Pflanzenbau

Der Massenvermehrung entgegenwirken

Was für die Konsumenten als schöner Sommer durchgeht, bedeutet für den Gemüsebau eine Herausforderung. Anhaltend heisse Temperaturen führen zu hohem Arbeitseinsatz in Bewässerung und Pflege der Kulturen, damit Qualität und Ertrag sichergestellt werden können. Das Wetter hat auch grossen Einfluss auf die Population der Weissen Fliege.

Weisse Fliege

Weisse Fliege: Adulte, Larven und Ei-Gelege.

(Bild: Markus von Gunten)

Publiziert am

Gemüsebauberater, fenaco Pflanzenschutz

Die Problematik Weisse Fliege (Kohlmottenschildlaus) im Gemüsebau ist gewiss nicht neu. Aber was sich in den letzten zwei Sommern in Kohlfeldern der Schweiz abgespielt hat, ist besorgniserregend. Im Sommer 2017 hat das Ausmass des Auftretens der Weissen Fliege erstaunt. Obwohl in Praxis und Beratung das Problem bekannt war, überraschte die grosse Vermehrung trotz Bekämpfungsmassnahmen. Das Problem verstärkt hat sicher auch der Wegfall von gut wirkenden Insektiziden gegen die Weisse Fliege. Produktion und Beratung haben sich in der Folge auf die Anbausaison 2018 Massnahmen und Strategien zurechtgelegt, damit die Massenvermehrung ausbleibt. Leider war der Erfolg vielerorts eher bescheiden, so dass man aktuell von einem grossen Problem sprechen muss.

Entwicklungszyklus

Die Weisse Fliege überwintert als adultes Insekt auf den Wirtspflanzen. Die Eiablage erfolgt ab zirka 10 °C. Dies bedeutet, dass kurz nach dem Vegetationsbeginn im Frühling auch die adulten Stadien der Weissen Fliege aktiv werden. Während der Vegetation bilden sich mehrere Generationen. Durch den Anbau von Raps, überwinternden Kohlgemüse (Wirsing, Federkohl) oder den Anbau von Gründüngungen, welche durch Spätsaaten oder schlechter Jugendentwicklung überwintern, finden die Weissen Fliegen bereits früh im Jahr ihre gewünschte Umgebung. Der Entwicklungszyklus der Weissen Fliege ist temperaturabhängig. Daraus lassen sich auch die Massenvermehrungen der vergangenen zwei Jahre ableiten. Durch das anhaltend trockene, heisse Wetter nahm die Entwicklung jeweils im Hochsommer rasant zu. Die Entwicklungsdauer einer Generation beträgt bei 15 °C in etwa 52 Tage, steigt die Temperatur auf 25 °C dauert die Entwicklung nur noch 19 Tage.

Vorbeugende Massnahmen

Um Befall im Frühjahr möglichst lange hinauszuzögern, sind vorbeugende Massnahmen zu treffen. Abgeerntete Kohlfelder sind im Herbst möglichst rasch zu mulchen und in den Boden einzuarbeiten. Diese Massnahme hat das ganze Jahr Gültigkeit. Auch ausgebrachte Rüstabfälle gleichmässig verteilen und einarbeiten, so dass eine Besiedelung der Weissen Fliege im Winter nicht möglich ist. Im Frühjahr, solange die Kohlpflanzen vor dem Schutz der Kälte mit Vlies abgedeckt werden, haben die Weissen Fliegen wenig Möglichkeiten sich in Kulturen festzusetzten. Erst bei den ersten ungedeckten Sätzen ist darauf zu achten, dass die Pflanzung auf Parzellen erfolgt, welche in genügendem Abstand zu bereits befallenen Kulturen stehen.

Mit steigenden Temperaturen und trockenem Wetter nimmt auch die Befallsgefahr zu. Deshalb sind regelmässige Kulturkontrollen unabdingbar. Empfohlen wird, zirka eine Woche nach der Pflanzung mit den Kulturkontrollen zu beginnen. Es empfiehlt sich, fünf Pflanzen am Feldrand und fünf im Innern der Parzelle zu kontrollieren. Wird die Schadschwelle von zehn bis 20 Weissen Fliegen pro Pflanze (Summe aus Adulten, Eigelegen, Larven) erreicht, ist eine Behandlung zu empfehlen (Quelle Schadschwelle: Agroscope).

