Management

Was du tust, sagt mehr als tausend Worte

Als Landwirt kann man sich nicht verstecken. Die Arbeit wird draussen auf dem Feld verrichtet und an den Weiden führen Spazierwege vorbei. Man arbeitet wie auf dem Präsentierteller, doch das hat auch Vorteile. Denn entsprechend viele Möglichkeiten gibt es, positiv in Erscheinung zu treten. Die Landwirtin, Agronomin und Online-Beraterin Maja Mogwitz hält ein Lächeln für einen guten Anfang.

Schwenkverteiler kommen in der Nachbarschaft oft schlecht an

Schwenkverteiler kommen in der Nachbarschaft oft schlecht an. Unterdessen wird gemäss SBV 40 Prozent der Schweizer Gülle mit Schleppschlauch ausgebracht.

(Bild: René Kunz, landwirtschaft.ch)

Publiziert am

freie Journalistin

Es muss nicht immer das Güllenthema sein, wenn es um Vorwürfe an die Landwirtschaft geht. Auch eine Heubelüftung im Dauerbetrieb kann die Harmonie zwischen Anwohnerschaft und Landwirtschaftsbetrieb bereits empfindlich stören. Doch es gibt ein paar Dinge, die man tun kann, um das Zusammenleben mit Anwohnerinnen und Anwohnern geschmeidiger zu gestalten. Als Nebeneffekt wird dabei gleichzeitig das Image der oft angeprangerten Landwirtschaft insgesamt aufgebessert.

Regeln respektieren

Natürlich gilt für Landwirtinnen und Landwirte wie für alle anderen: geltende Regeln sind einzuhalten. Dazu gehört, dass Pflanzenschutzmittel nicht jenseits der Feldränder oder Gülle nicht auf gefrorenen Boden auszubringen sind. Die junge Landwirtin Maja Mogwitz hat sich nach ihrem Studium auf Agrar-Weltreise begeben und in Ländern wie Neuseeland, Chile oder Indien auf Landwirtschaftsbetrieben gearbeitet (siehe Kasten). Zurück in Deutschland berät sie Landwirtinnen und Landwirte zu ihrem Öffentlichkeits-Auftritt. Für Mogwitz gibt es grob zwei Gruppen von Leuten, die ein Landwirt oder eine Landwirtin im Hinterkopf behalten sollten: «Es sind einerseits jene, die deshalb alles mitbekommen, was der Landwirt tut, weil ihr Garten direkt ans Feld grenzt. Und andererseits gibt es auch die, die gar nicht mit der Landwirtschaft in Berührung kommen, weil sie in einer Grossstadt wohnen», so die Agronomin.

Fünf Tipps von Maja Mogwitz für ein reibungsloses Miteinander

  • Auch wenn es Zeit kostet und die Gespräche nicht immer einfach sind: Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung ernst nehmen und erklären, was man tut.
  • Man kann zwar das Gegenüber nicht beeinflussen aber bei sich selbst beginnen: offen bleiben für den Dialog.
  • Informieren: auf dem Wochenmarkt Tabletts auslegen mit kleinen Erklärvideos, Flyer verteilen, die den Hof vorstellen oder Malbücher für die Kleinen.
  • Andere mit der eigenen Begeisterung anstecken: Zu einem Tag der offenen Tür einladen.
  • Die Kleinen abholen: Vortrag in der Schule oder im Kindergarten halten oder die Klasse des eigenen Kindes zu sich auf den Hof einladen.

Transparenz hilft fürs Verständnis

Herausfordernd sei aber in allen Fällen das fehlendee Verständnis auf beiden Seiten. «Abhilfe schaffen können wir Landwirtinnen und Landwirte nur, indem wir offen und kommunikativ die eigene Arbeit darstellen und Transparenz schaffen», sagt Mogwitz. Um den Dorfbewohnern die landwirtschaftliche Praxis näher zu bringen, rät sie zu Schildern am Feldrand. «Am besten die Abläufe erklären, wie zum Beispiel: Hier wächst Dinkel. Damit wir später ernten können, müssen wir ihn düngen und spritzen. Das machen wir soundso viele Mal im Jahr und halten uns an alle Vorgaben und gehen achtsam mit der Natur um, denn die Natur ist die Grundlage unserer Arbeit.»

