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Pflanzenbau

Der Sommer, der die Felder austrocknet

Seit Wochen fehlt vielerorts der Regen. Die Folgen zeigen sich auf Feldern und Wiesen: Mais leidet unter Trockenstress, das Gras wächst kaum noch nach und die Ernteaussichten trüben sich ein. Wie stark die Auswirkungen ausfallen, hängt von Region, Kultur und Standort ab. Zwei Landwirte erzählen, wie sie den trockenen Sommer 2026 erleben.

In Kantonen wie in Baselland wurden die Regeln für RAUS (Regelmässiger Auslauf im Freien) angepasst, da das Futter aussen nicht ausreicht. 

In Kantonen wie in Baselland wurden die Regeln für RAUS (Regelmässiger Auslauf im Freien) angepasst, da das Futter aussen nicht ausreicht. 

(Dr. Katharina Kempf)

Publiziert am

Redaktorin, UFA-Revue

Braune Wiesen, eingerollte Maisblätter und welke Zuckerrüben: Mitte Juli zeigt sich in weiten Teilen der Schweiz das gleiche Bild. Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen seit Mitte Juni hinterlassen deutliche Spuren auf den Feldern. Besonders betroffen sind Kulturen mit hohem Wasserbedarf wie Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse sowie die Futterbauflächen. Wintergetreide reagiert weniger empfindlich, da ein grosser Teil seiner Entwicklung bereits vor den heissesten Wochen abgeschlossen war.

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Trotz kurzer Niederschläge rollt der Mais seine Blätter als Schutzmechanismus gegen Trockenstress sichtbar ein.

(Dr. Katharina Kempf)
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Zuckerrüben reagieren auf Trockenstress mit hängenden Blättern. Dadurch verringern sie die Verdunstung und sparen Wasser.

(Dr. Katharina Kempf)

Am grössten ist die Sorge vieler Betriebe um den Futterbau. Das Graswachstum ist nahezu zum Erliegen gekommen, vielerorts verdorrt die Grasnarbe. Teilweise werden bereits jetzt Winterfutterreserven angegriffen. Michi Burri, Leiter Wildblumen bei UFA-Samen, bestätigt die Situation: «Die Gräser leiden extrem unter der Trockenheit. Entsprechend nehmen die Bestände stark ab. Tiefwurzelnde Blumen halten sich dagegen noch erstaunlich gut und stehen vielerorts weiterhin grün da.»

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Die Luzerne kann Trockenperioden dank ihrer tiefen Pfahlwurzel länger widerstehen.

(Dr. Katharina Kempf)

Die Trockenheit betrifft die ganze Schweiz, allerdings unterschiedlich stark. «Auffällig sind die grossen regionalen Unterschiede», sagt Burri. Zwar brachten lokale Gewitter vereinzelt Niederschläge, doch die ausgetrockneten Böden können die Wassermengen oft nicht aufnehmen. Das Wasser fliesst oberflächlich ab und gelangt nur begrenzt in den Wurzelraum der Pflanzen.
Die Erntequalität leidet unter dem Wassermangel. Kartoffeln bilden häufig kleinere Knollen, beim Mais sinken Ertrag und Stärkegehalt. Gemüse zeigt vermehrt Qualitäts- und Grössenmängel. Beim Getreide fällt die Bilanz differenzierter aus: Die Kulturen konnten in diesem Jahr noch ausreichend abreifen, ebenso der Raps. Trockenheit kann hier sogar zu höheren Proteingehalten und guten Backqualitäten führen, sofern die Ertragseinbussen begrenzt bleiben. Entscheidend sind letztlich Zeitpunkt und Dauer der Trockenperiode.
Mit den angekündigten Niederschlägen dürfte sich die Situation regional zwar etwas entspannen. Wie stark die Trockenheit die Erträge tatsächlich beeinträchtigt hat, wird sich jedoch vielerorts erst bei der Ernte zeigen. Die Auswirkungen fallen zudem von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich aus. Die UFA-Revue hat bei zwei Landwirten nachgefragt, wie sie die letzten Wochen erlebt haben und welche Folgen sie auf ihren Flächen beobachten.

  

Laura Bernet (20) bewirtschaftet mit ihrer Familie einen Betrieb mit Angus-Mutterkühen, Futterbau, Ackerbau und Reben in Bülach (ZH). Sie berichtet, wie sich die aktuelle Trockenheit auf ihren Betrieb auswirkt.

Frau Bernet, wie erleben Sie den Sommer 2026 auf Ihrem Betrieb?
So trocken habe ich es in meiner bisherigen Laufbahn noch nie erlebt. Die Auswirkungen sind deutlich sichtbar, auch wenn die Situation bei uns momentan noch nicht kritisch ist.

Wo zeigen sich die Folgen der Trockenheit besonders?
Bei den Ackerkulturen und natürlich im Futterbau. Die Getreideernte wurde klar beeinflusst. Die Gerste kam dank ihrer frühen Entwicklung noch relativ gut durch die Trockenperiode. Beim Roggen sieht es anders aus: Die Körner sind kleiner geblieben, entsprechend fällt der Ertrag tiefer aus.

