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Das Pflücken auf der Leiter ist kein Kinderspiel

Jedes Jahr geschehen während der Obsternte schwere oder gar tödliche Unfälle infolge von Stürzen von der Leiter. Die Ursachen dafür liegen oft in ungenügender Vorbereitung des Arbeitsplatzes und unsicheren Arbeitsweisen in der Baumkrone.

Der Einsatz eines Obstpflückgurts auf der gesicherten Leiter verbessert die Sicherheit der arbeitenden Person wesentlich.

(Bild: BUL)

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Gefahren im Umgang mit Leitern werden oft unterschätzt, was schnell zu Stürzen führen kann. Viele dieser Unfälle laufen glimpflich ab, bei einigen jedoch sind die Folgen sehr schwer und tragisch. Mit geeigneten Massnahmen kann das Risiko beträchtlich eingeschränkt werden, so dass die Ernte der süssen Früchte nicht von bitteren Unfällen überschattet wird.

Leitern sicher anstellen

Die meisten Leiternunfälle geschehen, weil sich die Leiter dreht, bewegt oder abrutscht. Für Leitern im Obstbau sind metallene Spitzen erforderlich, die ein sicheres Verankern im Erdreich ermöglichen. Mehrzweckleitern können mit verstellbaren Leiternspitzen ausgerüstet und so ausserhalb der Erntezeit auch auf befestigten Untergründen verwendet werden.

Der richtige Anstellwinkel für Leitern beträgt ungefähr 70° und kann einfach durch den «Ellbogentest» festgestellt werden: dazu stellt man sich am Fussende der aufgestellten Leiter zwischen die Holme. Der auf Schulterhöhe vom Körper weggestreckte Ellbogen soll dabei genau auf die Leiter treffen. Das Anbinden der Leiter an tragfähigen Ästen mit Klemmgurten, Stricken oder anderen geeigneten Hilfsmitteln ist eine einfache Massnahme, die die Standsicherheit stark verbessert. Damit das Anbinden der Leiter zur Routine wird, sollte zu Beginn der Erntearbeiten jede Leiter mit den entsprechenden Hilfsmitteln ausgerüstet werden. Spitze oder gefährliche Gegenstände unter dem Baum werden vor dem Arbeitsbeginn entfernt.

Richtiges Verhalten, gute Ausrüstung

Pflückgeschirre sollten mit einem Gurt oder Haken am Körper befestigt sein, damit beim Auf-und Abstieg beide Hände zum sicheren Griff an der Leiter sind. Bei Arbeiten auf Leitern gilt grundsätzlich die Dreipunkte-Regel. Dies bedeutet, dass entweder eine Hand und zwei Füsse auf der Leiter sind oder zwei Hände und ein Fuss. Zum beidhändigen Pflücken empfiehlt sich der Einsatz eines Obstpflückgurts, mit dem sich die arbeitende Person an Leiter positionieren kann. Obstpflückgurte dürfen nur an gut gesicherten Leitern eingesetzt werden. Personen mit wenig oder keiner Arbeitserfahrung auf der Leiter sollten von einer fachkundigen Person instruiert und beim Einrichten der Leiter unterstützt werden.

Stabile Schuhe mit einer rutschsicheren, festen Sohle geben auf der Leiter einen besseren Halt und vermindern das rasche Ermüden der Füsse. Bei feuchtem Untergrund muss darauf geachtet werden, dass die Sohlen vor dem Aufstieg frei von Verschmutzungen sind, um ein Abgleiten zu vermindern. Leitern sollten niemals in offenen Schuhen bestiegen werden.

Mit einem Pflückhaken können Äste in Reichweite gezogen werden. Auf diese Weise muss man sich nicht weit hinauslehnen. Geräte mit beidseitigen Haken ermöglichen das Einhängen des herangezogenen Astes an der Leiter.

Vorsicht bei älteren Personen

Leider betreffen viele schwere oder tödlich Unfälle bei der Obsternte Seniorinnen und Senioren. Körperlich ist die Obsternte nicht allzu schwer. Die Seniorengeneration führt diese Arbeit oft und gerne mit bereits jahrelanger Erfahrung aus. Dass Kraft und Koordination im Alter nachlassen, wird jedoch vielfach ausgeblendet. Mitunter ein Hauptgrund für den Sturz vieler älterer Personen von Leiter ist der sogenannte Altersschwindel. Dessen Ursachen liegen in den normalen körperlichen Veränderungen des Älterwerdens. Die sensorische Leistung des Innenohrs und damit verbunden der Gleichgewichtssinn und das Hörvermögen lassen nach, das räumliche Sehen wird durch altersbedingte Veränderungen am Auge eingeschränkt und die allgemeine Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Zudem können auch alterstypische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Diabetes, Altersdemenz oder die Nebenwirkungen verschiedenster Medikamente das Gleichgewichtssystem beeinträchtigen. Das Erfüllen anderweitiger Aufgaben im Betrieb kann Seniorinnen und Senioren helfen, ihren wertvollen Teil zur Obsternte beizutragen, ohne dass sie selber auf die Leiter steigen.