Rücksicht auf der Strasse

In allen Fällen sei es wichtig, dass beide Seiten offen für einen Dialog sind, dass man zuhört, und dass man es aushalten kann, wenn es Kritik und andere Meinungen gibt. Da hilft es, mit dem eigenen Handeln ein paar Sympathiepunkte zu sammeln: Fussgänger und Radfahrer begrüssen es, wenn sie in grossem Bogen überholt werden. Mit dem Traktor oder Mähdrescher auf der Strasse, empfiehlt es sich, ab und zu rechts ranzufahren und die hinteren Fahrzeuge vorbeizuwinken. Und wenn Geräte und Reifen bereits am Feldrand grob von feuchter Erde befreit werden, ist das schon die halbe Miete für ein rücksichtsvolles Miteinander. «Wenn immer möglich, empfehle ich, der Nachbarschaft zuzulächeln, zuzuwinken oder auch anzuhalten und mit den Leuten zu reden. Und wenn es die Zeit zulässt, kann man zum Beispiel Kinder auf den Fahrersitz des Traktors steigen lassen, wenn der Motor abgestellt ist», schlägt Mogwitz vor. Denn Kinder seien sehr begeisterungsfähig und gleichzeitig hole man sich damit die Sympathie der Eltern.

Zur Person

Maja Mogwitz hat nach ihrem Studium der Agrarwissenschaften für zwei Jahre in der Social Media-Abteilung eines landwirtschaftlichen Unternehmens in Berlin gearbeitet, bevor sie ihre Koffer gepackt hat und auf Agrar-Weltreise aufgebrochen ist. Insgesamt hat sie in acht Ländern mit Landwirten gearbeitet und sich mit ihnen ausgetauscht. Ihre Erfahrungen teilt sie in ihrem Podcast.

Mehr dazu auf ihrer Website www.agrarweltreise.de oder auf ihrem Instagram-Account www.instagram.com/mayooonaise

Erreichbar sein per WhatsApp und E-Mail

Beim Pflanzenschutz und beim Güllefahren gilt Rücksicht: wenn am Feldrand gearbeitet wird, Spaziergänger und Radfahrer vorbeilassen, bevor die Arbeit fortgesetzt wird. Es kann ja sein, dass das Wetter eine sonntägliche Güllegabe vorgibt. Aber mit ein bisschen Planung lässt sie sich an Ruhetagen auf Parzellen vermeiden, die an ein Wohngebiet angrenzen. Auch wichtig ist, die Windverhältnisse bei der Wahl der Flächen zu berücksichtigen. Um dem Gülle-Konflikt vorzeitig Wind aus den Segeln zu nehmen, haben sich «Gülle-WhatsApp-Gruppen» bewährt, wo die Anwohner per WhatsApp informiert werden, kurz bevor in ihrer Nähe Gülle ausgebracht wird.

Tue Gutes und sprich darüber

Um Leute aus der Grossstadt anzusprechen, die selten an Feldern und Weiden vorbeikommen, mache die Investition in einen guten Social Media Auftritt Sinn. «Jeder Mensch verbringt heute mehrere Stunden am Handy. Es ist wahrscheinlicher, dass ein Städter auf Social Media-Kanälen nach Antworten sucht, als dass er am Hoftor klingelt», sagt Mogwitz. Für sie ist es eine verpasste Chance, wenn ein Betrieb keinen Online-Auftritt hat. «Auch die Presse freut sich über aktive Landwirtinnen und Landwirte, die online von ihrer Arbeit und ihren täglichen Herausforderungen berichten.» Mogwitz wünscht sich, dass Landwirte mehr von ihrer Arbeit, von ihren Fortschritten und Ideen erzählen und zeigen, was sie tun. «Wenn man es nicht erzählt, kann die Gesellschaft auch nicht mitkriegen, dass sich die Landwirtschaft in vielen Bereichen vorwärts bewegt.» 

Kommunizieren, aber richtig

Der Landwirtschaftliche Informa tionsdienst (LID) zeigt 2020 mit der Serie «Kommunizieren, aber richtig» in jeder Ausgabe der UFA-Revue, wie Landwirtinnen und Landwirte mit der richtigen Kommunikation die Landwirtschaft an die Öffentlichkeit tragen können. Hilfreiche Tipps finden Sie im Praxishandbuch «Kommunikation für den Hof» auf www.lid.ch.

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