Quer gelesen
- Theoretisch genügen wenige, gezielt ausgewählte Arten als Zwischenfrucht, aber komplexe Mischungen wirken zuverlässiger.
- Sommerhitze erschwert die Etablierung – frühere Untersaaten, spätere Saaten und flexible Systeme gewinnen an Bedeutung.
- Der richtige Umbruchzeitpunkt und die Bewirtschaftung bestimmen Nährstoffverfügbarkeit und Wassernutzung.
Zwischenfrüchte, im Schweizer Raum als Zwischenfutter oder Gründüngungen bekannt, sind im Ackerbau etabliert. «Das Thema ist nicht neu», sagt Raphaël Charles vom FiBL. Deutlich zugenommen hat jedoch das Interesse am Boden und dessen Schutz. Zwischenfrüchte können hier einen wichtigen Beitrag leisten und sind dank Beiträgen oft auch wirtschaftlich interessant. Entscheidend ist für Charles weniger das Ob, sondern das Wie und mit welchem Ziel sie eingesetzt werden.
Was ist mein Ziel mit der Zwischenfrucht?
Für die Praxis steht eine Frage im Mittelpunkt: Welche Funktion soll die Zwischenfrucht im eigenen Betrieb erfüllen? Je nach Standort, Fruchtfolge und Produktionssystem stehen Erosionsschutz, Unkrautregulierung, Nährstoffsicherung oder Futterproduktion im Vordergrund. Zwischenfrüchte sind kein Selbstläufer, sondern ein gezielt einzusetzendes Werkzeug. «Man muss Zwischenfrüchte wie eine Kultur behandeln», betont Charles. Dazu gehören eine sorgfältige Saatbettbereitung sowie eine standort- und zielangepasste Artenwahl. Auch die Mischung muss zur Fruchtfolge passen: Mit Raps sollten Kreuzblütler reduziert werden, zudem ist die Leguminosenmüdigkeit zu beachten. Ergänzend eignen sich neutrale Arten oder andere Pflanzenfamilien wie Phacelia, Hafer oder Ramtillkraut. Grundsätzlich gilt: Je später die Saat, desto weniger Arten sollte die Mischung enthalten, damit sie sich gut etablieren kann. Zudem frieren Zwischenfrüchte seltener ab, weshalb ihre Beseitigung aktiv eingeplant werden muss.
Nährstoffe sichern und richtig nutzen
Zwischenfrüchte binden Nährstoffe und machen sie für die Folgekultur wieder verfügbar. Entscheidenden Einfluss hat dabei der richtige Umbruchtermin. Dieser sollte idealerweise zur Blüte erfolgen, da Stickstoff hier eine entscheidende Rolle spielt. Wird zu spät umgebrochen, müssen die Bodenorganismen einen grossen Anteil an Kohlenstoff aus der Biomasse umsetzen, wofür sie auch Stickstoff benötigen. Dieser steht dann der Kultur nicht mehr zur Verfügung. Das kann in intensiven Anbausystemen über die Düngung gelöst werden, kritischer ist dies aber in Low-Input-Systemen sowie im Bio-Landbau. Aus diesem Grund spielen Leguminosen eine zentrale Rolle. Sie könnten in der Zwischenfruchtmischung grosse Mengen Stickstoff fixieren, in Reinkultur bis zu 350 kg N pro Hektare, so Charles. Dieser wird jedoch nicht sofort vollständig verfügbar. Mischungen helfen, die Nährstoffdynamik besser zu steuern und Verluste über Nitratauswaschung zu reduzieren. In vielen Fällen reichen zwei bis vier gezielt ausgewählte Arten aus, aber komplexe Mischungen wirken zuverlässiger. Diese sind am flexibelsten, um unterschiedlichen und unvorhersehbaren Boden- und Klimabedingungen gerecht zu werden.
Robust gegenüber Wetterextremen
Gut abgestimmte Zwischenfruchtmischungen tragen zur Stabilität unter schwierigen Witterungsbedingungen bei. «Man muss heute mit Hitze, Dürre und Starkniederschlägen rechnen», sagt Charles. Eine möglichst dichte und durchgehende Bodenbedeckung schützt vor Erosion und reduziert die Verdunstung. Gerade bei Trockenheit stellt sich die Frage der Wasserkonkurrenz. Zwischenfrüchte benötigen Wasser, gleichzeitig können sie helfen, dieses besser im System zu halten. Entscheidend ist das Management: Durch rechtzeitiges Mulchen oder Umbruch lässt sich der Wasserverbrauch steuern. «Im Frühling muss man aktiv entscheiden, wann man die Zwischenfrucht beendet. Das bestimmt, wie viel Wasser der nächsten Kultur zur Verfügung steht», so Charles. Aber auch hier muss man sich bewusst machen, wofür man die Zwischenfrucht angebaut hat. Soll Futter produziert werden, erfüllt sie die Funktion einer Hauptkultur und braucht ausreichend Wasser, um Biomasse zu produzieren.
