Nutztiere

Zuverlässiges System wählen und alle Daten nutzen

Dank frühzeitigem Erkennen von Krankheiten und dem Verhindern von verpassten Brunsten, können Vorbeugemassnahmen eingeleitet und der richtige Besamungszeitpunkt eingehalten werden. Immer öfter wird der Landwirt durch digitale Helfer unterstützt, die ihm eine Arbeitserleichterung bieten und wodurch Kosten eingespart werden.

Mutterkuh mit der digitalen Ohrmarke Smartbow

Digitale Hilfsmittel zur Früherkennung von Krankheiten oder zur Brunsterkennung lohnen sich in der Milchvieh- wie auch in der Mutterkuhhaltung.

(Bild: Hansueli Rüegsegger)

Publiziert am

Leiter Marketing, UFA AG

Milchviehspezialist, UFA

Gesunde Kühe sind der Wunsch von jedem Landwirt. Durch frühzeitiges Erkennen, erkrankt die Kuh meist weniger stark und die Genesung erfolgt schneller. Dadurch kann auf eine antibiotische Behandlung ganz oder zumindest teilweise verzichtet werden. Digitale Helfer, die sensible Parameter wie das Wiederkauen berücksichtigen, setzen bei dieser Früherkennung an. Nebst der Erkennung von Krankheiten ist die Brunstbeobachtung ein Aspekt, bei dem immer mehr Landwirte von automatisierten Hilfsmitteln unterstützt werden. Gründe dafür sind beispielsweise rückläufige Dauer und Intensität der Brunsten, aber vor allem, dass die Landwirte heute weniger Zeit haben für die visuelle Brunstbeobachtung. Eine schlechte Brunstbeobachtung führt zu verpassten Brunsten, Besamungen zum falschen Zeitpunkt und Besamung nicht brünstiger Tiere. Eine verpasste Brunst kann mit Einberechnung von Besamungs- und Tierarztkosten, Mehrarbeit, allfällig tieferer Jahresmilchleistung und den Remontierungskosten bis zu über 300 Franken Kosten.
Die Sensoren, die an Halsband, Ohr oder Fuss angebracht oder im Pansen sind, messen unterschiedliche Daten, beispielsweise die Wiederkautätigkeit, die Liegezeiten, die Fresszeiten oder die innere Körpertemperatur.

Daten müssen zuverlässig sein

Smartbow beispielsweise erkennt Krankheiten in den allermeisten Fällen, bevor diese ausbrechen und somit auch bevor das menschliche Auge eine Veränderung feststellen kann. Dazu gibt es zwei Hauptgründe: Einerseits ist das Wiederkauen der beste Gesundheitsindikator. Bevor eine Krankheit wie Ketose oder Mastitis ausbricht, reagiert die Kuh mit einem Wiederkauabfall. Das heisst, dass die Wiederkauminuten je Stunde zurückgehen oder gar auf null sinken, was den sogenannten akuten Wiederkaualarm auslöst. Nun gilt es, rasch zu reagieren, bevor die Kuh in ein «Loch» fällt und intensivere Behandlungsmethoden angezeigt sind.
Ein Vorkommen von Ketose oder Milchfieber kann Verluste von rund 350 bis 400 Franken nach sich ziehen. Diese mit vorbeugenden Massnahmen zu verhindern, zahlt sich nicht nur in erhöhter Tiergesundheit und somit verbesserter Leistung, sondern auch in verminderten Ausgaben aus.
Smartbow zeichnet sich durch die sehr zuverlässige Übermittlung der verschiedenen Parameter aus. Untersuchungen an den Universitäten in Kentucky (USA) und Wien zeigen eine Wiederkau-Genauigkeit von mindestens 97 Prozent, was ausserordentlich hoch ist. Hauptgrund für die präzise Übermittlung ist, dass das Ohr sehr sensibel ist und die Parameter daher genau ermittelt werden. Ein weiterer Punkt ist, dass der Sender am Ohr nicht verrutschen kann.
Bei der Investition in digitale Hilfsmittel gilt es, die Genauigkeit unbedingt zu berücksichtigen. Es gibt viele Systeme auf dem Markt und jedes liefert Daten, aber nur zuverlässige Daten sind hilfreich.
Entscheidend ist zudem der Referenzwert. Da das Wiederkauen durch verschiedene Parameter wie Fütterung, Tiergesundheit, Laktationsstadium, Alter, Brunst und Stresssituationen beeinflusst wird, hat jedes Tier einen anderen Idealwert. Der Referenzwert muss deshalb unbedingt tierindividuell sein und darf nicht nur den Herdenschnitt beiziehen.

