Warum wird in der Schweiz derzeit zu wenig Raps angebaut?
Der Raps gerät zunehmend unter Druck – aus zwei zentralen Gründen. Erstens schrumpft das Arsenal an wirksamen Pflanzenschutzmitteln, insbesondere gegen Insekten. Für die Produzentinnen und Produzenten bedeutet das: mehr Feldkontrollen, höherer Aufwand und ein deutlich grösseres Risiko. Kann ein Befall nicht rechtzeitig bekämpft werden, schwanken die Erträge stark oder die Kultur fällt im Extremfall ganz aus. Das macht den Rapsanbau wirtschaftlich wenig attraktiv.
Zweitens spielt der Vergleich mit anderen Kulturen eine grosse Rolle. Beim Zuckerrübenanbau fällt der Einzelkulturbeitrag deutlich höher aus, was ein entscheidender Vorteil ist, vor allem in Jahren mit schwächeren Erträgen oder bei Ernteausfällen. Dieser finanzielle Puffer fehlt dem Raps. Das daraus entstehende Ungleichgewicht bedauern wir sehr, denn Raps ist aus agronomischer Sicht eine wertvolle Kultur für die Fruchtfolge.
Wer legt eigentlich fest, wie viel Raps in der Schweiz angebaut wird?
Die Menge entsteht nicht zufällig, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Den Anfang machen die Verarbeiter: Sie definieren jeweils im Frühjahr, gestützt auf ihre Markterwartungen und Planungen für das Folgejahr, ihren Bedarf an Schweizer Raps. Diese Bedarfsmengen werden anschliessend gebündelt und dem Schweizerischen Getreideproduzentenverband (SGPV) gemeldet.
Darauf aufbauend schliessen alle Beteiligten eine Rahmenvereinbarung ab. Darin halten sie die Zielmengen fest – und die Verarbeiter verpflichten sich gleichzeitig, diese Mengen auch tatsächlich abzunehmen. Im Verlauf des Sommers übernimmt der SGPV dann gemeinsam mit Agrosolution die Feinverteilung: Er teilt die Mengen den Produzentinnen und Produzenten zu. Letztlich entscheiden alle Glieder der Kette gemeinsam, wie viel Raps gesät wird: Die Verarbeiter sichern eine Mindestübernahmemenge zu, und die Produzenten erklären sich bereit, den Raps auch in den Boden zu bringen.
Wie lässt sich der Anbau für die menschliche Ernährung stärken, ohne dass Raps weiter unter Druck gerät?
Aus unserer Sicht gelingt das nur, wenn zusätzliche Flächen nicht auf Kosten funktionierender Kulturen mit gesichertem Absatzmarkt entstehen. Die AP 30+ verfolgt das Ziel, den Anbau für die direkte menschliche Ernährung zu fördern – ein wichtiges Anliegen. Niemand gewinnt jedoch etwas, wenn künftig mehr Körnerleguminosen, Hafer oder Amaranth für die menschliche Ernährung angebaut werden, dafür aber der Rapsanbau weiter zurückgeht.
Folgt man der Logik des BLW, müssen deshalb andere Flächen reduziert werden. Diese Stossrichtung unterstützen wir. Sie wird allerdings eine Umlagerung der Einzelkulturbeiträge nötig machen. Als «Wirbelsäule» der AP 30+ gilt die Ernährungssicherheit – und genau unter diesem Blickwinkel muss Raps auch künftig einen hohen Stellenwert behalten. Ohne Raps lässt sich die Ernährungssicherheit der Schweiz bei einer wachsenden Bevölkerung langfristig nicht gewährleisten.