Direkte Bekämpfung

Die Bekämpfung der Weissen Fliege erweist sich als schwierig. Ein Hauptaspekt ist die Erreichbarkeit des Schädlings auf der Blattunterseite der Wirtspflanzen. Hinzu kommen Wachsausscheidungen verschiedener Larvenstadien, was die Wirkung der Pflanzenschutzmittel einschränkt. Weiter ist zu beachten, dass sich jeweils mehrere Stadien der Weissen Fliege auf den Pflanzen befinden und somit die selektiven Pflanzenschutzmittel nie auf alle Stadien eine ausreichende Wirkung aufweisen.

Beim Erreichen der oben genannten Schadschwelle ist mit der chemischen Bekämpfung zu beginnen. Das Erkennen des Stadiums der Weissen Fliege ist wichtig für die Wahl eines geeigneten Pflanzenschutzmittels. Jede / r Wirkstoff / Wirkstoffgruppe eines Produktes hat Eigenschaften, welche der Anwender kennen muss, um die richtige Auswahl zu treffen. Es dürfen nur Produkte gegen die Weisse Fliege angewendet werden, welche gegen den Schaderreger Weisse Fliege in der zu behandelnden Kultur vom BLW bewilligt ist. Die Auflagen je Produkt wie Dosierung, Wartefrist oder maximale Anzahl Anwendungen pro Parzelle und Jahr sind strikte einzuhalten. Das Abwechseln der Wirkstoffgruppen ist entscheidend, damit der Bildung von Resistenzen entgegengewirkt werden kann. Da sich die Weisse Fliege grösstenteils auf der Blattunterseite befindet, ist eine optimale Benetzung der Pflanze entscheidend für den Bekämpfungserfolg. Mit dem Einsatz von Feldbalken plus Droplegs und der Zugabe von Additiven, welche die Haftung der Spritzbrühe auf den Pflanzen verbessern, ist eine bessere Wirksamkeit der Pflanzenschutzmittel zu erwarten. Bei der Herstellung von Tankmischungen ist zwingend auf die Mischbarkeit der einzelnen Produkte zu achten.

Anfälligkeit

Nicht in allen Kohlkulturen ist die Problematik gleich gross. Erntegut mit wenig Blatt (Blumenkohl, Broccoli), kein Bilden von neu zu besiedelnden Blättern (Kopfkohl) und kurze Kulturzeiten (Radies) verringern das Risiko von Ernteausfällen. Als besonders anfällige Kulturen gelten Rosenkohl, Federkohl, Wirsing und Kohlrabi. Problematisch bei diesen Kulturen ist zum einen die lange Kulturzeit (Rosenkohl) und zum andern, dass die befallenen Blätter in den Verkauf gehen. Der Hauptschaden an den Produkten entsteht durch Ausscheidung von zähflüssigem, klebrigem Kot der Weissen Fliege, auf dem sich Russtau bildet und die Ware verschmutzt.

Ausblick

Damit der Anbau von gefährdeten Kulturen wirtschaftlich bleibt, sind Forschung und Beratung zusammen mit der Praxis daran, neue Wege in der Bekämpfung der Weissen Fliege zu gehen (siehe auch Seite 32). Getestet werden neue Applikationstechniken, um die Benetzung der Pflanzen zu verbessern. Weiter werden Versuche mit Bewässerung durchgeführt, um die Weisse Fliege in der Entwicklung zu stören und die Bildung von Russtau zu verhindern. Der Einsatz von Produkten, die eine physikalische Barriere zwischen Kulturpflanze und Weisser Fliege aufbauen, ist auch zu prüfen. Dies sind Bausteine, welche mithelfen können, das Problem Weisse Fliege in den Griff zu bekommen. Klar ist, dass bei solchen Wetterlagen wie in den letzten Jahren, die Weisse Fliege mit herkömmlichen Pflanzenschutzstrategien nicht ausreichend zu bekämpfen ist.

Tipp: Das hilft gegen die Weisse Fliege

  • Erntereste mulchen und in den Bodeneinarbeiten, Rüstabfälle ebenfalls einarbeiten 
  • Bei Neupflanzungen genügend Abstand zu bereits befallenen Kulturen einhalten 
  • Regelmässige Kontrolle der Kultur 
  • Pflanzenschutzmitteleinsatz bei Erreichen der Schadschwelle 
  • Produkteauswahl gemäss Entwicklungsstadium der Weissen Fliege treffen 
  • Wirkstoffgruppen abwechseln 
  • Wirksamkeit der Mittel könnten durch Dropleg-Applikationstechnik und Additive verbessert werden
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