category icon
Betriebsführung

Rechnen für den eigenen Weg

Ana und Lukas Burger sind über den akademischen Weg zur Landwirtschaft gekommen. Sie führen auf dem Friedlisberg einen Pachtbetrieb der Stadt Zürich und ein Lohnunternehmen. In der Milchproduktion setzen sie auf ein Vollweidesystem, das zum Betrieb und ihrer Überzeugung passt.

Ana Burger mit ihrer Milchviehherde auf dem Friedlisberg. Vor der Übernahme wurde dort Galtvieh gehalten, heute setzen sie und ihr Mann Lukas auf Bio-Mi...

Ana Burger mit ihrer Milchviehherde auf dem Friedlisberg. Vor der Übernahme wurde dort Galtvieh gehalten, heute setzen sie und ihr Mann Lukas auf Bio-Milchproduktion mit Vollweide.

(Bild: Jasmine Baumann)

Publiziert am

Redaktorin Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID

Die 65 Kiwi-Cross-Kühe gehen in Reih und Glied über den Triebweg zur neuen Weide. Dort strecken sie die Köpfe ins Gras und fressen sofort. «Es gibt doch nichts Schöneres, als den Kühen beim Fressen zuzuschauen und dieses Geräusch zu hören», sagt Ana Burger. Sie ist Betriebsleiterin auf einem Milchviehbetrieb im Kanton Aargau, den sie und ihr Mann Lukas 2017 von der Stadt Zürich pachten konnten. Die Verpächterin verlangte, auf Bio umzustellen. «Mit 23 ha arrondierter Fläche kam schnell die Idee auf, auf Vollweide zu setzen», erzählt sie.

Gemeinsam führen mit klaren Rollen

Ana Burger wuchs im Tessin mit Milchkühen, Schweinen und Ackerbau auf. Nach dem Gymnasium und einem Praktikumsjahr in der Westschweiz entschied sie sich für ein Agronomiestudium an der ETH. Lukas Burger lernte Landwirt und studierte danach Agronomie in Zollikofen. Auf dem gemeinsamen Betrieb ist Lukas Burger für den Ackerbau zuständig und betreibt ein Lohnunternehmen im Bereich Gülle-Logistik. Ana Burger kümmert sich um das Milchvieh und das Tagesgeschäft. Zudem bildet sie Lernende aus. «Diese klare Aufteilung ist für uns sehr wichtig. Wir sind zwei Alpha-Tiere», sagt sie.

Mehr als praktische Erfahrung

Nach ihrem Abschluss arbeitete Ana Burger mehrere Jahre auf dem elterlichen Hof, den sie zeitweise auch führte. Später war sie bei der IP-Suisse angestellt, vermisste jedoch die praktische Arbeit. «Ich arbeite gerne draussen, mit den Händen und vor allem mit Tieren.» Doch braucht es ein Studium, um einen Betrieb zu führen?

«Kostenbewusstsein entsteht nicht allein durch praktische Arbeit»

Ana Burger, Betriebsleiterin

Ana Burger stellt die landwirtschaftliche Lehre nicht infrage: «Man lernt nicht nur fachlich viel, sondern bekommt auch Einblick in das Leben anderer Familien.» Für die Führung eines Betriebs reiche das jedoch nicht aus. Kostenbewusstsein entstehe nicht allein durch praktische Arbeit. Für Ana Burger gehört beides zusammen: draussen anpacken und im Büro genau rechnen. Ihr eigenes Studium sieht sie deshalb als Vorteil. Entscheidend sei jedoch weniger das konkrete Fachwissen als das Netzwerk aus der Studienzeit: «Wenn du weisst, wo du Informationen holen kannst, kommst du weiter.»

Ana und Lukas Burger, Betriebsleitende, 8964 Rudolfstetten- Friedlisberg

«Was uns hilft, sind die Leute, die wir kennengelernt haben.»

