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Pflanzenbau

Empfohlene Sortenliste und Forschung

Winterraps ist gefragter denn je. Die Erträge der letzten Ernte erfüllten jedoch nicht die Erwartungen. Als Orientierung zur Auswahl der besten Sorten dient die «Liste der empfohlenen Winterrapssorten». Zudem steht die Forschung nicht still, um immer ertragsstabilere Sorten anzubieten und Empfehlungen für einen nachhaltigen Anbau zu geben.

Winterraps

Die Nachfrage nach Winterraps steigt weiter. 

(Carole Parodi, Agroscope)

Publiziert am

Forschungsgruppe für Sorten- und Anbautechnik, Agroscope

Forschungsgruppe für Sorten- und Anbautechnik, Agroscope

Der Raps ist auf Erfolgskurs, was zu einer steigenden Nachfrage bei den Ölmühlen führt. Im Jahr 2019 betrug die vertraglich vereinbarte Abnahmemenge noch 91 000 Tonnen. In den zwei Folgejahren stieg sie auf 106 000 Tonnen an. Dieser Trend ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass Schweizer Rapsöl immer häufiger als Alternative zu importiertem Sonnen-blumen- und Palmöl verwendet wird. Trotz grösserer Rapsanbaufläche ist die Produktionsmenge 2020 mit 88 000 Tonnen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die landesweit geringer ausgefallenen Erträge sind zu einem grossen Teil einem erhöhten Schädlingsdruck sowie den Folgen der Frostperioden im Frühjahr geschuldet. Dies zeigt, wie wichtig Pflanzenzüchtung und Sortenstudien sind, um beim Anbau zu Sorten greifen zu können, die sich für unsere klimatischen Bedingungen eignen, und die gesund sind. Gleichzeitig muss man dabei auch den Anforderungen des Marktes und den sich ändernden Vorschriften im Pflanzenschutz gerecht werden.

Liste der empfohlenen Rapssorten

Die Sortenliste wird alljährlich in einer technischen Kommission erstellt, die sich aus Vertretern von Forschung, Produktion, Marketing, Beratung und aus dem Branchenverband zusammensetzt. Das Ganze basiert auf offiziellen Sortenversuchen, die auf Mikroparzellen oder Anbaustreifen durchgeführt wurden. Damit eine Sorte in die Liste der empfohlenen Sorten (ESL) aufgenommen wird, muss sie drei Jahre geprüft, der technischen Kommission als Kandidatensorte vorgeschlagen und von den Mitgliedern dieser Kommission gewählt werden. Die Aufnahme ist notwendig, damit die Sorte unter dem von den grossen Ölmühlen geforderten Label Suisse Garantie vermarktet wird.

Akteure der Sortenversuche

Akteure der Sortenversuche

Agroscope ist vom Branchenverband Swiss Granum beauftragt worden, ausländische Züchter zu kontaktieren, die ihre Sorten in der Schweiz vermarkten möchten. Agroscope führt dann die Sortenversuche auf Mikroparzellen durch, erfasst die Ergebnisse und wertet diese aus. Auf Grundlage der Ergebnisse schlägt Agroscope Kandidatensorten für die empfehlende Sortenliste vor und erstellt diese Liste. Die Akteure der Branche (Forum Ackerbau, fenaco, FRI Jura – Interjurassische Stiftung für Landwirtschaft und den ländlichen Raum) führen Streifenversuche durch und verteilen die empfehlende Sortenliste. Swiss Granum ist an der Veröffentlichung der Liste beteiligt, betreut die technischen Kommissionen und organisiert die Telefonkonferenzen.

Herausforderungen für die Forschung

Aufgrund des Schädlingsbefalls schwanken die Erträge beim Raps. HOLL-Sorten sollten jedoch ohne Qualitätseinbussen (Linolsäuregehalt unter drei Prozent) genügend Ertrag bringen. Zudem muss das Rübenvergilbungsvirus (TuYV, Turnip Yellow virus) ebenfalls weiter überwacht werden. So gilt es, Alternativlösungen ins Auge zu fassen, um für Änderungen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und gegen neue Erkrankungen gewappnet zu sein. Angesichts wachsender Probleme durch Schädlingsbefall und auf Wunsch der technischen Kommission hat Agroscope 2020 ein Prüfverfahren eingeführt, um den Frühwuchs der Sorten zu beurteilen. Durch das Projekt «Colors» (biologisch angebauter Raps und Selektion von schädlingstoleranten Sorten in der Schweiz), das 2021 initiiert wurde, kann diese Arbeit zusammen mit dem Entomologie-Team von Agroscope vertieft werden. Agroscope hat im Rahmen des Projekts «Icaro», das von ihnen zusammen mit UFA-Samen und den Ölproduzenten Florin und Nutriswiss unterstützt wird, auch neue Versuche zur Rapsuntersaat angestossen. Seit 2018 werden am Standort Changins Versuche zum Vergleich verschiedener Saatmischungen als Beisaat in Raps durchgeführt. Zudem wurde ein Netz, bestehend aus 28 Parzellen von Land wirten aus den Kantonen Waadt und Graubünden, untersucht. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Stickstofffixierung und -versorgung mit den gegenwärtig eingesetzten Saatmischungen recht gering ist. Überdies scheinen die niedrigen Erträge mancher Landwirte, die Raps mit Untersaat anbauen, mehrheitlich auf die extensive Bekämpfung von Frühjahrsschädlingen zurückzuführen zu sein. Gegen diese Schädlinge zeigen die aktuellen Saatmischungen offenbar keine Wirkung. Mit den Versuchen können nun Empfehlungen ausgearbeitet werden, um künftig Saatmischungen zusammenzustellen, die die Stickstoffversorgung von Raps verbessern, ohne dabei die Fähigkeit zur Unkrautunterdrückung zu beeinträchtigen. Für eine erfolgreiche Bekämpfung von Frühjahrsschädlingen mit Beisaaten oder durch andere Massnahmen sind weitere Untersuchungen erforderlich. In diesem Zusammenhang und parallel zum «Icaro»-Projekt untersuchte die Entomologie-Gruppe von Agroscope den möglichen Einfluss von Untersaaten bei Raps auf den Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephala), der in den letzten Jahren insbesondere durch das Verbot von Saatgutbeizungen zu einem grossen Problem geworden ist. Versuchsergebnisse aus den Jahren 2014 bis 2018 haben gezeigt, dass mit Untersaaten, unabhängig von der verwendeten Mischung, ein Befall durch adulte Rapserdflöhe auf Keim- und Primärblätter signifikant reduziert werden konnte. Dies ist vor allem auf den Effekt der visuellen Verwirrung zurückzuführen. Leider hat sich dies im Frühjahr nicht auf die Anzahl der Larven ausgewirkt. Deshalb wird weiter an neuen Untersaaten geforscht, um die Belastung durch den Käfer insgesamt zu reduzieren.

Im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes werden momentan mehrere Massnahmen getestet, um das gesamte Schädlingsproblem rund um den Rapsschädling (von der Aussaat bis zur Ernte) in den Griff zu bekommen. Im Fokus stehen dabei unter anderem Untersaaten, Push-Pull-Methoden und Sortentoleranz. 

Am Artikel Mitwirkende

Stève Breitenmoser, Ivan Hiltpold, Forschungsgruppe Entomologie und Weinbau, Alice Baux, Forschungsgruppe für Sorten und Anbautechnik, Agroscope Changins, 1260 Nyon.

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