Prävention bei Selbstpflückangeboten

Anbieter von Kirschen zum Selberpflücken müssen davon ausgehen, dass nicht alle ihre Kunden über die notwendigen Kenntnisse der sicheren Pflückarbeit und den korrekten Einsatz der Leiter verfügen. Daher ist es wichtig, sicherzustellen, dass die zur Verfügung gestellten Leitern und Hilfsmittel in einem einwandfreien Zustand und für den Einsatz geeignet sind. Es empfiehlt sich auch hier, die Prüfung der eingesetzten kurz schriftlich zu dokumentieren. Im Weiteren dürfen nur sichere, gepflegte Bäume zum Pflücken freigegeben werden. Bei unerfahrenen Pflückern empfiehlt es sich, eine kurze Einführung zum Einrichten der Leiter sowie über das sichere Arbeiten auf der Leiter abzugeben.

Leitern jährlich prüfen

Alle auf dem Betrieb eingesetzten Holz- und Aluleitern müssen mindestens einmal jährlich und immer nach einer starken Beanspruchung überprüft werden. Um Schäden oder Mängel an Leitern feststellen zu können, muss ein Prüfplatz mit sehr guten Lichtverhältnissen gewählt werden. Ein systematisches Vorgehen verhindert, dass einzelne Prüfpunkte vergessen gehen. Hilfreich ist das Führen einer Liste aller im Betrieb eingesetzten Leitern. Die Leiternprüfung sollte mit einem schriftlichen Vermerkt festgehalten werden, etwa im Feldkalender, in der Agenda oder bei UVG-Betrieben im Sicherheitskonzept (Agritop-Handbuch, Register 3).

So werden Leitern richtig geprüft

Die Leiter wird an beiden Enden auf einer Erhöhung wie beispielsweise auf Obstharassen aufgelegt und mit mindestens 70 Kilogramm in der Mitte ruck- und schlagfrei belastet. Anschliessend wird die Leiter gewendet und die Belastung auf der anderen Seite wiederholt. Bei Auszugleitern wird nur die Seite mit dem Auszugstück belastet. Die Festigkeit der Sprossen kann überprüft werden, indem man über die am Boden liegende Leiter geht und dabei jede Sprosse mit beiden Füssen belastet.

Folgende Punkte sollten zudem überprüft werden:

  • Sind die Holme nicht verzogen und weisen keine Risse oder Schlagstellen auf?
  • Sind die Sprossen nicht beschädigt und in den Holmen fest verbunden?
  • Sind alle Verschraubungen vorhanden und fest?
  • Sind die Sprossenanker in funktionsfähigem Zustand und fest?
  • Verfügen Baumleitern über Spitzen und sind diese korrekt befestigt?
  • Sind bei Bockleitern Spreizsicherungen vorhanden und sind diese funktionsfähig?
  • Sind bei Schiebeleitern die Einfallhaken beidseitig in Ordnung?
  • Verfügt jede Baumleiter über zwei Stricke oder Spanngurten zur Sicherung?

Reparatur, Pflege und Lagerung

 Werden Beschädigungen festgestellt, müssen diese zwingend vor dem Einsatz der Leiter behoben werden. Reparaturen müssen immer durch eine fachkundige Person ausgeführt werden. Ist eine Reparatur nicht mehr möglich, muss die Leiter umgehend unbrauchbar gemacht und entsorgt werden, so dass sie nicht mehr eingesetzt werden kann.

Raue Stellen an Holz- oder Aluleitern können mit einem Schleifpapier geglättet werden. Zum Schutz können Holzleitern mit einem atmungsaktiven Oel gestrichen werden. Auf das Streichen mit einer deckenden Oelfarbe hingegen ist zu verzichten, weil dies die Atmungsfähigkeit des Holzes stark eindämmt und mögliche Risse oder Schäden verdeckt.

Vor der Lagerung müssen Leitern gereinigt und auf Schäden überprüft werden. Der Aufbewahrungsort sollte so gewählt werden, dass die Leitern weder direkter Sonneneinstrahlung noch starken Witterungseinflüssen ausgesetzt sind. Leitern werden grundsätzlich vertikal gelagert. Dabei ist darauf zu achten, dass genügend Aufhängepunkte zur Verfügung stehen, um ein Durchhängen zu vermeiden.

Quelle: BUL

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