Antonia und Gabriel Ruckli sind mit der Landwirtschaft gross geworden. Schon als Kinder wurden sie von ihrem Vater in Entscheide auf dem Betrieb einbezogen. Diese frühe Mitverantwortung prägt die beiden bis heute. Vor drei Jahren übernahmen sie den Hof in Sulz (LU) oberhalb des Baldeggersees gemeinsam. Auf 24 ha halten sie 120 Zuchtsauen und 220 Mastschweine, dazu kommt Ackerbau mit Futtergetreide für den Eigenbedarf. Gabriel arbeitet voll auf dem Betrieb, Antonia ist zu 80% in Forschungsprojekten tätig. Beide verbindet der Anspruch, den Hof nicht nur weiterzuführen, sondern gezielt weiterzuentwickeln.
Zwei Bildungswege, ein gemeinsames Ziel
Obwohl beide auf dem Betrieb aufgewachsen sind, fanden sie über unterschiedliche Wege zurück in die Landwirtschaft. Antonia entschied sich nach dem Gymnasium für das Agronomiestudium an der ETH Zürich und spezialisierte sich später im Bereich der Schweinehaltung. Für Gabriel war schon früh klar, dass er den Hof übernehmen möchte. Nach der Kantonsschule studierte auch er Agronomie, praxisnah an der HAFL und eng verbunden mit der Arbeit zu Hause.
Antonia und Gabriel Ruckli, Betriebsleiter, 6284 Sulz (LU)
«Unser Fachwissen und die Erfahrungen auf dem Betrieb ergänzen sich ideal.»
Betriebsübernahme vor 3 Jahren | 24 ha LN | 120 Zuchtsauen, 220 Mastschweine | Ackerbau mit Futter getreide für den Eigenbedarf | www.ruckli.swiss
Heute zeigt sich, wie gut sich ihre Stärken ergänzen: «Ich bringe oft Ideen aus der Forschung mit, und Gabriel prüft, wie sich das im Stall umsetzen lässt», sagt Antonia Ruckli. Genau diese Verbindung von Theorie und Praxis ist zur eigentlichen Stärke des Betriebs geworden.
Studium wird auf dem Hof konkret
Besonders sichtbar wird der Nutzen ihrer Weiterbildung dort, wo aus Studienarbeiten konkrete Veränderungen entstehen. Gabriel beschäftigte sich während seiner Ausbildung intensiv mit dem Einsatz von Raufutter in der Schweinefütterung (TMR). Im Rahmen einer Semesterarbeit entstand so das Grundkonzept, um hofeigenes Gras und Silage gezielt in die Ration der Sauen zu integrieren: «Nach unseren Erfahrungen ermöglicht das System eine bedarfs- und artgerechte Fütterung», so Gabriel Ruckli.
Der Weg zum Bachelor of Science in Agronomie
- Der Weg an die BFH-HAFL führt über den Abschluss als Landwirt EFZ mit Berufsmaturität oder über die gymnasiale Maturität mit Vorstudienpraktikum. Der dreijährige Bachelor vermittelt Fachwissen in Tierhaltung, Pflanzenbau und Betriebswirtschaft und verbindet Theorie und Praxis eng.
- Der Weg an die ETH Zürich führt entweder direkt über die gymnasiale Maturität oder über EFZ, Berufsmaturität und Passerelle. Das dreijährige Studium wird durch Exkursionen und ein obligatorisches Agrarpraktikum ergänzt, in dem Fachkenntnisse in der Praxis vertieft werden.
Der Bachelor bildet die Grundlage für einen anschliessenden Master und weitere wissenschaftliche Vertiefungen.
Auch Antonia brachte eine Idee direkt aus ihrer Masterarbeit mit nach Hause. Während eines Austauschsemesters lernte sie ein Gruppensäugesystem kennen, bei dem Sauen bereits während der Laktation wieder besamt werden, bevor die Ferkel abgesetzt werden. Kern des Systems ist, dass die Sauen ab der fünften Säugewoche tagsüber zeitweise von den Ferkeln getrennt werden und durch den täglichen Eberkontakt in die Rausche kommen. Die Geschwister testeten das System schrittweise auf dem Betrieb, passten es an ihre Stallstruktur an und entwickelten es über mehrere Jahre weiter.
Nicht die Technik selbst steht für sie im Zentrum, sondern die Frage, ob ein neues System unter Praxisbedingungen funktioniert. «Wirtschaftlich muss es auch stimmen», betonen beide. Genau darin zeigt sich für sie der Wert ihrer Ausbildung.
Ein Betrieb als Lernort
«Unser Fachwissen aus dem Studium und die Erfahrungen auf dem Betrieb ergänzen sich heute ideal», sagt Antonia Ruckli. Neue Ansätze können die Geschwister direkt auf dem Hof prüfen und so weiterentwickeln, dass sie zum Betrieb passen. Die Erfahrungen fliessen anschliessend zurück in den Austausch mit Berufskolleginnen und Berufskollegen. Regelmässig stellen Antonia und Gabriel ihre Erkenntnisse auch an Veranstaltungen vor. So wächst nicht nur ihr Netzwerk, sondern auch der fachliche Austausch mit anderen Schweinehaltungsbetrieben.
Antonia Ruckli, Agronomin«Es ist wichtig, dass gut ausgebildete Leute wieder in die Praxis zurückgehen.»
Für Antonia Ruckli ist genau das zentral: «Es ist wichtig, dass gut ausgebildete Leute wieder in die Praxis zurückgehen.» Wissen solle nicht in Studien bleiben, sondern auf den Betrieben Wirkung entfalten. Gabriel sieht das ähnlich. Bildung sei für ihn vor allem ein Werkzeug, um Entwicklungen auf dem Hof sauber beurteilen und langfristig weiterdenken zu können.
So ist der Betrieb der Geschwister Ruck li heute weit mehr als ein Arbeitsplatz. Er ist Familienprojekt, Lernort und Praxisfeld zugleich – ein Ort, an dem Bildung direkt in betriebliche Entwicklung übersetzt wird.
Serie Berufsbildung
2026 stellt der LID in seiner Serie Personen vor, die sich nach ihrer landwirtschaftlichen Grundausbildung weiterqualifiziert haben oder über einen höheren Bildungsweg den Einstieg in die Landwirtschaft gefunden haben.
Unterstützung und Hilfsmittel zur Öffentlichkeitsarbeit auf: www.lid.ch/baeuerinnen-und-bauern







