Bereits auf den ersten Blick wirken die Kettenscheibeneggen ungewöhnlich: Die Scheiben sind nicht wie bei herkömmlichen Scheibeneggen an einer starren Achse montiert, sondern zu einem Gelenkkettensystem verbunden und unter einem meist kreuzförmigen Rahmen aufgehängt.
Dieses Prinzip wurde durch das australische «Kelly Diamond Harrow»-System bekannt und anschliessend von verschiedenen europäischen Herstellern übernommen und angepasst. Inzwischen kommt es vor allem bei den Modellen Dalbo Power-Chain, Fliegl KSE oder auch bei Maschinen vom Typ Velcut zum Einsatz.
Die meisten Modelle bestehen aus vier rautenförmig angeordneten Kettenscheiben. Die Scheiben sind über robuste Kettenglieder miteinander verbunden und arbeiten durch das Zusammenspiel von Maschinengewicht, Kettenspannung und Scheibenanstellwinkel. Dank dieser Konstruktion verfügt das Gerät über eine hohe Laufruhe. Die Ketten passen sich auf natürliche Weise den Unebenheiten des Geländes an und sorgen über die gesamte Arbeitsbreite für einen relativ gleichmässigen Druck.
«Full-cut-Prinzip»
Ein Pluspunkt ist gemäss Hersteller die Möglichkeit, einen durchgehenden Schnitt über die gesamte Arbeitsbreite zu realisieren. Durch die Anordnung der Kettenscheiben kreuzen sich deren Laufbahnen, was unbearbeitete Streifen minimiert und eine gleichmässige Zerkleinerung von Unkraut und Ernterückständen begünstigt. Bei den Dalbo-Modellen kommen beispielsweise vier voneinander unabhängige Ketten zum Einsatz, die in einem 40-Grad-Winkel angeordnet sind, um eine ganzflächige Bearbeitung zu gewährleisten.
Die Arbeitstiefe wird bewusst gering gehalten und beträgt in der Regel zwischen 2 und 5 cm. Ziel ist nicht eine intensive Durchmischung des Bodens, sondern vielmehr ein Eingriff in die oberste Bodenstruktur, um das Auflaufen von Unkräutern zu fördern, Pflanzenrückstände zu verarbeiten und eine Scheinsaat anzusetzen.
Hohe Arbeitsgeschwindigkeiten
Die Maschinen sind für hohe Arbeitsgeschwindigkeiten konzipiert. Abhängig von Einsatzbedingungen und Modell bewegen sich die Arbeitsgeschwindigkeiten zwischen 10 und 18 km / h. Und bei grossen Arbeitsbreiten kann die Hektarleistung 10 ha / h erreichen oder sogar noch übersteigen. Diese hohe Arbeitsgeschwindigkeit trägt wesentlich zur wirtschaftlichen Attraktivität bei. Im Vergleich zu anderen Geräten lassen sich in kurzer Zeit grosse Flächen bearbeiten, während der Treibstoffverbrauch und der Zugkraftbedarf gering bleiben.
Samuel Reinhard, Grangeneuve«Die gesamte Bodenoberfläche wird gleichmässig bearbeitet.»
Ursprünglich zur Bearbeitung von Stoppeln und Ernterückständen entwickelt, werden Kettenscheibeneggen heute vielfältig eingesetzt, so für die ultraflache Stoppelbearbeitung, für Scheinsaaten, die mechanische Unkrautregulierung, die Einarbeitung von Deckfrüchten, die Saatbettbereitung, das Zerkleinern von Maispflanzen (u. a. Bekämpfung von Schädlingen in Maisstoppeln) sowie die Aussaat von Deckfrüchten in Kombination mit einer pneumatischen Anbausämaschine. Die Hersteller bieten den Aufbau einer Sämaschine an, mit der die oberflächliche Bodenbearbeitung und die Aussaat einer Deckfrucht in einem einzigen Arbeitsgang durchgeführt werden können.
