Nutztiere

Hilfe vom Tierarzt: «Was mache ich bei defekten Strichen? »

In den letzten drei Jahren hatte ich vermehrt abkalbende Rinder mit einem defekten Euter; ein oder zwei Striche ohne Milch. Zusammen mit dem Tierarzt haben wir versucht, die Striche zu öffnen, jedoch ohne Erfolg. Die Tiere sind jeweils zur Sömmerung auf der Alp. Im Frühling führe ich eine Impfung gegen Gemsblindheit durch und benutze Fliegenmittel als Aufguss. Was könnte es sein? Könnten es andere Tiere sein, die Saugen oder Schwarzdornsträucher, die das Euter verletzen?

Ein Kalb saugt an den Zitzen eines anderen Kalbes.

Defekte Euter entstehen häufig als Folge vom Besaugen der Zitzen während der Aufzucht. 

(Bild: Landpixel)

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Tierärztliche Bestandesbetreuung

Sehr geehrter Herr S. B. Vielen Dank für die interessante Frage. Sie haben gute Überlegungen gemacht. Oft ist ein anderes Rind für dieses ärgerliche Ereignis zuständig. Vielfach ist es nur ein Tier in einer Herde und aus eigener Erfahrung kommt es gehäuft in gemischten Herden vor (wenn Fleisch- und Milchrinder zusammen gehalten werden). Das Besaugen der Zitzen beim Rind führt zu einer Reizung des Gewebes (vor allem der Schleimhaut, welches die innerste Schicht ist). Typischerweise kann man in der Zitzenzisterne von betroffenen Vierteln eine feine Verhärtung wie ein Reiskorn spüren und im Strich befindet sich nie Milch. Diese Zitzenzisterne ist dann verklebt und kaputt. Aus diesem Grund ist es Ihrem Tierarzt und Ihnen nicht gelungen, die Störung chirurgisch zu beheben. Eine Behandlung ist in diesem Fall nämlich aussichtslos. Um die Veränderungen (z. B. fehlende Zitzenzisterne) zu sehen, eignet sich auch eine Ultraschalluntersuchung. Das kann einfach und schnell im Stall durch Ihren Tierarzt durchgeführt werden.

Alternativ kann eine Mastitis während der Aufzucht zu einem kaputten Euter führen. Insbesondere gefürchtet ist die sogenannte Fliegenmastitis beim Rind (je nach Region wird sie anders bezeichnet). Bakterien (in diesem Fall Tuerperella pyogenes) und die damit verursachte Entzündung machen, dass das Drüsengewebe kaputt geht. Die Erreger können mit Fliegen von einem Tier zum anderen getragen werden. Vorbeugend ist einzig möglich, den Fliegenschutz zu optimieren. In solchen Fällen sieht man während der akuten Phase jedoch eine äusserliche Veränderung (grösser, härter, wärmer, schmerzhaft) der betroffenen Viertel.

An Verletzungen durch Schwarzdornsträucher glaube ich nicht. Die Hautrisse wären als blutende Verletzungen sichtbar und die Narben können Sie auch nach langer Zeit noch sehen. Wie bereits erwähnt, glaube ich, dass in Ihrem Fall ein saugendes Rind die Ursache ist. Häufig sind auch Rinder anderer Landwirte betroffen, welche ihre Tiere auf derselben Sömmerungsweide haben. Beobachten und eruieren des «Täters» ist die Lösung des Problems. Dies kann zwar etwas mühsam sein, es lohnt sich aber allemal.

Haben Sie auch Fragen oder beschäftigt Sie etwas, das Sie bei einem Tierarzt ansprechen möchten? Lassen Sie uns die Frage per Post oder E-Mail mit dem Betreff «Tierarzt» zukommen: UFA-Revue, Theaterstrasse 15 a, 8401 Winterthur, redaktion@ufarevue.ch

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