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Erlebnispfad Landwirtschaft

Die wärmeren Temperaturen locken nach draussen, viele Leute sind auf Feldwegen unterwegs. Infotafeln und sogenannte «Lockpfosten» am Feldrand bieten die ideale Gelegenheit, einem breiten Publikum die landwirtschaftliche Produktion näherzubringen. Daraus entstehen interessante Gespräche, sagt Nicole Reusser, die auf ihrem «Zelgli-Träff» viele Infotafeln einsetzt.

Blickfang am Wegrand: Weisse «Lockpfosten» geben Einblick in die Wichtigkeit und Vielfalt der landwirtschaftlichen Leistungen.

(Bild: LID)

Publiziert am

freie Journalistin

Der Arbeitsort von Landwirten ist oftmals Naherholungsgebiet von Bürgerinnen und Bürgern, die in ihrer Freizeit zwischen den Feldern spazieren gehen oder eine Velotour unternehmen. Wenn sich auf dem Feld kleine Pflänzchen zeigen, ein Steinhaufen «einfach so daliegt» und die Hecke unordentlich aussieht, stellen sich Passanten viele Fragen, die ihnen nur ein Landwirt beantworten kann.

Nur: Landwirte haben viel um die Ohren und sind nicht immer dann auf dem Feld anzutreffen, wenn eine Frage unter den Nägeln brennt. Damit Passanten trotzdem Hintergrundinformationen zur Landwirtschaft erhalten, sind Infotafeln am Feldrand oder Lockpfosten die ideale Alternative. Einmal aufgestellt, liefern sie Infos und Erklärungen. Und wenn der Landwirt doch einmal in Hörweite ist, bieten die Infos auf den Tafeln den perfekten Einstieg ins Gespräch.

Tafeln bauen Hemmschwellen ab

Auf dem Zelgli-Träff im solothurnischen Biezwil bei Nicole und Fritz Reusser kommt diese Situation oft vor. «Die Tafeln bauen bei vielen Leuten Hemmschwellen ab. Sie sehen, dass wir gerne von unserem Beruf erzählen und offen sind für eine Unterhaltung. Gleichzeitig liefern die Tafeln Gesprächsstoff», sagt Nicole Reusser. Nach ihrem Auftritt in der Landfrauenküche 2014 hat sie die Hofgastronomie vorangetrieben und bekocht heute regelmässig Gäste zusammen mit ihrem Ehemann, der den Betrieb mit Ackerbau und Schweinemast führt.

Thementafeln bestellen, bei «Lockpfosten» mitmachen

Die frisch gestalteten Themen tafeln von A wie Ackerbau bis Z wie Ziegen können im LID-Shop auf der Website www.lid.ch bestellt und neu im Printshop individuell auf den Betrieb angepasst werden.

thementafel

Informationen zu den Lockpfosten sind auf www.lockpfosten.ch zu finden. Die Lockpfosten werden von regionalen Teams an geeigneten Standorten gestellt und nach der Saison wieder entfernt.

Die Anmeldung für die nächste Saison startet ab Oktober über die Website www.bauernportal.ch.

Infos zur Verfügung stellen

Familie Reusser ist es ein grosses Anliegen, dass die Besucher auf ihrem Hof etwas lernen können bei ihrem Aufenthalt. «Wir wollen niemanden belehren. Aber mit den Tafeln haben wir eine gute Option gefunden, den Interessierten Infos anzubieten», so Nicole Reusser. Auf ihrem Hof stehen neben den Ställen Thementafeln zu Schweinen, Ziegen, Hühnern und an den Feldrändern Tafeln zu Getreide, Raps und Energie sowie Ökotafeln, die Extensivwiesen, Ackerschonstreifen und Co. erklären. Sogar eine Tafel, die in ihrer neu angelegten Trüffelanlage steht, haben sie in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID speziell anfertigen lassen.

Sie hätten ihre Kollektion von Thementafeln nach und nach ausgebaut, schmunzelt Nicole Reusser. «Unser Hof liegt an einem Wanderweg. Zuerst hatten wir die Idee, mit einem Lockpfosten den Passanten auf spielerische Weise unseren Hof vorzustellen. Dann haben wir festgestellt, dass sich viele Passanten die Zeit nehmen und den Text auf dem Lockpfosten durchlesen», sagt die sechsfache Mutter.

Weisse Pfosten locken an

Die Lockpfosten sind ein Element der Kampagne «Schweizer Bauern». Mirjam Hofstetter vom Schweizer Bauernverband erklärt: «Das auffällige weisse Design soll entlang von Äckern, Wiesen und Bauernhöfen Biker und Wanderer anlocken und mit kreativen Texten über Tiere, Pflanzen, Insekten, Obst oder Gemüse auf möglichst einfache Weise die Landwirtschaft näherbringen.» Pluspunkte sieht die Co-Leiterin Kommunikation darin, dass die Lockpfosten anspruchslos im Unterhalt sind und ungewohnte Zugänge zur Landwirtschaft schaffen.

