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Betriebsführung

3 Fragen an Sandra Contzen

Lebensqualität entscheidet mit darüber, ob ein Landwirtschaftsbetrieb langfristig bestehen kann. Sandra Contzen, Dozentin für Agrarsoziologie an der BFH HAFL, erklärt, warum sie deshalb bei der Betriebsplanung berücksichtigt werden sollte und worauf es dabei ankommt.

Sandra Contzen Dozentin für Agrarsoziologie, BFH HAFL

Sandra Contzen Dozentin für Agrarsoziologie, BFH HAFL

(Bild: zvg)

Publiziert am

Redaktor, UFA-Revue

Warum sollte Lebensqualität auch ein Kriterium in der Betriebsplanung sein?

Unsere Forschung und die von anderen zeigen, dass eine gute Lebensqualität zentral ist, damit Landwirtschaftsbetriebe langfristig bestehen bleiben. Wenn die Lebensqualität über längere Zeit auf der Strecke bleibt, kann es zu psychischen und physischen Konsequenzen kommen, die für die Landwirte und Landwirtinnen sowie für deren Familien schwer wiegen. Das hat dann entsprechend negative Auswirkungen auf die Betriebe.

Was ist Lebensqualität und was bedeutet sie für die Menschen in der Landwirtschaft?

Was Lebensqualität genau bedeutet, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Unser Projekt zur Lebensqualität in der Milchproduktion hat gezeigt, welche Faktoren für viele Produzierende besonders wichtig sind: Sinn in der eigenen Arbeit sehen, Wertschätzung für die Arbeit erfahren, die Betriebsarbeit und das Private abgrenzen können sowie Zeit haben für sich, für die Familie und, was uns überrascht hat, Zeit haben zum Nachdenken und Planen. Als Grundlage relevant sind eine finanzielle Stabilität und ein Einkommen, das erlaubt, mehr als nur die Grundbedürfnisse zu befriedigen. Damit Lebensqualität entstehen kann und erhalten bleibt, müssen solche Aspekte bei der Betriebsplanung bewusst thematisiert und berücksichtigt werden.

Wie muss bei der Betriebsplanung oder Weiterentwicklung konkret vorgegangen werden?

Ganz wichtig ist, die Perspektiven aller Personen der Betriebsleitungsfamilie einzubeziehen. Die betriebsleitende Person hat oft andere Bedürfnisse als beispielsweise deren Ehepartnerin oder Ehepartner. Zudem ist es relevant, die eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Ein Tag hat 24 Stunden. Essen, Schlafen, Haushalt, Kinder, Beziehungspflege, Erholung etc. müssen neben der Betriebsarbeit Platz haben.

«Von Freude allein wird niemand satt.»

Sandra Contzen Dozentin für Agrarsoziologie, BFH HAFL

Wenn es also darum geht, einen neuen Betriebszweig aufzubauen, muss berücksichtigt werden, welche anderen Arbeiten im Betrieb, im Haushalt, im Nebenerwerb oder bei Ämtern bereits anfallen und ob dieser neue Betriebszweig darin Platz hat oder etwas vom Bisherigen aufgegeben werden muss. Ähnlich gilt es bei einem Stallneubau realistisch einzuschätzen, wie viele Stunden neben den alltäglichen Arbeiten als Eigenleistung eingebracht werden können, ohne dass andere Arbeiten und die eigene Zeit zu kurz kommen. Wichtig ist ebenfalls abzuschätzen, was auf längere Sicht Freude bereitet. Soll ein neuer Betriebszweig wirklich aufgebaut werden? Kann ein alter aufgegeben werden? Und schliesslich muss ein Betrieb rentabel sein. Von Freude allein wird niemand satt.

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