöglicht wurde – ganz im Sinne einer produzierenden und nachhaltigen Schweizer Landwirtschaft», ergänzt Studer.

Sowohl die ETH wie auch die fenaco sind mit der Arbeit von Professor Bruno Studer nach den ersten drei Jahren sehr zufrieden. Markus Hämmerli dazu: «Wir sind auf dem richtigen Weg. Deshalb entschied die fenaco-Geschäftsleitung im Sommer 2019, den bestehenden Vertrag von fünf auf zehn Jahre zu verlängern.» Das bedeutet, dass die fenaco jährlich 150 000 Franken an die ETH Zurich Foundation bezahlt; das sind innerhalb von zehn Jahren 1,5 Millionen Franken.

Publikationserfolge in der wissenschaftlichen Fachliteratur, eine Vielzahl an zukunftsweisenden Forschungsprojekten, die Beschaffung vieler Drittmittel sowie eine intensive und erfolgreiche Lehrtätigkeit – Professor Bruno Studer habe bereits eine erhebliche Wirkung in nationalen und internationalen Kreisen entfaltet, doppelt die ETH Zürich nach. Zudem habe er einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Sichtbarkeit der agrarwissenschaftlichen Forschung der ETH geleistet.

Erfolgsfaktor der Zukunft

Die fenaco steht für die Zukunft einer produzierenden Schweizer Landwirtschaft ein. Ihre Strategie: Innovation, Nachhaltigkeit und inter nationale Kompetenz. Innovation entsteht – gemäss Martin Keller, Vorsitzender der fenaco Geschäftsleitung – durch Vorsprung im Wissen, Können und Tun. Und Wissen entsteht durch Forschung. Der Kontakt zu Forschungsinstitutionen wie Agroscope oder der ETH betrachtet er als Erfolgsfaktor der Zukunft.

Ein Forschender von misst den Pilzbefall

Ein Forschender von misst den Pilzbefall. Ein Ziel des Karottenprojekts besteht darin, Strategien gegen bodenbürtige Lagerkrankheiten zu entwickeln, damit die Karotten länger lagerbar sind.

(Bild: Agroscope)

Im Zentrum der von fenaco mitfinanzierten Forschungsprojekte steht die Suche nach zusätzlichen Mehrwerten für die praktizierende Landwirtschaft sowie für die Konsumentinnen und Konsumenten von Schweizer Landwirtschaftsprodukten. «Mit Innovationen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, wollen wir auch in Zukunft eine Nasenlänge Vorsprung gegenüber dem Ausland haben», erklärt Keller. «Dazu braucht es Forschungskooperationen, die es erlauben, Projekte zu realisieren und Resultate zu erarbeiten, welche einem Partner alleine nicht gelingen können», ergänzt Eva Reinhard.

Praxisorientiert forschen

Doch warum arbeitet die fenaco mit Agroscope und Agroscope mit der fenaco zusammen? – Die fenaco hat sich für die langfristig ausgerichtete, praxisorientierte Forschungszusammenarbeit mit Agroscope entschieden, weil das Wissen, die Erfahrung und die Vernetzung dieser Institution einzigartig seien. Martin Keller dazu: «Ich habe grossen Respekt vor dem Einsatz und der Fachkompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Agroscope. Sie betreiben hochqualifizierte und international anerkannte angewandte Forschung.» «Damit Forschungsresultate den Weg in die Praxis finden, braucht es Wissensaustausch. Und dieser wird durch die praxisorientierte Zusammenarbeit der beiden Institutionen gestärkt», ist Eva Reinhard überzeugt. Die laufenden Projekte seien im Bereich des Pflanzenschutzes und dessen Weiterentwicklung angesiedelt. Dieses Thema habe in der Bevölkerung und der Landwirtschaft und deshalb auch für Agroscope eine hohe Bedeutung.

Zusammenarbeit fortsetzen

Sind für die fenaco in Zukunft weitere Forschungskooperationen denkbar? Markus Hämmerli schliesst dies nicht aus. Hämmerli: «Sicher ist, dass wir die bestehende Zusammenarbeit weiterführen und weiterentwickeln.» In den nächsten Monaten diskutieren die fenaco und Agroscope die Folgeprojekte. 

Rahmenvertrag zwischen Agroscope und fenaco

Die im Oktober 2016 gestartete Kooperation von fenaco und Agroscope trägt den Titel «Mehrwert Schweizer Landwirtschaftsprodukte». Alternative Behandlungsmethoden von Saatgut sowie die Steigerung der Produktqualität und die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln bei Karotten und Äpfeln – diese Projekte stehen in der Forschungszusammenarbeit fenaco-Agroscope im Zentrum. Konkrete Forschungsergebnisse werden laufend in den Projektgruppen diskutiert und durch das fenaco eigene Beraterteam in die Praxis transferiert.

Alternative Methoden für Saatgut

In diesem Projekt testen die Forschenden alternative Methoden zur Beizung von Saatgut. Ergebnisse aus der Forschung bestätigen, dass eine Dampfbehandlung auch für Weizensaatgut geeignet ist, weil so der samenbürtige Befall mit Schneeschimmel sinkt. Die fenaco und Agroscope setzen sich zum Ziel, die thermische Saatgutbehandlung weiter zu verbessern und praxistauglich zu machen.

Qualität von Karotten steigern

Im Karottenanbau sind bodenbürtige Krankheiten ein grosses Problem. Sie beeinträchtigen den Geschmack und führen zu einem vorzeitigen Verderb während der Lagerung. Die Forschenden untersuchen unter anderem, wie solche Krankheiten mit natürlichen Gegenspielern, sogenannten Antagonisten, unterdrückt werden können. Eine grosse Herausforderung ist zudem die Bekämpfung von Blattkrankheiten. Hier geht es darum, mit weniger Fungizid-Behandlungen auszukommen.

Schweizer Äpfel natürlich!

Auch bei den Äpfeln sollen in Zukunft vermehrt natürliche Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Eine Forschungsgruppe von Agroscope untersucht, wie die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Äpfeln zu reduzieren oder ganz zu eliminieren sind ohne Ertragsund Qualitätseinbussen.

Donation für ETH-Professur

Seit 2016 unterstützen die fenaco und Agroscope die neu geschaffene ETH-Professur für Molekulare Pflanzenzüchtung über eine Donation an die ETH Zurich Foundation. Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft braucht es neue Pflanzensorten, die auch bei sich ändernden klimatischen Bedingungen und mit möglichst wenig Dünger und Pflanzenschutzmitteln hohe Erträge liefern. Die Züchtung solcher Sorten ist allerdings zeitintensiv. Professor Bruno Studer entwickelt mit seiner Gruppe Molekulare Pflanzenzüchtung unter anderem moderne Methoden der Molekularbiologie, Genetik und Genomik, die den Züchtungsprozess effizienter gestalten.

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