Erlebnishof Zelgli-Träff

Der Zelgli-Träff bewiretet Gäste und bietet im Hofladen eigene Produkte an. Erlebnisweg «Milchstrasse» und Gastronomie sind voraussichtlich ab dem 8. Juni im Rahmen der eidgenössischen und kantonalen Vorgaben betreffend Corona-Lockdown wieder geöffnet. Weitere Informationen auf der Website: www.zelgli-traeff.com.

Landwirtschaft als Erlebnis

Auf dem Zelglihof wuchs nach den erfolgreichen Lockpfosten der Wunsch, insbesondere den Gastronomie-Besuchern noch mehr Infos zu ihrem Hof und der Landwirtschaft allgemein zur Verfügung zu stellen. «Viele Leute kommen zum Essen zu uns auf den Hof und fragen uns, ob wir denn noch Landwirtschaft betreiben», berichtet Nicole Reusser. Wenn sie und ihr Ehemann dann bejahen, komme oft die Antwort: «So habe ich mir einen Bauernhof gar nicht vorgestellt.» Das gebe ihnen schon zu denken und habe sie motiviert, mehr Energie in die Kommunikation zu stecken, gibt Nicole Reusser zu. Die ersten Jahre hätten sie selber Infotafeln gebastelt, sagt Nicole Reusser. Bald darauf habe sie sich umgeschaut, ob es professionell gestaltete Tafeln gäbe. Seither nutzt sie diejenigen von LID und IP-Suisse. Seit März 2017 bietet der Zel-gli-Träff die Milchstrasse an, ein Erlebnisweg für Familien. An 15 Posten auf einer Spazierschlaufe rund um den Hof wird spielerisch die Landwirtschaft nähergebracht, beispielsweise können Kinder mit einer Lupe in einem Getreidefeld die Insekten betrachten. Bei jedem Posten steht eine passende Infotafel und in Milchkannen stehen die benötigten Requisiten bereit.

Transparenz zeigt Offenheit

Für Reussers hat die Vermittlung von Wissen über die Landwirtschaft eine hohe Priorität: «Wir möchten transparent sein und den Leuten aufzeigen, was wir machen. Wir leben den offenen Dialog und erklären gerne, wenn Fragen auftauchen.» Obwohl im Feld viele Infos bereitstehen, nutzen die Leute es, den Landwirt direkt fragen zu können. Fritz Reusser benötigt deshalb für Arbeiten auf dem Acker oft mehr Zeit als früher. «Das finden wir schön. Schliesslich stehen wir ja hinter unseren Produkten und möchten den Leuten zeigen, weshalb sie so wertvoll sind», sagt Nicole Reus ser. Die Infotafeln sind kein Ersatz für ein persönliches Gespräch Aber sie helfen, einen Gesprächseinstieg zu finden. 

Fünf Tipps zur Kommunikation von Nicole Reusser

  • Die Mehrheit der Konsumenten hat keinen Bezug zur Branche, es ist gut, wenn man das im Hinterkopf behält.
  • Hören Sie den Leuten zu und fragen Sie nach, wenn Leute mit Halb- oder Falschwissen die Landwirtschaft anschuldigen. Zum Beispiel «Woher haben Sie diese Information?». Sie können dann von Ihrem eigenen Betrieb erzählen und sagen, dass Sie es dort anders machen.
  • Nicht alle müssen gut finden, was Sie machen. Ich vergleiche das gerne mit Coop und Migros: Es gibt Leute, die gehen lieber zu Migros, andere gehen lieber zu Coop. Jeder hat seine Vorlieben und das ist okay. Belehren Sie nicht!
  • Seien Sie grosszügig. Wenn ich bei meinem Hofladen zum Brot als Degustation eine kleine Konfitüre mitgebe, kommen die Leute das nächste Mal in den Laden und kaufen eine grosse Packung. Das ist ein Gewinn für beide Seiten!
  • Viele Branchenorganisationen stellen Infotafeln zur Verfügung. Nutzen Sie diese, Sie müssen das Rad nicht neu erfinden.

Kommunizieren, aber richtig

Der Landwirtschaftliche Informa tionsdienst (LID) zeigt 2020 mit der Serie «Kommunizieren, aber richtig» in jeder Ausgabe der UFA-Revue, wie Landwirtinnen und Landwirte mit der richtigen Kommunikation die Landwirtschaft an die Öffentlichkeit tragen können. Hilfreiche Tipps finden Sie im Praxishandbuch «Kommunikation für den Hof» auf www.lid.ch.


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