Bearbeitung von Ernterückständen und Energiebedarf
Scheibenketten begünstigen das Einarbeiten, Zerkleinern und Aufbrechen von Pflanzenresten. Stoppeln und Halme werden zerkleinert und am Boden belassen, was die biologische Zersetzung beschleunigt. Diese Eigenschaft erklärt das Interesse an diesen Maschinen in Fruchtfolgen mit grösseren Biomasseanteilen oder bei Körnermaiskulturen.
Am häufigsten hervorgehoben wird das Verhältnis zwischen Arbeitsbreite und erforderlicher Leistung. Insbesondere bei der flachen Bodenbearbeitung ist die erforderliche Leistung relativ gering. Verschiedene Studien weisen auf einen geringen Ener-gie- sowie niedrigen Kraftstoffbedarf hin. Eine aktuelle Untersuchung zu Bodenschutzsystemen kommt sogar zum Schluss, dass der Zugkraftbedarf gering ist und der Treibstoffverbrauch tiefer liegt als bei alternativen Methoden zur Zerstörung von Pflanzendecken und zur flachen Bodenbearbeitung.
Was man wissen muss
Die Stärke des Geräts liegt nach wie vor bei der ultraflachen Bodenbearbeitung. Sollen Pflanzenrückstände tief eingearbeitet, ein verdichteter Boden aufgelockert oder tiefer als einige Zentimeter bearbeitet werden, sind andere Geräte besser geeignet. Die Arbeitsqualität hängt zudem in hohem Masse von der Fahrgeschwindigkeit, der Scheibenart und den Bodenbedingungen ab. Bei nassen Bedingungen oder auf mit vielen Steinen durchsetzten Flächen kann das Fahrverhalten abhängig von Modell und Einstellung erheblich variieren.
Da Kostenkontrolle, eine reduzierte Bodenbearbeitung und die mechanische Unkrautbekämpfung zunehmend wichtiger werden, sind Kettenscheibeneggen eine kreative und geeignete Option für Betriebe mit grossen Flächen, die eine schnelle, oberflächliche und energieeffiziente Bodenbearbeitung ins Auge fassen.
Expertenmeinung
Für Samuel Reinhard, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Spezialist für Landtechnik in Grangeneuve (FR), sind Kettenscheibeneggen eine interessante Technologie für Betriebe, die Massnahmen zur Reduktion der Bodenbearbeitung, zur mechanischen Unkrautregulierung oder zur Aussaat von Deckfrüchten umsetzen. Ihre wirtschaftliche Attraktivität hängt jedoch weitgehend vom jeweiligen Betriebskontext ab.
Die Vorteile
+ Die Maschinen eignen sich hervorragend für Arbeitstiefen von 2 bis 5 cm. Sie er möglichen eine gleichmässige Flächenbearbeitung, stimulieren die Keimung, bekämpfen Ausfallgetreide und beschleunigen die Zersetzung von Pflanzenresten, ohne die Bodenstruktur zu zerstören.
+ Der Zugkraftbedarf bleibt vergleichsweise gering, was bei wiederholten Überfahrten nach der Ernte ein erheblicher Vorteil ist.
+ Kettenscheibeneggen entsprechen den aktuellen Anforderungen an eine dauerhafte Bodenbedeckung, an eine Reduktion der Überfahrten und an eine Begrenzung mechanischer Bodenstörungen.
Die Nachteile
– Für einen mittelgrossen Betrieb ist die Anzahl der jährlich bearbeiteten Hektaren womöglich zu gering, als dass sich die Anschaffung einer Spezialmaschine rechnen würde. Eine gemeinsame Nutzung oder die Beauftragung eines Lohn unternehmens kann hier zielführender sein.
– In Regionen mit kleinen, unregelmässigen oder weit voneinander entfernten Flächen lassen sich die Vorteile einer höheren Arbeitsgeschwindigkeit nicht immer vollständig ausschöpfen.
– Die Geräte sind bei einer ultraflachen Bodenbearbeitung äusserst leistungsstark, ersetzen jedoch weder einen Tiefenlockerer noch eine Scheibenegge, die für eine tiefgründigere Bodenbearbeitung geeignet sind.







