Dürrfutter enthält in der Regel wenig schnell im Pansen verfügbaren Stickstoff. Ein Defizit, das grösser wird, wenn die Ration viele schnell fermentierbare Kohlenhydrate enthält, etwa Zucker aus hochwertigem Heu oder Rüben sowie schnell abbaubare Stärke aus Kartoffeln. Mehr proteinreiches Kraftfutter einzusetzen, ist naheliegend, aber eher teuer. Zudem steht es dem Ziel der Proteinautonomie der Schweiz im Weg. Futterharnstoff wäre deshalb eine interessante Lösung. Er liefert den Mikroorganismen im Pansen schnell verfügbaren Stickstoff und verbessert somit die Futterverwertung.
Bis zu 0,6 kg weniger Kraftfutter
Für fünf Schweizer Milchviehbetriebe wurden überarbeitete Fütterungspläne berechnet. Die Tiere bekamen 60 bis 100 g Futterharnstoff in der Winterration. Die berechnete Milchleistung ist gleich geblieben, ebenso die eingesetzten Kraftfutter. So war es möglich, den direkten Vergleich mit den ursprünglichen Rationen zu ziehen: Die Kraftfuttermengen sanken dabei systematisch. Je nach Betrieb und Laktationsphase lagen die Einsparungen zwischen 0,2 und 0,6 kg pro Kuh und Tag. Das sind etwa 60 bis 180 kg Kraftfutter pro Kuh und Laktation. Diese Ergebnisse bestätigen, dass der Futterharnstoff einen Mangel an schnell fermentierbarem Stickstoff im Pansen korrigiert. Damit verbessert er die Futterverwertung. Der Effekt ist besonders bei zwei Rationstypen sehr ausgeprägt: Bei Dürrfutter mittlerer Qualität und beim Einsatz von energiereichen Futtermitteln wie Rüben oder Kartoffeln.
Schon kleine Anpassungen der Proteinversorgung können die Futtereffizienz spürbar verbessern.
Mehr Proteinautonomie, weniger Ressourcenverlust
Landwirte, die 0,2 bis 0,6 kg Kraftfutter pro Kuh und Tag einsparen, reduzieren aktiv den Import von Eiweissfuttermitteln. Auf Herdenebene senkt dies die Futterkosten und fördert gleichzeitig die Futterautonomie. Dieser Aspekt ist besonders wichtig für Betriebe, die eine Eiweissreduktion anstreben, sowie für Betriebe mit bestimmten Produktionsvorgaben. Ein verringerter Kraftfutteraufwand schont zudem Ressourcen, welche der menschlichen Ernährung dienen können. Damit passt der Ansatz zum «Feed no Food»-Prinzip.
Sondersituation Schweiz
In der Schweiz ist Futterharnstoff in den meisten AOP-Käsereien verboten. Auch einige Produzentenorganisationen schliessen den Einsatz aus. Fast alle Käsereimilch-Betriebe füttern zudem silofrei. Das schränkt die Zufuhr von schnell abbaubarem Protein über das Grundfutter in der Winterration ein. Futterharnstoff wäre hier eine passende Lösung sein. Er würde den Mangel an fermentierbarem Rohprotein beheben. Voraussetzung ist, dass sein Einsatz im jeweiligen Produktionsumfeld erlaubt ist.
Rentabel, aber mit der nötigen Sorgfalt
Futterharnstoff kostet weniger als Proteinkonzentrate, was ihn wirtschaftlich interessant macht. Beim Einsatz ist jedoch Vorsicht geboten. Empfohlen wird, Futterharnstoff als Fertigmischfutter oder in geschützter Form in die Fütterung einzubinden. So gewährleistet man eine homogene Verteilung in der Ration und vermeidet Dosierungsfehler. Eine Überdosierung setzt im Pansen viel giftiges Ammoniak frei. Dies kann zu schweren Leberschäden und im Extremfall sogar innerhalb weniger Stunden zum Tod der Tiere führen. Kommt Futterharnstoff in der Fütterung zum Einsatz, muss die Ration zudem einen bedarfsgerechten Gehalt an schnell fermentierbaren Kohlenhydraten aufweisen. Ist der Stickstoffgehalt der Ration bereits ausgewogen, ist zusätzlicher Futterharnstoff nutzlos.
Kosten im Vergleich
Auf den ersten Blick sind die Kosten für Futterharnstoff mit ca. 99 CHF pro dt mit jenen für Sojaschrot vergleichbar, bzw. höher. Zu beachten ist jedoch, dass die Stickstoffkonzentration im Futterharnstoff wesentlich höher ist als im Soja- oder Rapsschrot.
Bei den Kosten pro Kilogramm im Pansen verwertbaren Stickstoffs (PMN) sieht die Bilanz anders aus. Futterharnstoff kommt auf rund 0,35 CHF pro kg PMN. Raps und Soja kommen auf 2,40 bis 3,40 CHF pro kg PMN. Futterharnstoff ist damit um den Faktor 7 bis 10 günstiger als Soja und somit im direkten Vergleich wirtschaftlich interessanter. Geschützter Futterharnstoff, mit verzögerter Freisetzung, ist in der Regel teurer als einfacher Futterharnstoff, bietet aber auch eine höhere Anwendungssicherheit. Trotzdem ist auch diese Form wirtschaftlicher als herkömmliche Proteinquellen.







