Neues Ausbringungssystem für Gülle vorgestellt

Ab 2024 gelten landesweit strenge Vorgaben für das Ausbringen von Gülle. Dafür muss modernste Technik eingesetzt werden. am diesjährigen Werkstatt - Apéro bei Martin Bossert in Neunkirch wurde ein neues System vorgestellt. 

Neunkirch Werkstattapéro Bossert 2022 Balken angebaut

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Ab dem 1. Januar 2024 sind in der Schweizer emissionsmindernde Ausbringungsverfahren für flüssige Hofdünger obligatorisch. Konkret heisst dies, dass Gülle und flüssige Vergärungsprodukte basierend auf der Luftreinhalteverordnung und auf Flächen von weniger als 18 Prozent Hangneigung nur noch mit verschiedenen Schleppschlauchverfahren ausgebracht werden darf. Dies verlangt, dass die Gülle direkt auf den Boden mit den verschiedenen Kulturen ohne das vielfach angewendete Versprühen über den Prallteller oder Verspritzen verteilt werden muss. Dabei darf die Gülle auf maximal 20 Prozent der Bodenfläche abgelegt werden.  Während der Kanton Thurgau bereits diese Vorschriften umgesetzt hat, haben die Landwirte in den anderen Kantonen nun noch ein Jahr Zeit, um auf die geforderten Massnahmen umzusetzen und auch durch die entsprechende Aufrüstung der benötigten Landtechnik  technisch umzustellen. Bereits heute gibt es verschiedene Verfahren, indem die Gülle ab Fass, Tank oder Schlauch über die einzelnen sogenannten Schleppschläuche mit einem Durchmesser von in der Regel 40 mm im Abstand von 20 bis 30 cm direkt auf den Boden abgelegt wird. Je nach Verfahren kommen auch insbesondere im Ackerbau in vorwiegend Maiskulturen oder offenen Feldern zusätzlich angebaute spezielle Scharen zum Einsatz, indem man den Boden an der Oberfläche leicht öffnet und die Gülle in die kleinen Furchen ablegt. Doch für diese eingesetzte Technik  braucht es Pumpen und zusätzlich Kraft mit einem höheren Energiebedarf, damit die Gülle gleichmässig auf die Ablegschläuche verteilt werden.

Da die Zeit nun drängt, damit alle die technischen Anpassungen noch machen können, thematisierte Martin Bossert von der Bossert GmbH Land-, Forst- und Kommunaltechnik in Neunkirch (SH) an seinem traditionellen und sehr gut besuchten Werkstatt – Apéro zum Jahresabschluss dieses Thema. Die in Schwarzenbach (SG) domizilierte Brunner Spezialwerkstatt AG hat dabei nun ein neues Verfahren mit dem «Schleppfix» auf den Markt gebracht, welches ohne zusätzliches Pumpen oder mechanisches Verteilen funktioniert und zugleich die strengen Vorgaben erfüllt.

Einfaches System einsetzen

«Wir haben jetzt ein System entwickelt, welches ohne Ablaufschläuche und rotierender Verteilkopf funktioniert und entsprechend einen geringen Verschliess aufweist. Deshalb ist kein zusätzlicher Kraftbedarf für den Antrieb eines hydraulisch angetrieben Verteilkopf nötig», führte der Konstrukteur und Firmeninhaber Thomas Hollenstein aus. Er hat dieses bereits in der Schweiz patentiertes System entwickelt, welches auch selber im eigenen Betrieb gebaut wird und er es somit als Swiss Made bezeichnet. Der entsprechende einfach anbaubare und eher leichte zweiteilige Balken, welcher sich beidseitig nach vorne einklappen lässt, kann einfach an jedes Druck- oder Pumpfass angebaut werden. Der vorhandene Druck des Fasses oder der Pumpe reicht aus, damit die Gülle über zwei Schläuche zu den Verteiltellern gelangt.  Sie wird dabei unter hoher Fliessgeschwindigkeit in die entsprechenden Kanäle für das Ablegen geleitet werden kann. Pro Kanal, welche alle abgedeckt sind, sorgt dabei eine spezielle Schar mit einer Kufe dafür, dass die Gülle direkt auf die gleichmässig auf Bodenoberfläche abgelegt wird. «Dabei lässt sich die Ausbringmenge auch über die Anpassung der des Verteiltellers bestimmen. Dies kann entweder mit der einfachen Schar im Abstand von 30 oder mit der Doppelschar von 15 cm abgelegt werden», führte Hollenstein aus. Erfahrungen zeigen, dass dieses System auch im Hang eine sehr genaue Verteilung gewährleistet und Verstopfungen sehr selten sind, wobei sich diese einfach und ohne Werkzeuge beheben lassen.

Biogas - Presssaft ist auch Gülle

Wenn man im Volksmund  von Gülle spricht, geht man immer davon aus, dass es sich um das flüssige Ausscheideprodukt aus der Nutztierhaltung von Rindvieh oder Schweinen handelt. Da aber einerseits diese Mengen kontinuierlich unter anderem auch durch das verstärkte Weiden und abnehmende Tierzahlen sinkt, fällt anderseits immer mehr Presssaft aus den ständig zahlenmässig zunehmenden nicht landwirtschaftlichen Biogasanlagen an. So verarbeitet beispielsweise die Kompogas allein in Winterthur Küchenabfälle und Grüngut aus mehr als 78000 Haushaltungen aus der Region Winterthur und Frauenfeld. Aus den jährlich anfallenden 23000 Tonnen Bioabfällen wird dabei einerseits Biogas gewonnen und anderseits fallen aber auch nach dem Fermentierungsprozess Gärreste im Umfang von 20000 Tonnen an. Mit speziellen Siebpressen werden dabei die flüssigen von den festen Stoffen getrennt. Bei diesem Prozess fallen einerseits rund   10000 Tonnen als fester Presskuchen an, welcher kompostiert wird.  Anderseits müssen aber auch rund 10000 Tonnen der flüssige Presssaft verwertet werden. Dieser landet dann auch auf den Feldern der Landwirtschaft analog zur Gülle aus Flüssigdünger. Er sorgt dann landesweit für einen durchaus enormen «Gülletourismus», indem auch beispielsweise Presssaft aus Winterthur im Klettgau rein oder vermischt mit Jauche wie die Gülle und unter denselben strengen Vorgaben ausgebracht wird.

Quelle: RoMü.

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