Wann haben Sie die Auswirkungen besonders stark gespürt?
Vor allem seit der Hitzewelle vor drei bis vier Wochen. Trockenheit allein wäre das eine. Zusammen mit der Hitze merkt man die Auswirkungen deutlich stärker.

Wie geht es Ihren Futterbauflächen?
Im Moment bin ich noch relativ entspannt. Die Futtervorräte für unsere Angus-Mutterkühe sollten ausreichen. Sehr wertvoll ist dabei die Luzerne in unseren Futtermischungen. Sie kommt mit trockenen Bedingungen gut zurecht und liefert gleichzeitig Eiweiss. Dass wir auf diese Mischung gesetzt haben, bestätigt sich dieses Jahr erneut.

Und wie steht es um den Mais?
Unser Mais sieht momentan noch akzeptabel aus. Auffälliger ist die Situation bei frühen  Maissorten auf den Nachbarsflächen, die teilweise spät gesät wurden. Teilweise sind die Pflanzen erst 20 bis 30 Zentimeter hoch.

Bewässern Sie Ihre Kulturen?
Nein. Stattdessen versuchen wir, unseren Betrieb über die Anbauplanung an solche Bedingungen anzupassen. Wir prüfen für nächstes Jahr sicher noch einmal die Option auf andere Weizensorten zu gehen. Solche die eine bessere Toleranz mitbringen. Auch Untersaaten werden für uns wieder ein Thema sein, um Wetterextreme besser abzufedern.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf die nächsten Wochen?
Noch sind wir vergleichsweise glimpflich davongekommen. Aber die Sonnenblumen brauchen jetzt dringend Wasser. Aber es ist einfach so, dass Wetterextreme häufiger und ausgeprägter werden. Die aktuelle Trockenheit ist jedenfalls die stärkste, die ich bisher erlebt habe.

 

 

 

Mathias Waser (37) bewirtschaftet in Dulliken einen Betrieb mit Milchvieh und Munimast sowie Mais, Weizen, Gerste, Kunst- und Naturwiesen und Zuckerrüben. Die Trockenheit hinterlässt auch auf seinem Betrieb deutliche Spuren.

Herr Waser, wie erleben Sie den Sommer 2026 auf Ihrem Betrieb?
Man merkt auf den Flächen einfach, dass es nicht mehr vorwärtsgeht. Eine Wiese, die ich vor Wochen gemäht habe, sieht heute noch aus wie direkt nach dem Schnitt. Besonders die Kunst- und Naturwiesen haben stark gelitten. Beim Getreide sind wir hingegen noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.

Wo zeigen sich die Folgen der Trockenheit besonders?
Am deutlichsten im Futterbau. Die Erträge liegen klar unter dem Vorjahr. Während ich letztes Jahr aus einem Schnitt 94 Ballen geerntet habe, waren es dieses Jahr bisher rund 60 Ballen aus zwei Schnitten. Nach aktuellem Stand sollte das Futter aber bis im Frühjahr reichen.

Wann haben Sie die Auswirkungen besonders stark gespürt?
Eigentlich laufend. Am Anfang hat mich die Trockenheit sehr frustriert. Irgendwann bin ich teilweise gar nicht mehr auf die Flächen schauen gegangen, weil es mich nur noch mehr frustriert hätte.

Wie geht es Ihren Futterbauflächen?
Die Wiesenbestände leiden stark unter der Trockenheit. Wachstum findet praktisch kaum noch statt. Trotzdem gehe ich momentan davon aus, dass die Futtervorräte für den Winter ausreichen werden.

Und wie steht es um den Mais?
Da zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Mais wurde im Mai per Direktsaat gesät und ist heute rund zwei Meter hoch. Ich bin grundsätzlich zufrieden, auch wenn die Pflanzen normalerweise etwa eineinhalb Meter höher wären. Dass die Bestände noch relativ gut dastehen, hat wohl mit dem trockenen Frühjahr zu tun. Dadurch haben die Pflanzen tiefere Wurzeln gebildet und können nun besser auf Wasserreserven zugreifen.

Bewässern Sie Ihre Kulturen?
Nein. Stattdessen versuche ich, möglichst bodenschonend zu arbeiten. Ich bewege den Boden so wenig wie möglich. Über den Boden kann man viel herausholen, gerade wenn es darum geht, Trockenstress besser zu bewältigen.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf die nächsten Wochen?
Mittlerweile habe ich einen pragmatischen Umgang mit der Situation gefunden. Wie der Mais stelle ich mich auf und mache einfach weiter. Trotz der Herausforderungen gibt es auch positive Seiten: Der Schädlingsdruck ist tiefer als in anderen Jahren, und die Bedingungen für die Raps- und Getreideernte waren vielerorts nahezu ideal. Trotzdem braucht es nun wieder Niederschläge, damit es auf den Flächen weitergeht.

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