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Vie quotidienne

Landwirtschaftliche Entdeckungsreise durch Ägypten

Vom 7. bis 16. Februar 2026 tauschten landwirtschaftlich interessierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen die winterliche Schweiz gegen die Sonne Ägyptens – Sie besuchten traditionsreiche Familienbetriebe und innovative Exportfarmen. Ein Erlebnisbericht einer Reise voller Kontraste, Begegnungen und überraschender Perspektiven.

Landwirtschaftliche Entdeckungsreise durch Ägypten

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Ägypten hat eine reiche Geschichte und die Teilnehmenden besuchten verschiedene Kulturdenkmäler und tauchten ein in die faszinierende Vergangenheit des Landes. Diese wurde den Teilnehmenden beim Besuch des neu eröffneten grossen ägyptischen Museums vor Augen geführt. In Ägypten besteht die Landfläche zu etwa 95% aus Wüste. Nur ein sehr kleiner Teil des Landes ist fruchtbar und dauerhaft besiedelt. Die Wüste erkundeten die Teilnehmenden auf ihrer Reise sowohl vom Rücken eines Dromedars aus wie auch auf einem Flug mit dem Heissluftballon. Landenteignungen in Ägypten sind eng mit der Agrargeschichte, der knappen Ressource fruchtbaren Bodens im Nildelta und staatlichen Infrastrukturprojekten verbunden. Der Staat besitzt theoretisch etwa 93% des Landes.

Seit 1880 im Familienbesitz, wurde der Familie Makar bei Reformen während der 1960er-Jahre viel Land enteignet. Die verbliebenen 15 Hektar werden heute mit 100 Angestellten bewirtschaftet (Frauenanteil 30 %, darauf ist Herr Makar stolz). Es werden vor allem Gemüse, Beeren und essbare Blumen angebaut. Auf den Feldern, aber auch in Styroportablaren in grossen Wasserbecken, angereichert mit Nährlösung, wachsen Pflanzen. Immer wieder werden auch neue Kreuzungen von Tomaten angebaut. Beliefert werden grosse 4- bis 5-Sterne-Hotelketten. Von der ausgezeichneten Qualität des Gemüses konnten sich die Reisenden beim gemeinsamen Mittagessen überzeugen.

Der Besuch von Dina Farms, einem vollintegrierten Betrieb, der von der Landwirtschaft (Anbau) über die Viehzucht bis hin zur Milchverarbeitung und dem eigenen Einzelhandel alles aus einer Hand anbietet, erwies sich als beeindruckend. Täglich werden etwa 194 000 Liter Milch zu sechs verschiedenen Sorten Käse, Joghurt, Frischmilch und Milchdrinks verarbeitet. Mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von über 4000 Hektar ist Dina Farms wohl Ägyptens grösster privater Milchviehbetrieb. Gemolken wird dreimal täglich. Rund 12 000 Holstein-Kühe und -Rinder stehen auf dem Betrieb, verteilt auf zwölf Ställe, unterteilt in Bereiche für Zucht, Milchproduktion und Mast. Die künstliche Besamung erfolgt mit Samen aus Amerika. Gefüttert werden Maissilage, Klee, Mineralien, Stroh aus eigenem Anbau sowie gegebenenfalls etwas Melasse. Die Milchkühe verbleiben etwa fünf bis sieben Jahre auf dem Betrieb. Grundwasser wird aus 100 bis 1000 Metern Tiefe heraufgepumpt, Sonnenenergie und Diesel dienen der Stromversorgung. Der Mist wird zur Düngung der Felder genutzt, auf denen Petersilie, Weizen, Weintrauben, Mangos, Oliven, Bananen, Pfirsiche, Aprikosen und Zitrusfrüchte angebaut werden. Dabei kommen Kreis- und Tropfbewässerungssysteme zum Einsatz. Rund 1500 Personen arbeiten in der Molkerei und auf der Farm.

Nach Reformen unter Gamal Abdel Nasser in den 1960er-Jahren, die den Grossgrundbesitz einschränkten, führten Gesetzesänderungen im Jahr 1992 zu Pachtsteigerungen und zur Vertreibung von Kleinbauern. Dennoch ist die ägyptische Landwirtschaft bis heute vor allem durch Kleinbetriebe geprägt. Viele Bauern bewirtschaften sehr kleine Flächen, häufig weniger als zwei Hektar. Daneben bestehen seit den 1990er-Jahren auch grosse Agrarbetriebe, insbesondere im Rahmen staatlicher Projekte zur Erschliessung neuen Kulturlandes in der Wüste.

Belco Farms wurde 1993 von zwei Brüdern gegründet und beschäftigt in der Hochsaison rund 5000 Angestellte. Angebaut werden mit viel Handarbeit auf 1450 Hektar an verschiedenen Standorten Tafeltrauben, Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren, Brombeeren, grüne Bohnen, Frühlingszwiebeln, Kefen, Erbsen, Broccoli, Eisbergsalat, Knoblauch und Süsskartoffeln. Auf der besuchten Farm werden hauptsächlich Tafeltrauben (20 verschiedene Sorten), Frühlingszwiebeln sowie Erbsen und Kefen angebaut. Auch hier wird Grundwasser aus rund 250 Metern Tiefe gepumpt. Die Brunnen müssen dabei einen Abstand von 500 Metern zueinander einhalten. Durch das warme Klima sind teilweise drei bis vier Ernten pro Jahr möglich. Alle Produkte gehen in den Export an Grossverteiler in Europa, Asien, Afrika und den Mittleren Osten. In drei Verpackungsanlagen an verschiedenen Standorten werden die Produkte für den Export aufbereitet. Bei einer Verkostung konnte die ausgezeichnete Qualität der Früchte bestätigt werden.

Der Besuch bei Bauer Mohamed auf seiner Bananenplantage vermittelt einen Einblick in die traditionelle Bewirtschaftung der Region. Wie bereits sein Vater bewirtschaftet auch er den Boden. Auf 8,5 Hektar stehen seine Bananenbäume, die alle zehn Tage mit Nilwasser geflutet werden. Von der Anpflanzung bis zur ersten Ernte vergehen 12 bis 15 Monate, danach wird die Staude gefällt und ein neuer Setzling 40 bis 50 Zentimeter tief eingepflanzt. Der Abstand von Baum zu Baum beträgt einen Meter. Nach fünf Jahren wird im Rahmen der Fruchtfolge auf dem Feld Weizen oder Zuckerrohr angebaut. Pro Kilogramm Bananen erhält er rund 85 Rappen.

Die Schweiz empfängt die Reisenden mit nasskaltem Wetter, doch wunderbare Erlebnisse und viel Wärme sind in Erinnerung geblieben.

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