Nutztiere

Rohfaserfütterung in der Schweinehaltung

Ein zentraler Aspekt in der Schweinefütterung ist die Rohfaser. Die richtige Rohfaser zu finden, um damit die entsprechende Wirkung zu erzielen, ist eine Herausforderung. Nicht jedes Schwein hat die gleichen Bedürfnisse an die Faserträger. Daher ist die Wahl in der Ration entscheidend, damit keine fütterungsbedingten Störungen auftreten.

Eine Raufe, um Heu oder Stroh anzubieten, eignet sich für die Beschäftigung der Schweine 

(Bild: Judith Bracher)

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Leiter Technischer Dienst, UFA AG

Der Aufbau der Rohfaser ist in verschiedene Fraktionen aufgeteilt. Das alleinige Beurteilen eines Futters aufgrund des Rohfasergehaltes reicht nicht aus: Es braucht die Aufteilung und die Berücksichtigung der Gerüstsubstanzen, um die gewünschte Wirkung in der Verdauung zu erzielen. Sämtliche in der Praxis als Rohfaser bekannte Fraktionen gehören zu der Gruppe der Kohlenhydrate .Sie unterscheiden sich gegenüber den eher geläufigen Kohlenhydraten wie Zucker und Stärke durch ihre Verdaulichkeit. Genau dieser Unterschied bringt den Nutzen in der Tierernährung.

Weender-Analyse

Weender-Analyse

(Weender Analyse und Detergentienanalyse nach van Soest)

Faserfraktion gezielt einsetzen

NDF (neutral detergent fiber; unlöslich in einer neutralen Flüssigkeit) fasst die Fraktion von Lignin, Cellulose und Hemicellulose zusammen. Im Wesentlichen sind das die Zellwandbestanteile eines Futtermittels. Sie stehen dem Schwein im Dickdarm für verschiedene Funktionen zur Verfügung. Der gut fermentierbare Anteil, die Hemicellulose, wird im Darm als Nahrung für die Mikroflora genutzt.
Die eher schwer fermentierbaren Anteile (ADF; Acid detergent fiber) wie Cellulose und Lignin unterstützen die Besiedelung des Darms mit Milchsäurebakterien und fördern somit die Darmgesundheit. Gleichzeitig entstehen bei der bakteriellen Verdauung dieser schwer verdaulichen Kohlenhydrate im Darm flüchtige Fettsäuren als Stoffwechselprodukte. Diese dienen dem Tier als Energielieferant, senken den pH-Wert und fördern das Sättigungsgefühl. Diese Funktionen der Faserfraktionen gilt es bei der Fütterung gezielt einzusetzen, um die entsprechende Wirkung im Tier zu erreichen. Daher werden bei der Produktion der UFA-Schweinefutter die Eigenschaften der Rohwaren bezüglich dieser Fraktionen berücksichtigt, sodass sich die gewünschten Wirkungen gemäss Abbildung ergeben.

Wirkung der Faser auf das Schwein

Wirkung der Faser auf das Schwein

(Quelle: Grünewald und Preissinger, 2004)

Mechanische Sättigung

Die schwer verdaulichen Fasern (ADF) können grösstenteils, dank der bakteriellen Verdauung, auch von den Darmmikroorganismen genutzt werden und lockern den Verdauungsbrei auf. Dank dem Anregen der Darmperistaltik beschleunigen sie die Darmpassage. Zudem wird das Darmzottenwachstum gefördert und sie führen zu einem höheren Wassergehalt im Kot und damit zu einem höheren Kotvolumen und regelmässigem Kotabsatz. Die Wasserbindekapazität (Quellvermögen) dieser Faserträger führt durch die Dehnungsimpulse zu einer mechanischen Sättigung der Tiere. Je höher die Wasserbindekapazität ist, desto schneller ist das Sättigungsgefühl erreicht, was zum Beispiel bei Galtsauen erwünscht ist. Deshalb gelten Zuckerrübenschnitzel als Meister der Sättigung – mit einem Wasserbindevermögen von drei bis vier Liter Wasser pro Kilogramm.

Weniger Unruhe

Strukturierte und voluminöse Futtermittel eignen sich, um das Fressverhalten der Tiere zu beeinflussen. In den meisten Fällen werden diese nicht via das Allein- oder Ergänzungsfuttermittel verabreicht, sondern in Form von Raufutter. Dafür eignen sich zum Beispiel Grassilage, Heu oder Stroh. Diese dienen als Beschäftigung, fördern die Neugier der Tiere, verlängern die Fresszeit und wirken sich somit positiv auf die Ruhe der Tiere aus. Bei der Zufütterung von Raufutter muss unbedingt die Gesamtration im Auge behalten werden, damit keine Fütterungsfehler entstehen. Ebenso müssen diese Futtermittel immer von höchster Qualität sein. Mykotoxine, Schimmelpilze und Hefen haben keinen Platz in der Schweinefütterung.

Raufutter sollte in geeigneten Einrichtungen verfüttert werden. Für Heu, Grassilage oder Stroh eignen sich Raufen, die ein gleichzeitiges Fressen mehrerer Tiere ermöglichen. Dabei müssen die Abstände der Fressstäbe so gewählt werden, dass eine selbstständige Futteraufnahme möglich ist, ohne grössere Futterverluste (siehe Tabelle).

Verstopfungen vermeiden und Gesundheit fördern

Durch das Verfüttern von faserreichem Futter wird eine genügende Darmperistaltik und eine bessere Kotkonsistenz erreicht. Verstopfungen, welche die Bildung von Endotoxinen von E. Coliund Clostridien fördern, können so vermieden werden. Eine der wichtigsten Erkrankungen bei Verstopfung ist das PPSD-Syndrom (ehemals MMA). Mit einer geeigneten Ergänzung kann dieser sehr gut entgegengewirkt werden.

Gleichzeitig verbessern die Fasern die Darmflora. Dadurch finden krankmachende Fremdkeime auch weniger Platz zum Ansiedeln, da auf den Darmzotten ein Schutzfilm gebildet wird. Dieser Schutzfilm unterstützt die Gesundheit und die Arbeit des Darms bei der Nährstoffaufnahme. 

Empfohlene Stababstände für Raufutterraufen

Ferkel 

5 cm

Mastschweine 

8 cm 

Sauen 

mind. 11 – 13 cm

Schnell gelesen

  • Der deklarierte Rohfasergehalt ist ein Richtwert, aber nicht die endgültige Wahrheit.
  • Die Fraktionen Rohfaser und deren Verdaulichkeit müssen in der Ration berücksichtigt werden.
  • Viele Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie (Weizenkleie, Haferspelzen, Trockenschnitzel usw.) werden in der richtigen Kombination dem Tierbedarf gerecht.
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