Nutztiere

Mehr als nur Tränkeautomaten

Das Familienunternehmen Förster-Technik mit Sitz in Engen (D) ist weltweit bekannt für seine Tränkeautomaten. Doch die Erkenntnisse und Entwicklungen in der Kälberhaltung gehen weit über das Tränken hinaus. Im Gespräch mit den beiden Geschäftsführern wird die Zukunft der Kälberhaltung beleuchtet.

CalfApp Go

Die «CalfApp Go» er möglicht es dem Landwirt, das Trinkverhalten der Kälber zu überwachen und den Automaten zu steuern. 

(Bild: UFA AG)

Publiziert am

Mitarbeiter Marketing, UFA AG

UFA-Servicetechniker

Im Bereich der Tier- und Krankheitserkennung hat Förster-Technik in den letzten Jahren viele Neuheiten auf den Markt gebracht. Hierbei lautete das Credo «Vernetzen». Da die Tiererkennung am Automaten schon ein langjähriger Bestandteil der Entwicklung ist, hat der Tränkeautomatenhersteller das nötige Know-how, um solche Daten verarbeiten zu können.

Ein Blick nach vorne

Wagt man im Gespräch mit den beiden Brüdern und Geschäftsführern Thomas und Markus Förster einen Blick in die Zukunft, so kristallisieren sich drei Punkte heraus, auf welche der Fokus in der Entwicklung gelegt wird. Der erste Punkt: Die Robustheit der Maschinen (Automaten, Milchmobile, etc.). Dieser Aspekt erscheint nicht als besonders spektakulär, für die beiden Geschäftsführer ist er aber sehr wichtig. Zur Entwicklung und Weiterentwicklung gehört auch, dass die Maschinen robust und solide im täglichen Gebrauch sind. Daran wird laufend gearbeitet und Rückmeldungen, auch aus der Schweiz, werden wahrgenommen und umgesetzt.

Der zweite Punkt ist ein erleichtertes Milchmanagement. Hierzu hat die Firma Lösungsmöglichkeiten für Ro-boter-Betriebe entwickelt. Mit dem Smarttank-System kann die Milch vom Roboter in einen Tank geleitet werden, welcher den Automaten und somit die Kälber mit Vollmilch versorgt. Der Tank kühlt die Milch, sodass diese länger haltbar ist. Somit spielt es auch keine Rolle, wann die Kühe, die für die Kälber gemolken werden, den Roboter besuchen. Mit Hilfe von Sensoren weiss der Automat, ob es Milch im Tank hat und kann bei Bedarf auf Wasser-Pulver umschalten. Eine automatische Reinigung ist im Tank integriert. Beim Einsatz von Vollmilch oder Pulver sehen Thomas und Markus Förster in beiden Systemen Vorteile. Ob Vollmilch oder Milchpulver verabreicht wird, sei je nach Land unterschiedlich und hänge vom jeweiligen Milchmarkt ab. In Kanada beispielsweise konnte beobachtet werden, dass dank der Milchquote und des hohen Milchpreises fast keine Vollmilch eingesetzt wurde. Mit dem Handelsstreit zwischen den USA und Kanada und des dadurch tieferen Milchpreises setzen die Kanadier nun vermehrt Vollmilch ein.

Schnelle Lieferung in die Schweiz

Zu Beginn dieses Jahres zog Förster-Technik mit einem Teil der Produktion in die neue Produktionsstätte in Engen ein. Die Erweiterung wurde nötig, da die bisherige Produktionsstätte, die für 70 Mitarbeitende ausgelegt war, nicht mehr genügend Platz für die aktuell 140 Mitarbeitenden bot. Somit stellt die Firma sicher, dass auch in Zukunft Produkte von Förster-Technik in Engen produziert werden und auch schnell in die Schweiz geliefert werden können. Die UFA-Kälbermastspezialisten werden jährlich direkt vor Ort in Engen ausgebildet, kennen die verschiedenen Produkte und können eine umfassende Beratung und Inbetriebnahme gewährleisten.

