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Nutztiere

Gefahr durch Schadgase in der Gülle

Jedes Jahr verunfallen Landwirte bei der Gülle-Arbeit. Die Freisetzung von Schadgasen beim Aufrühren von Gülle wird häufig unterschätzt. Tödliche Unfälle für Mensch und Tier können die Folge sein.

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Aktualisiert am

Ehem. Mitarbeiter, UFA AG

Schweinespezialist, UFA AG

Güllegruben sind oft kaum sichtbar unter den Betriebsgebäuden gebaut. Trotz ihres unauffälligen Erscheinungsbildes gehen von ihnen viele Gefahren aus. Wenn Gülle gärt, entstehen unter Ausschluss von Sauerstoff Schadgase wie Schwefelwasserstoff (H2S), Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) oder Ammoniak (NH3). Ein Teil der Gase, besonders H2S, ist in der Gülle gelöst und wird von der Lagerzeit wenig beeinflusst. Hingegen nimmt die Gasproduktion mit steigender Temperatur der Gülle zu, was die Schadgasgefahr in den Sommermonaten zusätzlich verschärft. Sobald Gülle bewegt wird (rühren, spülen, umpumpen) werden die Schadgase freigesetzt – vergleichbar mit dem Aufsteigen der Gasbläschen beim Umrühren von Mineralwasser. Bei hohen Turbulenzen an der Gülleoberfläche können die Konzentrationen innert weniger Minuten gefährliche Werte erreichen.

Nervengift wie Chemiewaffen

Das gefährlichste Güllegas ist der Schwefelwasserstoff. Er wirkt ähnlich wie Blausäure, welche als Nervengift in chemischen Waffen Verwendung findet. Eigentlich riecht Schwefelwasserstoff nach faulen Eiern. Sobald er in einer Konzentration von mehr als 0.21/m 3 vorkommt, stört er den Geruchssinn. Dann riecht man weder das Giftgas, noch die Gülle. In dieser Situation sollte man versuchen, das Gebäude sofort zu verlassen. Andernfalls lähmt der Schwefelwasserstoff die Skelett- und Atemmuskulatur und man ist in Kürze tot.

Gefährliche Bereiche und Situationen erkennen

Schwere Vergiftungen ereignen sich meist in schlecht belüfteten Stallbereichen. Hohe Konzentrationen sind dort zu erwarten, wo Gase nicht unmittelbar am Entstehungsort abgesaugt werden können oder sich kontinuierlich in die Aussenluft verflüchtigen. In geschlossenen Gruben und Behältern reichern sich deshalb die Gase an und können über ausgetrocknete Siphons, undichte Schieber oder andere mangelhafte Gasverschlüsse in angrenzende Ställe oder übrige Räume gelangen. Durch das Rühren oder Umspülen in Kanälen und Gruben, welche mit Spaltenböden abgedeckt sind, steigen die Gase durch die Perforation in den Stall.

Für genügend Belüftung sorgen

Stallbereiche in denen gefährliche Situationen zu erwarten sind, müssen während den genannten Vorgängen gründlich durchlüftet werden. Erfahrungen zeigen, dass eine einzige offene Seite des Stalles nicht genügt, um mit natürlicher Lüftung einen genügenden Luftwechsel sicherzustellen. In geschlossenen Ställen oder mehrseitig umwandeten Laufhöfen können die hohen Schadgaskonzentrationen beim Aufrühren durch den gezielten Einsatz von Ventilatoren verhindert werden.

Vorsicht mit Güllezusätzen wie Schwefel

Der Einsatz von Güllezusätzen während der Lagerung kann die Bildung und das Freisetzen von Schadgasen verstärken. Besonders kritisch zu sehen sind schwefelhaltige Produkte wie elementarer Schwefel oder Sulfate. Teile davon werden durch Sulfatund schwefelreduzierende Bakterien in Schwefelwasserstoff umgewandelt. Eine Anreicherung in der Gülle ist nicht nur wegen der Unfallgefahr, sondern auch wegen zusätzlicher Geruchsemissionen bei der Ausbringung zu vermeiden. Güllezusätze zur Nährstoffanreicherung sollen daher nur direkt beim Ausbringen zum Einsatz kommen. Es dürfen keine Restmengen der Zusätze im Güllelager verbleiben. In jedem Fall sind die Anwendungshinweise des Herstellers zu beachten. 

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