 

 

Pachtbetrieb | 45 ha LN (23 ha Weide, 15 ha Ackerbau, Ext.-Wiesen und BFF) | 65 Milchkühe mit Aufzucht | Agrarwissenschaften ETH, Agronomie BFH | 1 Lernende / r oder Angestellte / r

Rechnen und bewusst entscheiden

Gemeinsam achten Ana und Lukas Burger stark auf die Produktionskosten. Um sich zu verbessern, sind sie Mitglied beim Netzwerk der European Dairy Farmers (EDF). Dort werden die Produktionskosten nach einheitlichen Kriterien ausgewertet, damit die Zahlen vergleichbar sind. «Ich will verstehen, wie meine Kosten im Vergleich zu anderen Betrieben stehen und welchen Stundenlohn ich mit der Milchproduktion verdiene», sagt die Betriebsleiterin. «Du kannst dich nur verbessern, wenn du weisst, wo du den Hebel ansetzen musst.» Ana Burger ist sehr zufrieden mit ihrem Stundenlohn. «Klar würde ich mit meiner Ausbildung ausserhalb des Betriebs mehr verdienen und weniger arbeiten», sagt sie. Die Lebensqualität mit ihrer Familie auf dem Hof wertet sie höher als den Arbeitsverdienst.

Selbst wenn diese Mischrechnung aufgeht, bleibt die Vereinbarkeit von Betrieb und Familie anspruchsvoll. Da sie zu Hause auf dem Hof arbeitet, während Lukas extern im Lohnunternehmen tätig ist, bleibt die Familienarbeit vor allem an ihr hängen. «Ich wünschte mir manchmal, dass es anders ginge», sagt Ana Burger.

Selbstbewusst den eigenen Weg gehen

Auch als Lehrmeisterin spürt Ana Burger, dass Geschlechterbilder nachwirken. Alle bisherigen Lernenden waren Frauen. Bewusst gewählt sei das nicht gewesen, sagt sie, der Betrieb scheine für junge Frauen aber attraktiv zu sein. Viele Jungs interessierten sich vor allem fürs Traktorfahren. Weil es auf dem Betrieb weniger solche Arbeiten gebe, passe er für sie offenbar weniger gut. Zudem falle es vielleicht auch einigen schwer, eine Frau als Vorgesetzte zu akzeptieren.

Der Weg zum Bachelor of Science in Agronomie

Der Weg an die BFH-HAFL führt über den Abschluss als Landwirt EFZ mit Berufsmaturität oder über die gymnasiale Maturität mit Vorstudienpraktikum. Der dreijährige Bachelor vermittelt Fachwissen in Tierhaltung, Pflanzenbau und Betriebswirtschaft und verbindet Theorie und Praxis eng.

Der Weg an die ETH Zürich führt entweder direkt über die gymnasiale Maturität oder über EFZ, Berufsmaturität und Passerelle. Das dreijährige Studium wird durch Exkursionen und ein obligatorisches Agrarpraktikum ergänzt, in dem Fachkenntnisse in der Praxis vertieft werden.

Der Bachelor bildet die Grundlage für einen anschliessenden Master und weitere wissenschaftliche Vertiefungen.

Auch extern sei ihre Rolle als Betriebsleiterin nicht immer selbstverständlich. «Es kommt immer noch vor, dass Vertreter auf den Hof fahren und mich fragen, wo der Chef sei», erzählt sie. Solchen Situatio nen begegne sie jedoch gelassen: «Dieser Wandel braucht Zeit, bis er in allen Köpfen angekommen ist.» Im Betriebsalltag helfen ihr Fachwissen, Praxis, Selbstvertrauen und klare Zuständigkeiten. Dank ihrer Ausbildung gingen Ana und Lukas Herausforderungen umfassend an. «Ich weiss, wo ich Wissen holen kann und wer mir weiterhilft. Ich habe die Werkzeuge dazu», sagt Ana Burger. 

Serie Berufsbildung

2026 stellt der LID in seiner Serie Personen vor, die sich nach ihrer landwirtschaftlichen Grundausbildung weiterqualifiziert haben oder über einen höheren Bildungsweg den Einstieg in die Landwirtschaft gefunden haben.

Unterstützung und Hilfsmittel zur Öffentlichkeitsarbeit auf:  www.lid.ch/baeuerinnen-und-bauern

Agrar-Quiz: Mechanische Unkrautbekämpfung
Agrar-Quiz: Mechanische Unkrautbekämpfung

Testen Sie Ihr Wissen. Machen Sie mit am Agrar-Quiz der UFA-Revue. Die Fragen beziehen sich auf die Unkrautbekämpfung und Maschinen zur mechanischen Unkrautbekämpfung.

Zum Quiz

Meistgelesene Artikel