fenaco-LANDI

Die fenaco hat 2018 gut 30 Millionen Franken an ihre Mitglieder überwiesen

Die fenaco entwickelte sich auch 2018 sehr positiv. Entsprechend erfreut zeigt sich Martin Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco. Im Interview erklärt er, warum die fenaco trotz der Grösse ein Unternehmen von und für die Bauern bleibt.

Martin Keller

«Die fenaco kommuniziert deutlich aktiver als früher», sagt Martin Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco. 

(Markus Röösli)

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Redaktions- und Verlagsleiter UFA-Revue

UFA-Revue: Herr Keller, warum ist die fenaco Genossenschaft eigentlich so erfolgreich?

Martin Keller: Die fenaco ist in den vergangenen 25 Jahren seit ihrer Gründung 1993 stetig gewachsen und hat kein einziges Mal rote Zahlen ausweisen müssen. Dies war nur möglich, weil die Unternehmensführung damals wie heute konsequent ihre langfristige Strategie verfolgt und auf eine nachhaltige Entwicklung in allen Bereichen setzt.

Unter dem Strich hat die fenaco noch nie so viel verdient wie 2018. Wie kommt das?

Keller: Beim Unternehmensergebnis konnten wir tatsächlich einen deutlichen Sprung verzeichnen. Es stieg um gut 30 Prozent auf 129 Millionen Franken. Einerseits gelang uns dies dank breit abgestütztem Wachstum, wirksamer Effizienzsteigerung und disziplinierter Kostenkontrolle. Andererseits machte sich zusätzlich ein einmaliger Effekt bemerkbar. Wir haben beim Verkauf zweier grosser Areale in Herzogenbuchsee und Hitzkirch 2018 optimale Preise erzielen können. Diesen beiden Verkäufen gingen langjährige Verhandlungen voraus. Es ist ein Zufall, dass beide Areale im selben Geschäftsjahr veräussert werden konnten. Für die kommenden Jahre sind keine Veräusserungen von Arealen in dieser Dimension mehr geplant. Deshalb erwarten wir für die nächsten Jahre wieder deutlich tiefere Unternehmensergebnisse auf dem Niveau der Vorjahre.

In welchen Geschäftsfeldern ist die fenaco im vergangenen Jahr gewachsen?

Keller: Das Geschäftsfeld Agrar erreichte einen klar höheren Nettoerlös. Er stieg um sechs Prozent auf 1,9 Milliarden Franken. Dies dank höheren Marktanteilen bei Futtermittel im Inland und Agrartechnik in der Schweiz sowie in Frankreich. Einen deutlichen Wachstumsschritt verzeichnete das Geschäftsfeld Detailhandel mit allen drei Formaten Volg, LANDI und TopShop: Der Nettoerlös stieg um 2,6 Prozent und überstieg erstmals die Grenze von zwei Milliarden Franken. Den grössten Schritt machte das Geschäftsfeld Energie: Der Nettoerlös stieg um 27,6 Prozent auf 1,46 Milliarden Franken. Auch das Geschäftsfeld Lebensmittelindustrie hat zum Wachstum beigetragen, wenn auch in weniger starkem Ausmass. Weil die Bäuerinnen und Bauern an unserem grossen Erfolg im Detailhandel und Energie bisher nicht direkt partizipieren konnten, haben wir mit der fenaco Erfolgsbeteiligung ein zusätzliches Instrument geschaffen, auf das sich die Mitglieder der fenaco- LANDI Gruppe angesichts der erfreulichen Geschäftsergebnisse auch in diesem Jahr wieder freuen können.

Die Erfolgsbeteiligung hat fenaco 2018 eingeführt. Wie sieht Ihre erste Zwischenbilanz aus?

