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Betriebsführung

Gregor packt auf zwei Betrieben an

Viele Betriebe brauchen zusätzliche Arbeitskraft, können aber keine Vollzeitstelle auslasten. Zwei Landwirtschaftsbetriebe im Kanton Luzern zeigen, wie es gemeinsam geht. Sie teilen sich einen Mitarbeiter nach einem klaren Raster, das bei Bedarf flexibel angepasst werden kann.

Einstreuen und Misten gehören zu Gregor Stoklosas regelmässigen Arbeiten. Bei der Schweinemast nach IP-Suisse-Standard dienen die eingestreuten Liegeflä...

Einstreuen und Misten gehören zu Gregor Stoklosas regelmässigen Arbeiten. Bei der Schweinemast nach IP-Suisse-Standard dienen die eingestreuten Liegeflächen dem Tierwohl, erhöhen aber auch den Arbeitsaufwand deutlich.

(Bild: Stefan Gantenbein)

Publiziert am

Redaktor, UFA-Revue

Quer gelesen

  • Betriebe können sich eine Arbeitskraft teilen, wenn keiner allein eine Vollzeitstelle auszulasten vermag.
  • Ein Grundraster regelt den Einsatz, bei Arbeitsspitzen wird flexibel angepasst.
  • Für den überbetrieblichen Einsatz gibt es verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Anforderungen.

Als Stefan Fleischli im Jahr 2012 den Familienbetrieb in Ballwil (LU) übernahm, arbeiteten seine Eltern noch tatkräftig mit. So konnte der junge Betriebsleiter neben der Arbeit auf dem Hof gelegentlich auch noch auswärts arbeiten. Seit einigen Jahren geht das nicht mehr. «Mein Vater ist zwar noch immer aktiv, altersbedingt verrichtet er aber keine schweren Arbeiten mehr», sagt Stefan Fleischli.

«Ich brauchte jemanden – aber nicht immer.»

Stefan Fleischli, Betriebsleiter

Auch ohne Nebenjob wurde es für ihn immer schwieriger, seine 33 Milchkühe, die rund 280 Mastschweine und rund 14 ha Ackerbau allein zu bewältigen. «Ich brauchte jemanden – aber nicht immer», erinnert er sich.

Grösser und effizienter

Diese Situation dürfte vielen wachsenden Schweizer Betrieben bekannt sein. Mit dem Strukturwandel werden familienfremde Arbeitskräfte immer wichtiger. Wie Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen, nahm ihre Zahl zwischen 2020 und 2024 um 9,1 % auf knapp 39 000 Personen zu. Gleichzeitig ging die Zahl der familieneigenen Arbeitskräfte um 4,3% auf knapp 109 000 zurück. Mittlerweile ist gut jede vierte Arbeitskraft in der Schweizer Landwirtschaft familienfremd. Gleichzeitig ermöglichen Mechanisierung und Automatisierung, mit weniger Arbeitszeit grössere Produktionseinheiten zu bewirtschaften. Wie stark die Mechanisierung den Arbeitsbedarf beeinflusst, zeigt eine Modellrechnung von Agroscope für Winterweizen. Je nach Mechanisierungsstufe sinkt der Arbeitszeitbedarf von 23,4 auf 19,5 Arbeitskraftstunden pro Hektare und Jahr – eine Reduktion um rund 17%.

Wie bei Stefan Fleischli kann also zusätzliche Arbeitskraft nötig sein, ohne dass ein einzelner Betrieb langfristig eine Vollzeitstelle auslasten kann. Doch eine familienfremde Arbeitskraft zu finden, die jeden Tag zuverlässig ein paar Stunden im Stall und auf dem Feld anpackt, ist schwierig. Wer einen Job in der Landwirtschaft sucht, will selten eine Teilzeitstelle, die trotzdem tägliche Präsenz verlangt. Erst recht gilt das für Arbeitskräfte, die eigens für die Arbeit in die Schweiz kommen.

 

Betriebsspiegel

Betrieb Stefan Fleischli

 

 

 

38 ha LN | 33 Milchkühe, 288 Mastplätze | 14 ha Ackerbau (Erbsen, Mais, Weizen, Gerste, Dinkel und Raps)

 

 

Betrieb Armin Scherrer

 

 

 

35 ha LN | 20 Abferkelplätze, 750 Mastplätze | 30 ha Ackerbau (Erbsen, Gerste, Weizen, Raps und Mais) | AFP-Ring

Ein Mitarbeiter, zwei Betriebe

Gregor (polnisch: Grzegorz) Stoklosa suchte nach einer längerfristigen Beschäftigung. Er ist 23 Jahre alt, gelernter Logistiker und stammt aus dem Südosten Polens. Den Weg in die Schweiz fand er über einen saisonalen Einsatz in einem benachbarten Gemüsebaubetrieb. Da er mehr als jeweils eine Saison pro Jahr in der Schweiz arbeiten wollte, kam er mit Stefan Fleischli und dessen Berufskollegen Armin Scherrer in Kontakt.