Schnell gelesen

  • Früherkennung ist das A und O bei der Tiergesundheit 
  • Eine verpasste Brunst kann bis zu über 300 Franken kosten 
  • Digitale Systeme sind eine grosse Unterstützung. Veränderungen werden schneller erkannt als vom menschlichen Auge. Die Überwachung rund um die Uhr begünstigt dies zusätzlich. 
  • Die Daten müssen zuverlässig sein und eine hohe Genauigkeit haben 
  • Der eingesparte Zeitaufwand für die Brunstüberwachung ist gross, Investitionskosten sind also schnell amortisiert 
  • Der Nutzen ist am höchsten, wenn die Möglichkeiten vollumfänglich genutzt werden

Einsparungen

Um die Kosten-Einsparungen durch einen digitalen Helfer zu beziffern, gibt es verschiedene Ansätze. Oft stehen die Verbesserung der Brunsterkennung und eine bessere Tiergesundheit im Vordergrund. Das Einsparpotenzial ergibt sich daraus, wie stark beispielsweise die Zwischenkalbezeit reduziert werden soll. Das Gleiche gilt für die Gesundheitsüberwachung. Was für alle Betriebe zutrifft, unabhängig von den definierten Zielen, ist die Kosteneinsparung bei der Brunstüberwachung. Bei einer Herde mit 50 Kühe sollten pro Tag mindestens drei Mal 15 Minuten in die Brunstüberwachung investiert werden. Bei einem Stundenansatz von 28 Franken ergibt dies 21 Franken pro Tag und Kosten von rund 7600 Franken je Jahr, nur durch den Zeitaufwand der verlässigen System kann auf diesen Brunstüberwachung. Bei einem zu-Aufwand verzichtet werden. Können die Fruchtbarkeitskennzahlen und die Gesundheit verbessert werden, ergibt sich rasch ein Einsparpotenzial von mehreren tausend Franken je Jahr. Bei einer Investitionsannahme von 11 000 Franken bei 50 Kühen (Smartbow) ist der digitale Helfer bereits in wenigen Jahren amortisiert.

Gibt es Gefahren?

Digitale Helfer sind wie eine neue Arbeitskraft anzusehen. Zuerst ist man allenfalls etwas skeptisch, wie gut «der Neue» arbeitet und ob er die Arbeiten zur vollen Zufriedenheit ausführt. Je länger der digitale Helfer im Einsatz ist und je zuverlässiger die Daten sind, desto grösser ist das Vertrauen in diesen. Eine gewisse Skepsis zu Beginn ist menschlich und nachvollziehbar. Auch mit einem digitalen Helfer ist das menschliche Auge immer noch wichtig. Denn ein Problem wird zwar frühzeitig gemeldet, was sehr hilfreich ist, aber bei der Diagnose ist der Landwirt weiterhin gefordert.

Hilfsmittel richtig nutzen

Wichtig ist, dass die Möglichkeiten durch das digitale Hilfsmittel vollumfänglich genutzt und die Daten bearbeitet werden. Zum Beispiel müssen die Besamungen, Behandlungen oder Abkalbungen zwingend eingetragen werden, ansonsten ist der Nutzen vom digitalen Auge zu gering. Am besten wird die Datenerfassung laufend gemacht, damit nichts vergessen geht und das System stets die aktuellsten Eintragungen berücksichtigen kann. Auch das Behandlungsjournal und die Tiergeschichten sollten vollständig aufgezeichnet werden, damit «Wiederholungstäterinnen» (eine mehrmalige gleiche Behandlungsmethode gegen denselben Keim beispielsweise ist wenig sinnvoll), erkannt werden. Weiter können die Daten bei der Selektion der Tiere berücksichtigt werden.