Keller: Das Interesse war überwältigend. Insgesamt registrierten sich aus dem Stand heraus rund 11 800 landwirtschaftliche Betriebe. Wir schätzen, dass rund 18 000 Landwirtschaftsbetriebe die Teilnahmekriterien der Erfolgsbeteiligung erfüllen. Wir haben nach dem ersten Jahr also noch Luft nach oben. Interessierte Landwirte können sich auf der Webseite der fenaco über die Erfolgsbeteiligung informieren und sich auch direkt registrieren. Total bezahlte die fenaco letztes Jahr 4,7 Millionen Franken in Form einer Rückvergütung an die registrierten Landwirte aus. Hinzu kamen Geschenkpakete mit Produkten der fenaco im Wert von 1,75 Millionen Franken. Zusammen mit den weiteren Rückvergütungsinstrumenten an die LANDI und deren Mitglieder überwies die fenaco 2018 über 30 Millionen Franken. Dies entspricht rund einem Drittel eines üblichen Jahresgewinns der fenaco Genossenschaft.

Wie verwendet die fenaco den restlichen Gewinn?

Keller: Einen Teil des Gewinns schlagen wir dem Eigenkapital zu, damit wir je länger je unabhängiger von Kreditgebern handeln können und genügend Reserven für herausfordernde Zeiten haben. Den grössten Teil investieren wir Jahr für Jahr in die Modernisierung und Erweiterung von Infrastrukturen und Anlagen. Im vergangenen Jahr investierte die fenaco beispielsweise knapp 160 Millionen Franken. Bei diesen Investitionen kam eine Vielzahl von Drittunternehmen zum Zug, wobei die fenaco darauf achtet, insbesondere bei Bauprojekten das lokale Gewerbe bei der Auftragsvergabe zu berücksichtigen.

Die fenaco gehört zu den 40 grössten Unternehmen der Schweiz,gemessen am Netterlös. Steht sie noch im Dienste der Bäuerinnen und Bauern?

Keller: Unsere unternehmerischen Entscheide richten wir am genossenschaftlichen Auftrag der fenaco aus: die Bauern bei der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Unternehmen zu unterstützten. Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Überlegungen und Entscheidungen deutlich aktiver kommuniziert als früher und haben festgestellt, dass das Verständnis für unser unternehmerisches Handeln stark gewachsen ist. Diesen Weg wollen wir weitergehen. Abgesehen davon wird die Geschäftsleitung der fenaco von der Verwaltung kontrolliert, die sich mehrheitlich aus Bäuerinnen und Bauern zusammensetzt. Die Verwaltung achtet darauf, dass die Geschäftsleitung im Sinne ihrer Mitglieder agiert. Die Verwaltung nimmt diese Aufgabe sehr ernst und bringt kritische Rückmeldungen von Mitgliedern ein.

«Das laufende Jahr wird ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit stehen.»

Martin Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco

Wie stark beschäftigt sich die fenaco mit dem Thema Nachhaltigkeit?

Keller: Das laufende Jahr wird ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit stehen. Seit 2013 orientiert sich die fenaco an sieben Schwerpunktthemen der Nachhaltigkeit. Bereits seit mehreren Jahren senkt die fenaco ihren CO2-Austoss und erhöht ihre Energieeffizienz. Die Verbindlichkeit und Messbarkeit unserer Nachhaltigkeitsbestrebungen wollen wir weiter erhöhen. Konkret setzen wir uns vierzehn verbindliche und langfristige Nachhaltigkeitsziele. So wollen wir zum Beispiel die Wertschöpfung für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft weiter erhöhen, innovative Technologien fördern und das Arbeitsplatzangebot im ländlichen Raum der Schweiz stärken.

Wie wird die fenaco das laufende Jahr abschliessen?

Keller: Die ersten vier Monate sind insgesamt solide und vielversprechend verlaufen. Das Jahr ist also gut angelaufen und die fenaco wird sich im laufenden Jahr erfolgreich weiterentwickeln. An das ausserordentliche Ergebnis von 2018 werden wir aus heutiger Sicht aber nicht herankommen. Das ist kein Problem, da unser Auftrag nicht die Gewinnmaximierung, sondern die kontinuierliche Weiterentwicklung ist. Trotzdem: Wir bleiben dran!

Zur Person

Dr. Martin Keller (1970) studierte an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) Agronomie, wo er 1998 als Dr. sc. nat. promovierte. Seit dem 1. Juli 2012 ist Martin Keller Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco. Martin Keller ist wohnhaft in Bern, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.

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