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Pflanzenbau

Stärken ohne Zauberformel

Biostimulanzien sollen Pflanzen robuster machen und Erträge absichern – doch ihr Nutzen ist oft schwer greifbar. Zwischen grossen Versprechen und komplexer Wirkung stellt sich die Frage: Was bringen sie unter Schweizer Bedingungen wirklich – und worauf kommt es an?

Wie Biostimulanzien Pflanzen unterstützen

Wie Biostimulanzien Pflanzen unterstützen

(UFA-Revue)

Publiziert am

Produktmanager Landor

Produktmanager Agroline

Biostimulanzien gelten als Hoffnungsträger im modernen Pflanzenbau. Sie sollen Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber Stress machen, die Nutzung von Wasser und Nährstoffen verbessern und damit zur Ertragsstabilität beitragen. Angesichts zunehmender Wetterextreme wächst das Interesse. Gleichzeitig stellt sich in der Praxis die Frage, welches Potenzial diese Produkte tatsächlich haben – und worauf sich ein Schweizer Betrieb verlassen kann.

Biostimulanzien sind weder klassische Dünger noch Pflanzenschutzmittel. Sie liefern keine nennenswerten Mengen an Hauptnährstoffen und wirken nicht direkt gegen Schadorganismen. Ihr Ansatz liegt vielmehr darin, pflanzeneigene Prozesse zu unterstützen. Dazu gehören etwa Wurzelentwicklung, Wasseraufnahme, Nährstoffeffizienz oder die Toleranz gegenüber abiotischem Stress wie Trockenheit, Hitze, Kälte oder Staunässe.

Damit nehmen Biostimulanzien eine Zwischenstellung ein. Sie ersetzen weder eine bedarfsgerechte Düngung noch einen gezielten Pflanzenschutz. Sie können aber ein ergänzender Baustein im Anbausystem sein, wenn sie zur Kultur, zum Standort und zum richtigen Zeitpunkt passen.

Grosse Vielfalt, schwierige Einordnung

Die Produktgruppe ist breit. Sie umfasst unter anderem Algen- und Pflanzenextrakte, Huminstoffe, Aminosäuren oder mikrobielle Präparate. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Wirkmechanismen. Einige Produkte fördern eher die Wurzelentwicklung, andere zielen auf die physiologische Stabilität der Pflanze oder auf eine bessere Nutzung vorhandener Ressourcen.

Diese Vielfalt eröffnet Chancen, macht die Einordnung für die Praxis aber anspruchsvoll. Ähnliche Rohstoffangaben bedeuten nicht automatisch eine vergleichbare Wirkung. Gerade bei Algenextrakten zeigt sich dies deutlich: «Algenextrakt» ist nicht gleich «Algenextrakt». Entscheidend sind die verwendete Algenart, die Herkunft des Rohstoffs, der Erntezeitpunkt, die Aufbereitung und das Extraktionsverfahren. Unterschiedliche Verfahren können aus demselben Ausgangsmaterial sehr unterschiedliche Inhaltsstoffprofile ergeben.

Für Landwirtinnen und Landwirte ist dies auf den ersten Blick kaum erkennbar. Auf Etiketten stehen oft allgemeine Begriffe, während die agronomisch relevanten Unterschiede verborgen bleiben. Deshalb reicht es nicht, ein Produkt nur aufgrund einer Rohstoffliste oder eines Wirkungsversprechens zu beurteilen.

Wirkung hängt von den Bedingungen ab

Biostimulanzien sind vor allem dann interessant, wenn Pflanzen unter Stress stehen. Dazu zählen Trockenheit, Hitze, Kältephasen, Staunässe, starke Temperaturschwankungen oder Phasen nach Pflanzenschutzmassnahmen. In solchen Situationen kann die Pflanze physiologisch gebremst werden. Biostimulanzien können helfen, solche Phasen besser zu überbrücken.

Die Wirkung ist jedoch nicht in jeder Situation gleich. Standort, Bodentyp, Witterungsverlauf, Kultur, Sorte und Anwendungszeitpunkt spielen eine zentrale Rolle. Ein Produkt kann unter trockenen Bedingungen auf leichten Böden Wirkung zeigen, während der Effekt auf schweren Böden oder bei ausgeglichener Wasserversorgung kleiner ausfällt. Auch mikrobielle Produkte reagieren sensibel auf Bodenfeuchtigkeit, Temperatur und Bodenstruktur.

