Management

«Als Chef muss man auch Wertschätzung zeigen»

Mit der Spezialisierung wurden auf dem Gemüsebetrieb der Müllers laufend mehr Mitarbeiter eingestellt. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten, konnte inzwischen ein Netzwerk mit langjährigen Arbeitskräften aufgebaut werden. Dank diesem und dem richtigen Umgang mit den Arbeitskräften entwickelt sich der Betrieb positiv.

Viktor Müller

Der Gemüsebauer Viktor Müller (links) mit einem Teil seines tatkräftigen Teams.

(Bild: Eva Studinger)

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Redaktorin, UFA-Revue

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Auch Viktor Müller musste bezüglich Mitarbeiterführung seine Erfahrungen machen und stets dazulernen, damit der Betrieb da steht, wo er heute ist.

Der Betrieb von Viktor Müller befindet sich im Schweissacker im solothurnischen Niederbuchsiten. Der gelernte Gemüsegärtner übernahm im Jahr 2000 den Betrieb und hat sich seither vollkommen auf den Gemüsebau spezialisiert. Der Betrieb wurde über die Jahre stark ausgebaut. In der Hochsaison arbeiten bis zu 35 Personen auf dem Betrieb. Auf 55 ha werden hauptsächlich Salat, aber auch diverse Gemüse angebaut. Im 1,1 ha grossen Gewächshaus wachsen Gurken, Kopfsalat und Nüsslisalat.

Rund zehn Mitarbeitende sind ganzjährig auf dem Betrieb tätig. Dies sind nebst Paul Müller (Bruder von Viktor) und Marlis Müller (Frau von Viktor) ein Mechaniker, ein Chauffeur, vier portugiesische und zwei rumänische Angestellte, welche in der Schweiz wohnhaft sind. Zwischen Februar und Mai kommen nach und nach die Kurzaufenthalter, welche hauptsächlich aus Osteuropa stammen und in der Regel ungefähr bis Ende November bleiben.

Netzwerk aufgebaut

Als Viktor Müller im Jahr 2000 den Betrieb von seinem Vater übernahm, gab es zwei Angestellte. Durch die Spezialisierung auf Gemüse und die Betriebsvergrösserung erhöhte sich der Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften zunehmend.

Zu Beginn wurden über Agroimpuls ausländische Praktikanten angestellt. Unterdessen haben die Müllers ihr eigenes Netzwerk aufgebaut. «Entweder kommen die Mitarbeitenden im nächsten Jahr wieder oder dann empfehlen sie einen Verwandten oder Bekannten», sagt Marlis Müller, die sich seit der Betriebsübernahme um das Personal sowie die Administration kümmert. «Es kam sogar schon vor, dass von einem Angestellten anschliessend die ganze Familie bei uns angestellt war», so Marlis Müller weiter.

Im Moment müssen die Müllers kaum aktiv nach Arbeitskräften suchen, dank ihrem Netzwerk sei dies «quasi ein Selbstläufer». Dabei zeigt sich, dass die Weiterempfehlung durch die Angestellten für beide Seiten grosse Vorteile hat. «Gute und langjährige Mitarbeiter wissen, was für Arbeiten zu erledigen sind, weshalb sie auch die geeignetste Person empfehlen können. Die zukünftigen Angestellten wissen in der Regel schon vorher ganz genau, wie die Arbeitszeiten aussehen, wie hoch der Lohn ist oder wie sie versichert sind – und zwar aus erster Hand», so Viktor Müller. Damit die Bedingungen aber klar geregelt sind, werden diese mit einem Arbeitsvertrag schriftlich festgehalten.

Auch aus Sicht der Beratung sind klare Regelungen besonders wichtig. Nebst den Aspekten wie Arbeitsvertrag und Versicherung seien auch die Bedingungen bezüglich Aufgabengebiet von Anfang an genau zu regeln. «Die Arbeitnehmenden müssen wissen,

wofür sie verantwortlich sind» so Martin Jutzeler vom Inforama Berner Oberland. Das Festlegen einer klaren Bezugsperson sieht Jutzeler als wichtigen Punkt zu Beginn des Arbeitsverhältnisses. «Gerade bei mehreren Vorgesetzten muss der Arbeitnehmende wissen, bei wem er sich bei Anliegen oder bei Problemen melden kann.»

Gewächshaus in Niederbuchsiten

«Es ist sehr wichtig, den Angestellten zu erklären, weshalb sie die unterschiedlichen Massnahmen umsetzen müssen»: Viktor Müller in seinem Gewächshaus in Niederbuchsiten.

(Bild: Eva Studinger)

Mitarbeiterführung

Für Viktor Müller ist es besonders wichtig, dass den Angestellten die Arbeit exakt gezeigt und erklärt wird. Bei ausländischen Mitarbeitenden, welche die hiesige Sprache nicht verstehen, ist die Verständigung natürlich eine Schwierigkeit. Deshalb müssen die Aufträge umso klarer formuliert werden. Man muss sich immer bewusst sein, dass die Landwirtschaft, aus der die Personen herkommen, völlig anders ist als bei uns und sie daher teilweise auch andere Vorstellungen haben. «Ein guter Chef muss auch sagen können, wenn etwas nicht gut ist und die Mitarbeitenden bei Fehlern korrigieren. Aber man muss im Gegenzug auch loben und Wertschätzung zeigen», sagt Viktor Müller.

