Zunächst sprach vieles für eine normale Getreideernte 2026. Nach einer meist erfolgreichen Aussaat im Herbst 2025 entwickelten sich die Bestände über Winter und Frühjahr erfreulich. Die Winterfeuchtigkeit schuf zudem gute Voraussetzungen für den Vegetationsstart. Noch Mitte Juni rechnete kaum jemand mit den Herausforderungen, die der Sommer bringen würde. Ende Juni und Anfang Juli setzten Hitze und Trockenheit den Kulturen jedoch zunehmend zu. Vor allem Weizen, Triticale und Dinkel gerieten unter Wasserstress, während sie sich je nach Region noch im Schossen, Ährenschieben oder in der Kornfüllung befanden. Nach der Ernte zeigte sich ein heterogenes Bild. Tiefgründige Böden lieferten meist stabile Erträge, während Hitze und Trockenheit auf leichteren Standorten sowie in frühen Regionen deutliche Spuren hinterliessen. Ertrag und Qualität fielen deshalb regional sehr unterschiedlich aus.
Weizensorten, die der Hitze trotzten
Für die Getreideproduktion wird künftig weniger entscheidend sein, ob Trockenheit auftritt, sondern wann. Während der Bestockung kann Winterweizen Trockenphasen oft noch kompensieren. Kritisch wird es ab dem Schossen bis zur Kornfüllung. Fehlt in dieser Phase Wasser und setzen dann noch hohe Temperaturen ein, bilden die Pflanzen weniger und kleinere Körner. Das Tausendkorngewicht sinkt, Ertrag und Backqualität leiden. Die Erfahrungen aus dem Jahr 2026 zeigen, dass erst das Zusammenspiel von Sortenwahl, Bodenfruchtbarkeit und standortgerechter Anbaustrategie die Widerstandsfähigkeit der Bestände erhöht. Eine offizielle Einstufung trockenheitstoleranter Winterweizensorten gibt es in der Schweiz nicht. Die Sortenversuche zeigen jedoch, dass frühreife Sorten unter trockenen und heissen Bedingungen oft konstantere Erträge erzielen. Besonders Axen, CH Nara, Cadlimo, Diavel, und Alpval schnitten 2026 gut ab. Dank ihrer Robustheit und standortspezifischen Bedingungen konnten sie den Trocken- und Hitzeperioden während der Kornfüllung teils ausweichen. Die Ergebnisse der Feldtage 2026 (QR-Code) bieten eine zusätzliche Entscheidungshilfe für die Sortenwahl zur Aussaat 2026. Ebenso wichtig wie die Sortenwahl bleibt die Bodenfruchtbarkeit. Tief durchwurzelbare, strukturstabile Böden mit hohem Humusgehalt speichern mehr Wasser und puffern Trockenphasen besser ab. Zwischenfrüchte, organische Düngung, eingearbeitete Gründüngungen und eine möglichst bodenschonende Bewirtschaftung stärken diese Eigenschaften langfristig.
Die Wintergerste hat geliefert
Die Gerste zählt zu den Gewinnern des Anbaujahres 2026. Die Ergebnisse der Feldtage in Kirchberg bestätigen die schweizweit hohen Erträge. Mit 94,5 dt / ha im extensiven und 117,1 dt / ha im intensiven Anbau erreichten die Versuchsflächen Spitzenergebnisse. Die günstigen Aussaatbedingungen im Herbst 2025 legten den Grundstein für eine erfolgreiche Saison. Die Bestände entwickelten sich über den Winter gleichmässig und vital. Im Frühjahr profitierten sie von einem milden Vegetationsstart und ausreichend Bodenfeuchtigkeit. Dank der guten Wachstumsbedingungen nutzte die Gerste Nährstoffe effizient und setzte sie bei guter Pflanzengesundheit in hohe Kornerträge um.
Die Gerste zählt zu den Gewinnern des Anbaujahres 2026.
Die trockene und warme Witterung kurz vor der Ernte beschleunigte die Abreife und ermöglichte einen zügigen Ernteverlauf. Neben den hohen Erträgen überzeugte die Gerste auch mit sehr guten Hektolitergewichten von bis zu 71 kg / hl. Für die Aussaat 2026 steht nun ein breites Gerstensortiment mit ausreichenden Saatgutmengen zur Verfügung.
Neue Weizensorten erweitern das Sortiment
In allen Qualitätsklassen ergänzen neue Sorten das bestehende Angebot. Die Neuzugänge wurden in den offiziellen Sortenversuchen geprüft und hinsichtlich Ertrags, Pflanzengesundheit und Backqualität bewertet. Nun müssen sie ihre Eigenschaften unter Praxisbedingungen und auf grösseren Anbauflächen bestätigen. Für die Aussaat 2026 haben die Vermehrungsorganisationen bereits von den meisten neu in die Liste der empfohlenen Sorten (LES) aufgenommenen Weizensorten Saatgut vermehrt. Wer den Anbau einer neuen Sorte plant, sollte den Saatgutbedarf frühzeitig abklären.
Eine offizielle Einstufung trockenheitstoleranter Winterweizensorten gibt es in der Schweiz nicht.
Mit der Aufnahme neuer Sorten in die LES werden gleichzeitig ältere Sorten schrittweise aus der Vermehrung genommen. Runal, Hanswin und Forel stehen 2026 letztmals im Anbau, die Saatgutversorgung für die kommende Aussaat bleibt jedoch gesichert. Baretta wurde bereits aus dem Sortiment genommen.
Die Backqualität beginnt bei der Sortenwahl
Die Liste der empfohlenen Sorten dokumentiert neben den agronomischen Eigenschaften auch die Proteinwerte und die daraus resultierende Backqualität. Die Mehlund Backindustrie bewertet diese Merkmale laufend und schafft damit eine wichtige Grundlage für die Sortenwahl.
Eine breite Auswahl an Weizensorten mit unterschiedlichen Qualitätsprofilen sichert langfristig die Qualität des Schweizer Mehls. Deshalb lohnt es sich, die Sortenwahl sorgfältig auf die Betriebsstrategie abzustimmen. Neben Ertrag und Pflanzengesundheit sollen auch die geforderten Qualitätsmerkmale berücksichtigt werden. Mit einer gezielten Sortenwahl tragen die Produzentinnen und Produzenten dazu bei, die Vielfalt innerhalb der Qualitätsklassen zu erhalten. Das stärkt die Anbausicherheit auf dem Feld und unterstützt gleichzeitig eine konstante Qualität entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Hier geht es zu einem Einblick zur Backqualität und warum "bockige" Teige zu nehmend auftreten
Hier geht es zu den Ergebnissen der Feldtage-Versuche