Und für Mutterkühe?

Auch auf Mutterkuh-Betrieben steigt die Nachfrage nach digitalen Hilfsmitteln. Gründe sind meist andere als auf dem Milchviehbetrieb, sie sind aber nicht weniger vielfältig. Nebenerwerbsbetriebe sind bei Mut-terkuh-Haltern häufiger anzutreffen, was die Beobachtung der Tiere zusätzlich erschwert, da man weniger im Stall sein kann. Trächtige Kühe sind für den Mutterkuh-Halter genauso wichtig wie bei Milchkuh-Haltern. Ohne Trächtigkeit gibt es kein Kalb und ohne Kalb keinen Ertrag. Entsprechend wichtig ist die Brunstbeobachtung und der ideale Besamungszeitpunkt. 

Interview mit Georg Häller zu Smartbow

Georg Häller

Georg Häller hat bei seinen Mutterkühen Smartbow installiert und hat bisher viele positive Erfahrungen damit gemacht.

(Bild: Hansueli Rüegsegger)

Georg Häller führt zusammen mit seinem Bruder Simon eine Betriebsgemeinschaft. Der Betrieb umfasst 180 Mutterschweine, 120 Mutterschafe und 35 Mutterkühe. 2018 haben sie bei den Mutterkühen die intelligente Ohrmarke Smartbow installiert. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen. Die Mutterkühe sind im Sommer halbtags auf der Weide.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Smartbow?

Die Erfahrungen sind sehr positiv. Die Zuverlässigkeit bei Brunstalarmen liegt bei nahezu 100 Prozent. Auch die Anzeige des idealen Besamungszeitfensters schätzen wir sehr. Ich besame unsere Kühe selbst. Vor dem Einbau des Systems war ich teilweise nicht sicher, wann der ideale Besamungszeitpunkt ist und besamte tendenziell zu früh. Nun warte ich länger und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht.
Auch sind wir davon begeistert, dass das System individuell jede Kuh einzeln kennenlernt und dadurch auch einen Alarm auslöst, wenn das Tier eine schwache Brunst hat.

Was konnten Sie seit der Installation konkret verbessern?

Wir haben Smartbow im Juni 2018 installiert. Dank Smartbow konnten wir die Serviceperiode und den Besamungsindex bereits reduzieren. Seither haben wir auch nicht mehr permanent einen Stier in der Herde und bekommen trotzdem eine zuverlässige Unterstützung bei der Brunstbeobachtung.

Ab welchem Alter wird die Ohrmarke angebracht?

Wir streben ein Erstkalbealter von 28 bis 30 Monaten an. Bei Rindern, die für die Zucht vorgesehen sind, wird die Ohrmarke bereits mit zwölf Monaten angebracht, damit ich den Brunstzyklus kenne und eine Brunst von hoher Qualität nutzen kann.

Wie lange dauert es, bis die Kosten amortisiert sind?

Wird eine Brunst verpasst, ist eine Kuh drei zusätzliche Wochen nicht trächtig. Dies verursacht unnötige Kosten. In unseren Augen kann in diesem Bereich viel Geld verloren gehen.
Wie man diese Kosten beziffert, muss jeder für sich entscheiden. Wir sind überzeugt, dass wir Smartbow auf unserem Betrieb nach wenigen Jahren amortisiert haben. Unser Ziel ist es, die Serviceperiode möglichst tief zu halten. Wir wollen die Zeit, die wir im Stall verbringen, möglichst effizient nutzen und dabei unterstützt uns Smartbow eindeutig. Wir schauen gezielt gewisse Tiere genauer an, bei denen das System eine Auffälligkeit beobachtet hat.

Was ist der grösste Nutzen von Smartbow?

Smartbow gibt uns vor allem Sicherheit. Bin ich selber nicht im Stall, weiss ich, dass der Knopf im Ohr die Tiere jederzeit überwacht und mir Probleme in Echtzeit meldet. So kann ich die Stalltüre beruhigt hinter mir lassen, was mir mehr Freiraum schafft.

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