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Landtechnik

Sämaschinen, die den Boden schonen

Die Direktsaat erfordert eine gezielte Auswahl von Sämaschine und Säelementen. Scheibensämaschinen, Scharen in umgekehrter T-Form oder Kreuzschlitz-Säscharen (Cross-Slot) sind für unterschiedliche agronomische Bedingungen konzipiert und weisen jeweils eigene Stärken auf.

Bei der Direktsaat bleibt der Boden weitgehend unbearbeitet. Ernterückstände an der Oberfläche reduzieren die Verdunstung.

Bei der Direktsaat bleibt der Boden weitgehend unbearbeitet. Ernterückstände an der Oberfläche reduzieren die Verdunstung.

Publiziert am

Redaktor, UFA-Revue

Quer gelesen

– Bei Direktsaat sind Fruchfolge und Unkrautmanagement von zentraler Bedeutung.

– Bei guten Bedingungen sind Scheibensämaschinen sehr effizient.

– Schare in umgekehrter T-Form ermöglichen gute Auflaufbedingungen.

Die Direktsaat ermöglicht die Aussaat von Kulturpflanzen ohne ganzflächige Bodenbearbeitung. Mit dieser Methode sollen mechanische Eingriffe begrenzt, das Bodenleben geschont, Erosion verringert und die Bodentragfähigkeit verbessert werden. Technik, Fruchtfolge und der Umgang mit Pflanzenrückständen müssen jedoch sorgfältig aufeinander abgestimmt sein. «Mit der Sämaschine muss der Boden geöffnet werden, um einen optimalen Bodenschluss und eine regelmässige Saattiefe zu gewährleisten, wenn möglich unter diversen Bedingungen», erklärt Jean-Yves Billaud, Landwirt, der seit 2010 eine Aitchison-Sämaschine einsetzt. Für die Direktsaat wird zwischen den Scheibensämaschinen und Zinkendrillmaschinen unterschieden. Zu letzteren gehören Scharen in umgekehrter T-Form oder Kreuzschlitz-Säscharen (Cross-Slot), eine aus Neuseeland stammende Technik, die eine Saatfurche für das gleichzeitige Ausbringen von Saatgut und Dünger formt.

Sicheres und vielseitiges System

Die Scheibensämaschine ist die am weitesten verbreitete Technik für die Direktsaat. Eine oder zwei Scheiben schneiden die Pflanzenreste und öffnen eine schmale Furche für das Saatgut. Sie funktioniert selbst bei einer höheren Arbeitsgeschwindigkeit ohne Verstopfungsgefahr. Bei trockenen oder sehr feuchten Böden sowie bei grossen Biomassemengen oder ungleichmässig verteilten Strohresten können jedoch Probleme auftreten. Der Bodenschluss ist dann nicht mehr sichergestellt. Damit das Saatgut auch bei trockenen Bedingungen regelmässig aufläuft, muss zudem die Saattiefe sorgfältig kontrolliert werden.

Direktsaat und konservierende Landwirtschaft

Die konservierende Landwirtschaft basiert auf drei Prinzipien: minimale mechanische Bodenbeeinträchtigung, maximale Bodenbedeckung und Pflanzenvielfalt (Fruchtfolge). Für Jérémy Sillanoli, technischer Berater bei Proconseil, setzt das Prinzip der minimalen Bodenbearbeitung die Direktsaat mit drei Hauptgruppen von Sämaschinen voraus:

– Sämaschinen mit geraden Scheiben sind besonders effizient in dichten Beständen und auf offenem Boden. Sie sorgen für eine gleichmässige Aussaat, bergen jedoch das Risiko, dass Stroh in die Furche gelangt.

– Scheibensämaschinen mit geneigten Scheiben sind vielseitig einsetzbar und arbeiten auch in dichten Beständen effizient. Sie gewährleisten eine gute Eindringtiefe, können jedoch Stroh in der Furche einklemmen oder dort ansammeln.

– Zinkensämaschinen sorgen für einen guten Kontakt zwischen Saatgut und Boden und fördern damit die Keimung. Sie sind vielseitig einsetzbar, bergen jedoch in dichten oder voluminösen Beständen ein erhöhtes Verstopfungsrisiko

Jeder Hersteller bietet sein eigenes Säelement-System mit Zinken oder Scheiben an, die glatt oder gezackt, gerade oder geneigt sind und deren Druck und Sätiefe einstellbar sind.