Die neue Produktionshalle von Förster-Technik in Engen.

Die neue Produktionshalle von Förster-Technik in Engen.

(Bild: Förster-Technik )

Viele Daten für mehr Präzision

Der dritte Punkt liegt in der Früherkennung von Krankheiten beim Einzeltier. Die eigens entwickelte CalfCloud ist die zentrale Datensammelstelle der erfassten Informationen vom Automaten und der zwei Apps, die Förster-Technik im Angebot hat. Mit «CalfApp Go» kann das Trinkverhalten der Kälber überwacht und der Automat gesteuert werden. Die neue «CalfApp Vital» ermöglicht das Erfassen verschiedener Gesundheitsdaten. Um die Informationen noch besser auswerten zu können, setzt Förster-Technik in Zukunft auf künstliche Intelligenz. Das bedeutet, dass die verschiedenen Daten mit Algorithmen ausgewertet werden, damit ein Krankheitsausbruch rund zwei Tage im Voraus vorhergesagt werden kann. So wird der Landwirt oder die Landwirtin per Alarm informiert, bevor das Kalb krank ist und dieses eine genauere Untersuchung benötigt. Dieses Vorhaben ist momentan noch in der Entwicklung. Entscheidend ist die Datenmenge: Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto genauer können die Algorithmen programmiert werden. Zu diesen Daten gehören beispielsweise Tränkemenge pro Besuch, Anzahl Besuche, Besuchszeit, Sauggeschwindigkeit.

Interaktiv und vernetzt

Digitale Helfer im Gesundheitsbereich sind auch bei Förster-Technik zu finden. Mit der «CalfApp Vital» kann der Landwirt den Gesundheitszustand der Kälber einfach dokumentieren und die App dient auch als elektronisches Behandlungsjournal. Auch ein elektronischer Fiebermesser, der via Bluetooth die Werte an die App schickt, erleichtert die Dokumentation. In der App hinterlegte Bilder zu Krankheitssymptomen erleichtern die Einschätzung und den Schweregrad der jeweiligen Erkrankung, sei dies bei Durchfall, Lungenproblemen oder Ohrenentzündungen. Auch eigene aufgenommene Bilder können als Dokumentation abgespeichert werden. Diese werden in die CalfCloud gespeichert. Im Zusammenspiel mit den Daten des Tränkeautomaten soll die künstliche Intelligenz lernen können.

Kälber individuell beobachten

Benutzt ein Landwirt die Manage-ment-Tools von Förster-Technik vollumfänglich, erleichtert sich die individuelle Tierüberwachung.

Automaten der Smart-Generation können mit dem Internet verbunden werden. Somit ist es möglich, die Kälber und den Automaten einfach per Smartphone zu überwachen. Ist etwas nicht in Ordnung (Pulver leer, Milchtank leer, ein Kalb das nicht säuft), wird ein Alarm gesendet. Dank der CalfCloud passiert dies in Echtzeit. Die individuelle Kälberüberwachung mit digitalen Helfern und die automatische Fütterung ist nicht nur in Hochpreisländern innerhalb Europas ein Thema, um Arbeitszeit zu sparen. Auch in Ländern mit tieferen Lohnkosten wie China, steigt die Nachfrage nach tierindividueller Überwachung und automatischer Fütterung der Kälber. Die Beweggründe sind hier jedoch, dass bei Personalwechseln die Kälberüberwachung und -fütterung nicht mehr nur vom Menschen abhängen. Für die Betreiber der Farmen bietet sich so mehr Konstanz in der Kälberaufzucht, wenn der Automat diese tränkt und überwacht. Für europäische Verhältnisse mit Familien- oder Nebenerwerbsbetrieben sehen Thomas und Markus Förster vor allem den Gewinn an Flexibilität als Vorteil. Die automatische Fütterung befreit von fixen Arbeitszeiten und ermöglicht dank den digitalen Helfern eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung. Das Auge der Betriebsleiter ist jedoch nach wie vor das wichtigste Managementtool. 


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