Das bestätigt auch Martin Jutzeler: «Tadel ist immer schneller gemacht als Lob. Die Mitarbeitenden aber im richtigen Moment zu loben, hilft durchaus, um ein positives Arbeitsverhältnis aufzubauen. Und die Kritik hingegen, sollte in jedem Fall so weitergegeben werden, dass der Betroffene wiederum etwas daraus mitnehmen kann»

Müller betont, dass es wichtig sei, erfahrene Mitarbeiter zu haben. Würden jedes Jahr nur neue Personen kommen, wäre die Schulung und die Arbeitsaufteilung viel schwieriger. Die Müllers können sich heute auf ihre langjährige Angestellten verlassen.

Sicherheit und Hygiene

Die Arbeitssicherheit ist ein wichtiges und präsentes Thema auf dem Betrieb. Jährlich wird anhand der Branchenlösung agriTOP eine Schulung zur Arbeitssicherheit durchgeführt. Wichtig sei, dass die Schulung möglichst praxisnah ist, sodass die Anweisungen verständlich und nachvollziehbar sind. Die Mitarbeitenden müssen jeweils unterschreiben, dass sie die Sicherheitsschulung absolviert haben. Das Gleiche gilt für die Hygieneanweisungen, welche stets wichtiger und auch strenger werden. «Dabei ist es sehr wichtig, den Angestellten zu erklären, weshalb sie die unterschiedlichen Massnahmen umsetzen müssen», sagt Viktor Müller.

Aus seinen Erfahrungen aus der Beratung lernte auch Martin Jutzeler, dass die Arbeitnehmenden wissen müssen, welche Konsequenzen gewisse Massnahmen auf das Produkt haben, sodass sie verstehen, weshalb diese Punkte so wichtig sind. «Wenn ein Chef Bereiche hat, bei welchen er will, dass die Angestellten es genau nach Schema XY umsetzen, dann muss er dies auch ganz klar kommunizieren.»

Wohnraum für alle

35 Mitarbeitenden ein Dach über dem Kopf bereitzustellen, ist eine Herausforderung. Die Familie Müller hat ein Haus mit Zimmer auf dem Betrieb und mietet im Nachbarsdorf ein Haus, wo einige Angestellte untergebracht sind. Mit 35 Angestellten kann es natürlich auch vorkommen, dass ein Fest gefeiert werde, was zu Lärmemissionen führen kann. Feiern die Mitarbeiter auf dem Hof, der eher abgelegen ist, sei das gemäss Viktor Müller natürlich nicht so tragisch, wenn es aber im Dorf vorkommt, stört dies die Dorfbewohner. Andererseits nehmen die Mitarbeitenden der Müllers gerne am Dorfleben teil und sind zum Beispiel auch an Dorffesten anzutreffen.

Viele Erfahrungen gemacht

Mit ihren Mitarbeitenden sind Marlis und Viktor Müller heute sehr zufrieden. Sie haben jedoch auch schon schwierige Erfahrungen gemacht. Einzelne Personen kamen zum Beispiel ohne Abmeldung auf einmal nicht mehr zur Arbeit.

Jeder Arbeitnehmer hat einen schriftlichen Vertrag, woran sich die meisten auch halten. Erhalten sie aber anderswo auf einmal ein besseres Angebot mit mehr Lohn, so komme es vor, dass sie sich nicht an die Kündigungsfrist halten. Es gab schon Personen, denen während der Probezeit gekündigt werden musste, da sie die Leistung nicht erbrachten. «Wenn jemand die Leistung nicht erbringt, ist das für die Gruppendynamik negativ, da die anderen bemerken, wenn jemand schlecht arbeitet», sagt Viktor Müller. Durch die Mechanisierung sei es aber sehr augenfällig, wenn jemand zum Beispiel nur zwei Reihen Salat schneide, während die anderen drei Reihen schneiden würden, sagt Müller weiter. Oft sei dies aber kein Problem, da die Gruppe die Person auf ihr Verhalten aufmerksam mache und die Arbeit dann wieder richtig gemacht werde. «Wir lernten mit jedem Fall dazu und sind heute auch vorsichtiger beim Einstellen von Leuten», so Marlis Müller. Die allermeisten Personen seien sehr dankbare Leute, welche gerne und gut arbeiten.

«Arbeitet man auf einem Betrieb mit Angestellten, egal ob mit einer Person oder vielen, der Umgang mit Menschen muss dem Betriebsleiter auf alle Fälle gegeben sein» so Martin Jutzeler. Das sieht auch Viktor Müller so: «Entscheidet man sich für einen Betriebszweig, wo man auf Angestellte angewiesen ist, so muss man Freude haben, mit Menschen zusammenzuarbeiten und auch ein Flair dazu haben.» 

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