Organisches Material wie Heu, Emd, Stroh, Getreide oder Holzschnitzel kann sich nach der Ernte selbst erhitzen. Selbstentzündungen sind laut BFB zwar selten und machen nur 0,7 % der Brände in der Landwirtschaft aus. Ihr Anteil an der Schadensumme liegt mit 2,6 % jedoch deutlich höher. Kurz gesagt: Wenn das Heu einmal brennt, kann der Schaden beträchtlich sein. Im Rahmen der Kampagne Brandverhütung in der Landwirtschaft haben die Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) und die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) deshalb ein Merkblatt zur Heu- und Strohlagerung sowie einen Fachartikel zum Pressen von Heu ab Stock veröffentlicht.
Süsslicher Geruch ist verdächtig
Besonders kritisch ist Dürrfutter, das zu feucht eingebracht oder verschmutzt wurde. Laut Merkblatt beginnt die Erwärmung mit der Gärphase. Das Heu «schwitzt», die Temperatur kann bis etwa 45 °C steigen. Wird das Futter zu feucht eingelagert, kann es sich weiter erwärmen. Ab 50 bis 60 °C vermehren sich wärmeliebende Mikroorganismen stark. Warnzeichen sind ein süsslicher Geruch nach frischem Brot oder faulen Äpfeln. Ab etwa 65 °C kann das Heu verkohlen und nach Tabak oder verbranntem Kaffee riechen. Ab rund 70 °C können Glimmbrände entstehen, die bei Sauerstoffkontakt in offene Brände übergehen.
Bei steigenden Werten häufiger messen
Für Betriebsverantwortliche ist die Temperaturüberwachung zentral. Das Merkblatt empfiehlt, nach dem Einlagern regelmässig an mehreren Punkten zu messen. Im Heustock soll das Messraster gleichmässig verteilt sein, mit Abständen von 1 bis 1,5 m. Bei Ballenstapeln wird mindestens eine Messung pro Ballen empfohlen. In der ersten Woche soll mindestens alle zwei Tage gemessen werden. Wenn die Temperatur nie über 45 °C steigt, reichen ab der zweiten Woche zwei Messungen pro Woche. Bei steigenden oder dauerhaft erhöhten Temperaturen muss häufiger kontrolliert werden. Ein Messprotokoll wird empfohlen.
Ab 55 °C sind zusätzliche Massnahmen nötig.
Die Werte bestimmen das weitere Vorgehen. Bis 45 °C gelten sie gemäss Merkblatt als unbedenklich. Bei 45 bis 60 °C soll alle zwölf Stunden gemessen werden. Ab 55 °C sind zusätzliche Massnahmen nötig, etwa das Absaugen von Gärgasen oder das Schaffen von Kühlgängen. Bei 60 bis 70 °C besteht Brandgefahr, die Messintervalle sollen höchstens fünf Stunden betragen. Ab 70 °C ist die Feuerwehr zu alarmieren. Ein Heustock darf dann nur mit löschbereiter Feuerwehr abgetragen oder mit Heuwehrgerät gekühlt werden. Mit Sauerstoffzufuhr wird ein Glimmbrand rasch zum Inferno.
Ballen mit mehr als 50 °C Kerntemperatur aus dem Gebäude entfernen.
Auch Ballen dürfen nicht unterschätzt werden. Laut Merkblatt funktioniert jeder Ballen gärtechnisch wie ein kleiner Heustock. Kritische oder feuchte Ballen sollten gekennzeichnet, einzeln auf Paletten und gut zugänglich gelagert werden. Hohe Stapel sind zu vermeiden, Lücken zwischen den Ballen verbessern die Luftzirkulation. Ballen mit mehr als 50 °C Kerntemperatur sollen aus dem Gebäude entfernt werden.
Auch beim Pressen besteht Brandgefahr
Beim Pressen von Heu ab Stock liegt die Brandursache laut BFB und BUL nicht in der Selbsterwärmung des Futters, sondern in der Kombination aus leicht entzündbarem Material, heissen Maschinenteilen und möglichen Funken. Der Pressvorgang sollte deshalb grundsätzlich ausserhalb von Gebäuden stattfinden. Ist dies nicht möglich, soll mindestens der Traktor ausserhalb stehen und die Abgase sollen ins Freie geleitet werden.
Richtige Vorbereitung
Vor Arbeitsbeginn sind Traktor und Presse zu reinigen, zu warten und zu kontrollieren. Zum Notfallkonzept gehören geschulte Personen, erreichbare Löschmittel, bekannte Notrufnummern und Handyempfang am Einsatzort.
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Weitere Hinweise und Unterlagen zur Brandverhütung in der Landwirtschaft sind auf der Kampagnenseite von BFB und BUL abrufbar.







