Die Herbstbehandlung gegen Ungräser und Unkräuter trifft das Getreide in einer heiklen Phase: Die Pflanzen stehen im Ein- bis Dreiblattstadium, die Tage werden kürzer, Kälte und Nässe setzen den jungen Beständen zu. Zwar gelten die eingesetzten Herbizide als kulturverträglich, dennoch bedeuten sie für die Jungpflanzen eine zusätzliche Belastung. Der Wirkstoff Diflufenican etwa hemmt die Bildung von Carotinoiden, die das Blattgrün vor Lichtschäden schützen. Gerät die Witterung ungünstig, zeigen sich deshalb vorübergehend Aufhellungen an den Blättern. Genau hier setzen Biostimulanzien an: Sie stärken die pflanzeneigenen Schutzmechanismen und helfen den Beständen, den Stress besser zu verkraften.
Was Pflanzenstimulanzien bewirken können
Algenextrakte enthalten unter anderem Zuckerverbindungen, Aminosäuren und Antioxidantien, die in der Pflanze als Signalstoffe wirken. In Studien unter Trocken- und Salzstress regulierten behandelte Pflanzen ihre Spaltöffnungen besser, bauten mehr antioxidative Kapazität auf und erholten sich nach dem Stress rascher. Die Pflanzen aktivierten stressbezogene Gene dabei erst, wenn sie tatsächlich unter Stress standen. Der Extrakt verstärkt also die natürliche Stressreaktion, statt die Pflanze dauernd zu beanspruchen. Eine neuere Studie zeigte zudem, dass ein solcher Extrakt Schäden durch ein Herbizid mildern kann, das ebenfalls in die Carotinoidbildung eingreift. Allerdings stammen die meisten Resultate aus Topfversuchen. Doch können solche Algenextrakte Pflanzen auch in Versuchen unter Schweizer Feldbedingungen unterstützen, wenn gleichzeitig ein Herbizid angewendet wird?
Versuche in Gerste und Weizen
Agroline prüfte die Kombination von Hasorgan Profi (Landor) mit Herbiziden in Exaktversuchen unter ÖLN-Bedingungen in Wintergerste und Winterweizen, über zwei Jahre und mit insgesamt fünf Sorten. Das Präparat stammt aus der Braunalge Ascophyllum nodosum. Agroline verglich dabei ein Herbizid allein mit der Tankmischung aus Herbizid und 1,5 l / ha Hasorgan Profi, mit je drei Wiederholungen pro Sorte. Die Behandlung erfolgte im Stadium BBCH 11 bis 13 (Blattentwicklung), teilweise nach Morgenfrost.
Mehrertrag in beiden Kulturen
Die Mischung Herbizid und Pflanzenstimulanz übertraf die Varianten mit nur Herbizid in beiden Kulturen (Tabelle). In der Wintergerste betrug der Mehrertrag im Mittel 4,0 dt / ha (+5 %), im Winterweizen 3,4 dt / ha (+6 %). Je nach Sorte lag er zwischen 2,2 und 6,4 dt / ha. In allen 15 Parzellenpaaren lag die Variante mit Algenextrakt vorne, und pro Kultur ausgewertet erwiesen sich die Unterschiede als statistisch gesichert. Hektolitergewicht und Proteingehalt blieben unverändert.
Grenzen der Studie
Die Daten stammen aus wenigen Versuchen im Mittelland. Wie stark die Pflanzen nach der Behandlung gestresst waren, erfassten die Versuche nicht. Auch wenn sie den Mehrwert der Kombination Hasorgan Profi und Herbizid im Wintergetreide belegt haben, lässt sich der genaue Wirkungsmechanismus daraus noch nicht erklären. Wie bei allen Biostimulanzien gilt: Die Resultate lassen sich nicht auf andere, ähnliche Produkte übertragen. Selbst Extrakte aus derselben Algenart können unterschiedlich wirken, denn neben dem Rohstoff bestimmt auch das Extraktionsverfahren, etwa Temperatur und pH-Wert, welche Inhaltsstoffe im fertigen Produkt enthalten sind.
Dosis Herbizid und Pflanzenstimulanz für den Selbstversuch
– Hasorgan Profi mit bis zu 3 l / ha in der Tankmischung mit dem Herbstherbizid ausbringen (BBCH 11 bis 13).
– Auch Anwendungen im Frühling haben einen positiven Effekt belegt.
– Wer den Effekt auf dem eigenen Betrieb prüfen will, lässt einen Streifen ohne Algen extrakt stehen und vergleicht den Ertrag.