Etablierung wird anspruchsvoller
Eine zunehmende Herausforderung ist die sichere Etablierung im Sommer. «Die Hitze im Juli und August erschwert Keimung und Auflaufen stark», beobachtet Charles. Trockene, heisse Böden machen klassische Saatfenster zunehmend unzuverlässig – Aussaaten Ende Juli sind vielerorts kaum mehr realistisch. In der Praxis sind Anpassungen nötig: spätere Saattermine im Spätsommer oder vermehrt Untersaaten in Getreidebeständen, die besonders im Bio-Landbau an Bedeutung gewinnen. Voraussetzung ist, dass die Bestände nicht zu dicht sind. Bewährt hat sich die Einsaat kleinsamiger Arten wie Klee im Frühjahr oder Herbst. Sie nutzen die vorhandene Feuchtigkeit zur Etablierung und wachsen nach der Ernte weiter. In konventionellen Systemen wird der Einsatz oft durch dichte Bestände und Herbizidrückstände erschwert. Auch Relay-Gründüngungen gewinnen an Bedeutung und sorgen für eine ganzjährige Bodenbedeckung. Diese Bestände kombinieren zwei Wachstumszyklen: einen sommerlichen mit klassischen Arten und eine zweite Phase ab Herbst mit Roggen und Inkarnatklee, die vor allem nach dem Winter wirksam wird. Trotz ihres Potenzials haben Zwischenfrüchte Grenzen: Bei starker Bodenverdichtung oder ausgeprägten Strukturproblemen reichen sie allein nicht aus, so der FiBL-Experte. Auch bei hohem Unkrautdruck ersetzen sie keine direkte Bekämpfungsmassnahme. Ihre Stärke liegt in der Prävention und der langfristigen Stabilisierung des Systems.
Spezielle Anforderungen im Spezialkulturbau
Im Wein-, Obst- und Beerenbau werden Zwischenfrüchte als Begrünung ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, insbesondere für den Erosionsschutz oder um die Begrünung des Bodens selbst zu steuern, statt Unkraut aufkommen zu lassen. Wie im Ackerbau muss auch hier die Konkurrenz zur Kulturpflanze um Wasser und Stickstoff gesteuert werden, was sich direkt auf Ertrag und Qualität auswirken kann. Diese Konkurrenz lässt sich durch die richtige Artenwahl und ein angepasstes Management gezielt steuern. Einjährige Arten, die sich im Frühjahr rasch entwickeln, früh blühen und danach absterben, haben sich bewährt, da sie die Hauptkultur in den trockenen Sommermonaten weniger konkurrenzieren, das Wasser aber im Boden halten. Wichtig ist dabei, die Mischungen an die spezifischen Bedingungen von Dauerkulturen anzupassen und nicht einfach Konzepte aus dem Ackerbau zu übernehmen: Die angewandte Forschung ist angelaufen und muss weitergeführt werden. In der Praxis spielen zudem Befahrbarkeit und Pflege eine zentrale Rolle. Begrünungen müssen regelmässig kontrolliert und bei Bedarf gemulcht oder mechanisch reguliert werden, damit sie nicht zu dominant werden.
Teil eines funktionierenden Systems
«Zwischenfrüchte bringen nicht immer direkt Geld, aber sie bringen das System vorwärts», fasst Charles zusammen. Ihr Nutzen zeigt sich oft erst über mehrere Jahre. Entscheidend sind klare Ziele und eine konsequente Umsetzung. Richtig eingesetzt, werden Zwischenfrüchte zu einem wichtigen Baustein für die Bodenfruchtbarkeit und die Stabilität des gesamten Anbausystems.
Aus der Praxis «Gründüngungen fördern das Bodenleben»
Zwischenfrüchte spielen auf dem Bio-Betrieb von Markus Büsser eine zentrale Rolle: «Gründüngungen dienen bei uns in erster Linie der Bodenverbesserung und fördern das Bodenleben», erklärt er. Besonders wichtig ist ihm dabei die Aktivität von Bodenbakterien, wie etwa Knöllchenbakterien, die Stickstoff binden. Büsser setzt konsequent auf Zwischenfrüchte nach Getreide, oft als Vorbereitung für den Mais. «Der Stickstoffeffekt ist für die Folgekultur entscheidend.» Gesät wird wie eine Hauptkultur: mit der Sämaschine und einer Ablagetiefe von ein bis zwei Zentimetern. «So läuft es für mich ideal.» Häufig nutzt er Mischungen mit Phacelia sowie Leguminosen zur Stickstofffixierung.
Das Jahr 2025 zeigte Büsser hier Grenzen: «Teilweise sind die Begrünungen wegen Trockenheit kaum aufgelaufen.» Die Aussaattermine verschieben sich auch im Thurgau zunehmend nach hinten. «Mittlerweile säe ich Ende September oder Oktober.» Trockenheit und hohe Temperaturen erschweren sowohl die Saat als auch das Ausbringen von organischem Dünger.
Ein Problem sieht Büsser auch darin, dass wegen der warmen Winter die Zwischenfrüchte nicht zuverlässig abfrieren. Dann müsse er mechanisch nachhelfen. Dabei setzt er aufs Schlegeln oder auf die Messerwalze. Ersteres vor allem bei höherem Unkrautdruck. Der Betrieb arbeitet nur mit dem Pflug, wenn es sein muss. Die Wurzeln der Zwischenfrüchte übernehmen wichtige Funktionen im Boden – etwa die Lockerung und Stabilisierung. Auf intensive Bodenbearbeitung mit Kreiselegge verzichtet Büsser bewusst und setzt stattdessen auf schonende Verfahren wie Gänsefussgrubber oder Kulturegge.







