Pflanzenbau

Es muss mehr rascheln in den Hülsen

Noch ein knappes Jahr bis Futterimporte für Wiederkäuer auf Bio Suisse Betrieben Geschichte sind. Die Eiweissoffensive ist in vollem Gange, aber es braucht noch viel mehr Leguminosen, vor allem Futtersoja. Im Biolandbau ist zudem auch die Ackerbohne auf dem Vormarsch. Sie ist robust und hat einen guten Vorfruchtwert.

Soja ist eine Hackkultur. Die Unkrautkontrolle in der frühen Kulturphase ist besonders wichtig. 

(Nathaniel Schmid, FiBL Antenne Romande)

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Leiter Ressort Bio-Rohprodukte, fenaco GOF

Ab 2022 treten die neuen Fütterungsrichtlinien von Bio Suisse für Wiederkäuer in Kraft. Nicht nur Raufutter, sondern auch zugekauftes Kraftfutter muss dann zu hundert Prozent aus inländischer Produktion stammen. Für die Übergangsphase zeichnet sich eine deutliche Versorgungslücke bei den Futterproteinträgern ab. Entsprechend wichtig ist es, dass insbesondere die Milchviehbetriebe ihre eigene Futterproduktion darauf ausrichten, um gehaltvolles Grundfutter zur Verfügung zu haben. Der ergänzende Einsatz von konzentriertem Kraftfutter wird nur möglich sein, wenn auch die Komponenten dazu auf einheimischen Äckern angebaut werden. Futtergetreide ist ausreichend vorhanden, aber an Körnerleguminosen mangelt es massiv. Nebst Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen fehlt besonders Futtersoja.

Futtersoja

Rechnet sich der Sojaanbau?

Die Produzenten von Knospe- und Umstellknospe Futtersoja erhalten aktuell (Ernte 2020) einen Auszahlungspreis von rund 140 Franken je 100 Kilogramm. Unter Einbezug des Einzelkulturbeitrags von 1000 Franken je Hektar, erreicht die Kultur einen vergleichsweise hohen Deckungsbeitrag. Auch der Vorfruchtwert der Sojabohnen ist beim Fruchtfolgeentscheid zu berücksichtigen, obwohl dieser tiefer eingeschätzt wird als bei anderen Körnerleguminosen. Wo Körnermais angebaut wird, ist auch Soja am richtigen Platz. Die Mehrzahl der grösseren Getreidesammelstellen ist für die Annahme von Sojabohnen eingerichtet.

So gelingt der Soja-Anbau

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) hat ein umfangreiches Dossier zum Anbau von Körnerleguminosen zusammengestellt, das insbesondere viele nützliche Ratschläge zum Sojaanbau beinhaltet: www.bioaktuell.ch ➞ Pflanzenbau ➞ Ackerbau ➞ Körnerleguminosen.

UFA-Samen bietet auf ihrer Website einen kompakten, dreiseitigen Flyer zum Bio-Sojaanbau: www.ufasamen.ch ➞ Landwirtschaft  Erfolgreiche Produktion von Eiweissträgern ➞ Flyer Bio-Soja

Sorten für den Futteranbau

Es stehen ertragsstarke Sorten aus Schweizer und aus österreichischer Züchtung zur Verfügung, die für die Futtersojaproduktion optimiert sind und unterdessen auch als Bio-Saatgut angeboten werden. Wichtig: Sojasaatgut muss vor der Aussaat immer mit Rhizobien beimpft werden. Die Präparate bieten die Saatguthändler (UFA-Samen) mit dem Saatgut an. Empfehlenswerte Sorten sind zum Beispiel:

• «Obélix», eine frühe Sorte (000), die sich durch eine rasche Bodenbedeckung und das höchste Ertragspotenzial der 000-Sorten auszeichnet. Am Versuchsstandort Stiegenhof des Strickhofs, immerhin 630 m ü. M. und damit kein prädestinierter Sojaanbaustandort, hat Obélix im Anbaujahr 2020 am meisten überzeugt.

• «Galice», eine mittelfrühe Sorte (00 / 000) mit guter Standfestigkeit.

• «Aurelina», eine mittelfrühe (00 / 000) mit vergleichsweise höherem Proteingehalt.

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Je zwei Ackerbohnenpflanzen aus dem Streifenversuch der Sommersorten «Fuego», «Bioro», «Fanfare» und «Tiffany» (von links nach rechts; Ende Juni 2019) am Versuchsbetrieb Stiegenhof in Oberembrach. Bemerkenswert ist bei der Sorte Tiffany einerseits der frühe und starke Hülsenansatz und andererseits der vitale Wuchs.

(Andreas Rohner/fenaco)

Ackerbohne

Steigende Bedeutung der Ackerbohne

Vor allem die so genannten Glucoside Vicin und Convicinbegrenzen die Einsatzmöglichkeiten der Ackerbohnen in der Schweine- und Geflügelfütterung. Neuere Sorten, wie die unterdessen etablierte Sorte «Tiffany», haben stark reduzierte Glucosidgehalte, weshalb sie in Futterrezepturen zum Beispiel bei Mastgeflügel in höherem Anteil eingesetzt werden können. Vor allem auch wegen ihrem tiefen Fettgehalt werden Ackerbohnen mit bis zu 30 Prozent Anteil in Schweinemastfuttern eingesetzt. Die Sorte spielt hier keine wesentliche Rolle. Die Bedeutung der Ackerbohne als Eiweissquelle für Rindviehfutter dürfte in den kommenden Jahren an Bedeutung stark zunehmen. Der Proteingehalt ist mit über 25 Prozent vergleichsweise hoch, weshalb in Ermangelung der Sojabohnen vermehrt auf die Ackerbohnen zurückgegriffen wird. Für Wiederkäuer stellen die Glucoside kein Problem für die Verdaulichkeit dar. Möglicherweise können aber die Gerbstoffe (Tannine) die Schmackhaftigkeit beeinträchtigen.

Zum Anbau

Sommerackerbohnen werden im Februar / März gesät. Das Saatgut muss nicht geimpft werden. Wichtig sind ein tiefgründiger Boden und ein nicht zu feines Saatbett. Eine Anbaupause von mindestens drei Jahren ist einzuhalten, um Fruchtfolgeprobleme zu vermeiden. Der Erntezeitpunkt ist in der Regel im August.

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