Saatgut keimt in der Feinerde

Sämaschinen mit Scharen in umgekehrter T-Form formen eine klar definierte Saatfurche und schaffen so günstige Bedingungen für den Bodenschluss und die Keimung. «Jedes Säelement der Aitchison Simtech-Sämaschine besteht aus einer Scheibe, gefolgt von einer Schar in umgekehrter T-Form und einer Sprinflex-Walze», führt Jean-Yves Billaud aus. Diese Walze treibt die Antriebswelle der Saatgutdosierung an, sorgt für die Rückverfestigung des Bodens und reguliert die Saatguttiefe. Zuletzt wird der Boden mit mehreren schweren Ketten geebnet.» Abhängig von der Bodenbeschaffenheit oder angebauten Kultur kann ich die Ketten auch entfernen«, erläutert der Landwirt, der mit seiner Maschine sehr zufrieden ist.

Jean-Yves Billaud hat seine Sämaschine selbst umgebaut und den Abstand zwischen den Scharen bei 30 cm festgelegt, was besser zu seinem Anbausystem passt. Nachdem er eigene Versuche durchgeführt hat, baut er nun alle seine Kulturen pfluglos an. Im Sommer erweist sich das System mit den Scharen in umgekehrter T-Form bei Strohrückständen als besonders leistungsstark, da die Zinken das Stroh effizient wegstossen.

«Durch das Vibrieren der Zinken bildet sich direkt in der Saatfurche feinkrümelige Erde, was sehr günstige Auflaufbedingungen schafft», hält Jean-Yves Billaud fest. Ausserdem ist die Aitchison-Sämaschine mit zwei Korntanks ausgestattet, sodass in einem Arbeitsgang sowohl das Saatgut als auch der Dünger ausgebracht und mit der feinen Erde vermischt werden kann. Aufgrund des ausgezeichneten Kontakts zwischen Saatgut und Boden kann die Aussaat etwas tiefer erfolgen als mit einer Scheibendrillmaschine.

Betriebsporträt

Jean-Yves Billaud, Landwirt

Lage: Orzens (VD), 620 m ü. M.

Betriebsform: Ackerbau und Viehzucht

LN: 50 ha, davon 30 ha Ackerland, 20 ha Weideland und Wiesen

Vieh: 14 Mutterkühe

Kulturen (pfluglos): Kartoffeln, Zuckerrüben, Getreide (Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste), Sonnenblumen, Raps und Samenklee.

Trennung von Saatgut und Dünger

Das Cross-Slot-System mit zwei seitlich der Öffnungsschare angeordneten Säschuhen gilt als besonders präzise Technik. Das Säelement erzeugt zwei horizontal verlaufende Rillen, wobei in die eine das Saatkorn und in die andere der Dünger abgelegt wird.

Diese Trennung minimiert das Verbrennungsrisiko und fördert selbst bei grossen Mengen an Ernterückständen ein gleichmässiges Ausbringen. Die schmale Rille ermöglicht auch bei grossen Mengen an Strohrückständen eine verstopfungsfreie Aussaat, zudem bleibt die Biomasse an der Bodenoberfläche, was vor Verdunstung schützt.

«Ein guter Bodenschluss muss gewährleistet sein.»

Jean-Yves Billaud, Landwirt

Auch bei höheren Fahrgeschwindigkeiten hält dieser Sämaschinentyp die Arbeitstiefe konstant und sorgt für eine zuverlässige Rückverfestigung. Wie alle Direktsaatmethoden setzt auch diese Technologie ein umfassendes Unkrautmanagement voraus.

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Das umgekehrte T-Schar bildet einen Bereich mit feiner Erde, der für die Entwicklung des Keimlings günstig ist.

Fruchtfolge und Unkrautbekämpfung

Ganz egal, welche Sämaschine eingesetzt wird, entscheidend für die Begrenzung des Unkrautdrucks bei der Direktsaat bleibt die Fruchtfolge. Wie Jean-Yves Billaud betont, ist eine konventionelle Unkrautbekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln nach wie vor unverzichtbar, da mit der Direktsaat allein das Unkraut nicht ausreichend zu bekämpfen sei.

Scheiben, Scharen in umgekehrter T-Form oder Cross-Slot-Systeme bieten jeweils spezifische technische Lösungen. Die Erfahrung in der Praxis zeigt, dass das Anpassen der Maschinen und die agronomische Kohärenz der Schlüssel für eine erfolgreiche Direktsaat sind.

Agrar-Quiz: Mechanische Unkrautbekämpfung
Agrar-Quiz: Mechanische Unkrautbekämpfung

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