Darum sind Versuchsergebnisse aus anderen Ländern nur bedingt übertragbar. Viele Prüfungen finden unter Bedingungen statt, die sich deutlich von der Schweiz unterscheiden. Resultate aus ariden Gebieten oder von sandigen Böden können wertvoll sein, beantworten aber nicht automatisch die Frage, ob ein Produkt unter Schweizer Bedingungen wirtschaftlich sinnvoll ist.

Schweizer Prüfung schafft Vertrauen

Der Markt für Biostimulanzien wächst stark. Laufend kommen neue Produkte dazu, häufig mit ähnlichen Rohstoffen und grossen Versprechen. Gleichzeitig werden viele Produkte keiner umfassenden agronomischen Prüfung unterzogen, die mit Schweizer Praxisbedingungen vergleichbar ist. Für Betriebe entsteht dadurch ein Risiko: Wird ein Produkt unter unpassenden Bedingungen eingesetzt, bleibt die erwartete Wirkung aus und das Vertrauen in die ganze Produktgruppe leidet.

Eine Prüfung in der Schweiz ist deshalb entscheidend. Sie zeigt, ob ein Produkt unter hiesigen Bedingungen eine verlässliche Wirkung erwarten lässt. Dazu gehören Versuche auf Schweizer Standorten, in praxisrelevanten Kulturen und wenn möglich über mehrere Jahre. Erst wenn ein Produkt unter solchen Bedingungen wiederholt positive Effekte zeigt, entsteht eine tragfähige Grundlage für Beratung und Anwendung.

Das ist besonders wichtig, weil Biostimulanzien keine Wundermittel sind. Sie können eine schwache Bodenstruktur, eine unausgeglichene Nährstoffversorgung oder Fehler bei Saat, Pflanzung und Pflanzenschutz nicht korrigieren. Ihr Potenzial liegt darin, gut geführte Kulturen in sensiblen Phasen zusätzlich zu unterstützen.

Lösung zur Orientierung bei Biostimulanzien

Completiva ist eine neue gemeinsame Marke von Landor und Agroline für komplementäre Produkte im Pflanzenbau.

Unter Completiva werden Produkte geführt, die das Pflanzenwachstum oder die Pflanzengesundheit unterstützen können, aber weder primär Dünger noch Pflanzenschutzmittel sind. Voraussetzung ist, dass sie sorg fältig ausgewählt und unter Schweizer Bedingungen geprüft wurden.

Die Orientierung für die Anwendung soll im Vordergrund stehen, damit Landwirtinnen und Landwirte einfacher erkennen können, welche Produkte fachlich eingeordnet, geprüft und für Schweizer Bedingungen empfohlen werden. Ziel ist es, den Einsatz von Biostimulanzien auf eine nachvollziehbare Grundlage zu stellen.

Zum aktuellen Sortiment gehören Hasorgan Profi und Yukan. Hasorgan Profi basiert auf Braunalgenextrakt aus Ascophyllum nodosum und wird vor allem eingesetzt, um Kulturen in Stressphasen zu unterstützen. Yukan enthält einen Extrakt aus Yucca schidigera, einer Pflanze, die an starke Temperaturschwankungen und trockene Bedingungen angepasst ist. Entscheidend bleibt bei beiden Produkten der gezielte Einsatz zum passenden Zeitpunkt.

Biostimulanzien ersetzen keine pflanzenbaulichen Grundlagen. Bodenfruchtbarkeit, Fruchtfolge, Sortenwahl, Düngung, Pflanzenschutz und Wasserversorgung bleiben entscheidend. Richtig eingesetzt, können sie helfen, Kulturen in anspruchsvollen Phasen zu stabilisieren und vorhandenes Ertragspotenzial besser abzusichern. Voraussetzung dafür sind geprüfte Produkte, realistische Erwartungen und eine Anwendung, die zur Kultur und zum Standort passt.

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