«Irgendwann war dann aber auch die letzte Fassade frisch gestrichen»

Armin Scherrer, Betriebsleiter

Auch Armin Scherrer kannte das Problem, eine zusätzliche Arbeitskraft nicht vollständig auslasten zu können. Zusammen mit seiner Frau Doris führt er einen Abferkel- und Mastbetrieb mit 750 Mastplätzen und beschäftigte einst zusätzlich einen Mitarbeiter Vollzeit. Für dieses Pensum fiel aber nicht genügend Arbeit an. «Wir fingen dann an, Arbeiten zu erledigen, die schon lange anstanden. Irgendwann war dann aber auch die letzte Fassade frisch gestrichen», erinnert sich Armin Scherrer. Zunächst versuchte er, den Mitarbeiter anderen Betrieben auszuleihen. Das funktionierte jedoch nicht. Schliesslich löste er das Arbeitsverhältnis auf.

Für beide Betriebe bot sich damit eine gemeinsame Lösung an. Stefan Fleischli konnte Gregor Stoklosa Arbeit für rund 60% bieten, Armin Scherrer für die übrigen 40%. Seit 2023 ist der junge Pole bei Stefan Fleischli im Stundenlohn angestellt und wird für die Arbeit auf dem Betrieb von Armin Scherrer an diesen ausgeliehen. Gregor Stoklosa beginnt seinen Arbeitstag um 05.30 Uhr auf dem Betrieb von Stefan Fleischli. Zuerst erledigt er die Stallarbeiten bei den Milchkühen und Mastschweinen. Nach dem Frühstück wechselt er zu Armin Scherrer, wo er in der Regel bis Mittag arbeitet. Am Nachmittag ist er meistens wieder auf dem Betrieb von Stefan Fleischli. Je nach Arbeitsanfall kann er aber auch länger bei Armin Scherrer bleiben. Dieses Grundgerüst gibt beiden Betrieben Planungssicherheit und lässt gleichzeitig Spielraum für Arbeitsspitzen.

Schlanke Administration

Auch administrativ bleibt die Aufgabenteilung klar. Der polnische Mitarbeiter hat nur einen Arbeitsvertrag: Stefan Fleischli zahlt den Lohn, rechnet die Sozialversicherungsbeiträge ab und stellt ihm die Unterkunft zur Verfügung. Die bei Armin Scherrer geleisteten Stunden hält Gregor Stoklosa separat fest. Armin Scherrer bezahlt Stefan Fleischli dafür monatlich eine Rechnung. Für den Mitarbeiter ändert der Wechsel zwischen den Betrieben damit nichts am Arbeitsverhältnis. Für die beiden Betriebsleiter bedeutet die Lösung, dass nur einer von ihnen die Arbeitgeberpflichten übernimmt.

«Im benachbarten Gemüsebaubetrieb kenne ich andere polnische Arbeitskräfte.»

Gregor Stoklosa, Mitarbeiter

Auch für Gregor Stoklosa passt das Modell. Statt einzelner saisonaler Einsätze ist er nun das ganze Jahr voll beschäftigt. Zudem kann er längere Ferien am Stück beziehen. So lohnt sich auch die weite Heimreise nach Polen. «Ich verbringe fünf bis sechs Wochen im Winter und nochmals zwei bis drei Wochen im Sommer zu Hause», so der Pole. Dass er sich in Ballwil wohlfühlt, hat aber nicht nur mit der Arbeit zu tun. «Im benachbarten Gemüsebaubetrieb kenne ich andere polnische Arbeitskräfte. Mit ihnen verbringe ich gerne meine Abende und Wochenenden.» Stefan Fleischli und Armin Scherrer sind überzeugt, dass solche sozialen Kontakte dazu beitragen, dass ausländische Mitarbeitende längerfristig bleiben.

Wenn zwei Betriebe zusammenpassen

Das Modell von Stefan Fleischli und Armin Scherrer ist eine von mehreren Möglichkeiten, eine Arbeitskraft überbetrieblich einzusetzen. Möglich sind auch zwei separate Teilzeitanstellungen oder eine gemeinsame Anstellung über eine Arbeitgebergemeinschaft. Welche rechtlichen und versicherungstechnischen Punkte beim überbetrieblichen Einsatz zu beachten sind, hängt vom gewählten Modell ab (siehe Tabelle).

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Soll eine Arbeitskraft regelmässig auf mehreren Landwirtschaftsbetrieben arbeiten, lässt sich das unterschiedlich organisieren. Entscheidend ist, wer als Arbeitgeber auftritt und damit für Lohn, Sozialversicherungen und weitere Arbeitgeberpflichten verantwortlich ist.

In Ballwil haben sich Stefan Fleischli und Armin Scherrer für den Personalverleih entschieden. Damit das funktioniert, müssen die betrieblichen Voraussetzungen stimmen. Die Höfe liegen nahe beieinander, der Arbeitsbedarf ergänzt sich und beide Betriebsleiter können flexibel reagieren, wenn auf einem Betrieb mehr Arbeit anfällt. 

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