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Betriebsführung

Was ein Melkroboter wirklich kostet

Wer einen Melkroboter kauft, investiert rund 200'000 Franken. Wie hoch die laufenden Kosten ausfallen, hängt stark vom jeweiligen Landwirtschaftsbetrieb ab. Entscheidend ist, wie viel Milch der Roboter melkt, wie er technisch ausgestattet ist und wie die Maschine gewartet wird.

Der Melkroboter spült seine Reinigungsbürsten. Solche laufenden Kosten für Wasser, Reinigungsmittel, Verschleissteile und Unterhalt fallen jedes Jahr an...

Der Melkroboter spült seine Reinigungsbürsten. Solche laufenden Kosten für Wasser, Reinigungsmittel, Verschleissteile und Unterhalt fallen jedes Jahr an und werden in der Betriebsbuchhaltung nicht immer gleich erfasst.

(Bild: Nicole Matt)

Publiziert am

Redaktor, UFA-Revue

 

Quer gelesen

  • Wie viel Milch der Roboter melkt, beeinflusst sowohl die Kosten pro Kilogramm als auch, wie lange er genutzt werden kann.
  • Unterhalt, Reparaturen und Verbrauchsmaterial machen fast die Hälfte der Jahreskosten aus.
  • Wer Kalkulationen vergleicht, muss wissen, welche Ausstattung und welcher Restwert darin stecken.

Im Durchschnitt kostet ein Melkroboter fast 30'000 Franken pro Jahr. Das zeigt die Semesterarbeit von David Gassmann an der HAFL. Der Agronomiestudent hat die Buchhaltungen von 14 Milchviehbetrieben ausgewertet, die mit Robotern von DeLaval und Lely melken. Pro kg Milch macht das im Schnitt 7,6 Rappen aus. Damit lagen die Betriebe über dem Agroscope-Kostenkatalog mit 27'193 Franken pro Jahr und teils auch über den Vorkalkulationen der Hersteller.

Die Milchmenge entscheidet

Hinter dem Durchschnitt stecken grosse Unterschiede. «Bei einzelnen Betrieben lagen die Jahreskosten bei gut 20'000 Franken, bei anderen bei gegen 40'000 Franken», sagt David Gassmann. Für allgemeine Richtwerte seien 14 Betriebe zu wenig, die Arbeit zeige aber die Kostentreiber.

«Die Fixkosten fallen an, unabhängig davon, wie viel Milch der Roboter melkt.»

Christian Gazzarin, Agroscope

Christian Gazzarin von Agroscope, Mitautor des Kostenkatalogs, kennt die Arbeit. «Die grosse Streuung ist bei solchen Erhebungen immer ein Problem», sagt der Agrarökonom. Als wichtigsten Grund nennt er die Auslastung: «Fixkosten wie Abschreibung, Zins und Versicherung fallen an, egal, wie viel Milch der Roboter melkt.»

Gassmanns Zahlen zeigen diesen Effekt: Melkt ein Roboter 300'000 kg Milch im Jahr, kostet das kg rund 10 Rappen. Melkt er hingegen 500'000 kg, sind es noch rund 6,5 Rappen (siehe Grafik). Urs Schmid, Produktleiter bei DeLaval Schweiz, beobachtet dasselbe: «Ein stark ausgelasteter Roboter braucht zwar mehr Unterhalt, die Kosten pro kg Milch sinken aber.»

Mehr Technik, mehr Unterhalt

Am stärksten lagen die 14 untersuchten Betriebe bei Unterhalt, Reparaturen und Verbrauchsmaterial über den angesetzten Werten. Dafür gaben sie im Schnitt 13'480 Franken pro Jahr aus, fast die Hälfte der Jahreskosten. Wie hoch dieser Posten ausfällt, hängt auch von der Technik ab. David Gassmann rechnete Zusatzausstattung mit ein, wenn sie direkt zum Melksystem gehörte, etwa Zellzahl- oder Progesteronmessgeräte. Marcel Schwager, Mitglied der Geschäftsleitung beim Lely Center Schweiz, führt einen Teil der Differenz zwischen Vorkalkulation und Praxis auf die Ausstattung zurück. Beim Tiermonitoring müssten etwa die Responder für die Brunstund Gesundheitsüberwachung nach einigen Jahren ersetzt werden. Diese Kosten würden oft dem Melkroboter zugerechnet, obwohl das Monitoring nicht direkt zum Melkvorgang gehört. Marcel Schwager beziffert sie auf rund 25 Franken pro Kuh und Jahr.

Eine teurere Ausstattung ist deshalb nicht automatisch unwirtschaftlich. «Die Optionen kosten zwar etwas, können aber helfen, andere Ausgaben zu senken», sagt Urs Schmid. Die Zellzahlmessung könne etwa helfen, Probleme früh zu erkennen und Behandlungen oder Tierabgänge zu vermeiden. David Gassmann sieht es gleich: «Was das Melksystem verteuert, kann sich im ganzen Betriebszweig Milch auszahlen.» Und Marcel Schwager sagt dazu: «Jede Option wird nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis vom Kunden beurteilt. Übersteigt der Nutzen die Kosten, wird die Option gewählt – sonst nicht.» Wer Zahlen vergleicht, muss wissen, was darin steckt. In manchen Buchhaltungen landeten auch Milchtank, Erweiterungen oder Monitoring auf dem Roboterkonto, so Marcel Schwagers Erfahrung. Schmid nennt zudem Rei-nigungs- und Dippmittel, die auch bei einem Melkstand anfallen.

Pflege hält die Kosten tief

Die Wartung spielt bei den variablen Kosten auch eine Rolle. Ein Melkroboter läuft 7000 bis 8000 Stunden im Jahr, mehr als jede andere Maschine. «Eine regelmässige, präventive Wartung ist die sicherste und kostengünstigste Variante», sagt Marcel Schwager. Er empfiehlt ein Servicemodell mit Garantieerweiterung, Telefonsupport rund um die Uhr und wichtigen Software-Updates. «Damit ist klar definiert, welche Arbeiten der spezialisierte Techniker ausführt und welche die Bauernfamilien selber erledigen», sagt Marcel Schwager. Für sein Servicemodell bietet Lely optional ein Kostendach über 18 Betriebsjahre an. Auch Eigenleistung kann helfen, die Jahreskosten tief zu halten. «Wenn jemand die Maschine gut kennt und selbst viel macht und unterhält, können die Kosten sinken», sagt Urs Schmid. Er empfiehlt, mit dem zuständigen Techniker zu klären, welche Arbeiten der Betrieb selbst übernehmen kann.

Restwert verändert die Rechnung

Mit zunehmendem Alter stiegen in David Gassmanns Erhebung auch die jährlichen Gesamtkosten. Pro zusätzliches Betriebsjahr lagen sie im Schnitt rund 900 Franken höher. Ein Grund sind steigende Ausgaben für Unterhalt, Reparaturen und Ersatzteile, die tieferen Abschreibungs- und Zinskosten teilweise wieder aufzehren.

Beim Offertenvergleich auf Nutzungsdauer und Restwert achten.

Für die Kalkulation zählen auch Abschreibungsdauer und Restwert. David Gassmann rechnet wie der Agroscope-Kostenkatalog mit 15 Jahren und ohne Restwert, da sich die Technik rasch verändert. Marcel Schwager setzt nach 15 Jahren einen Restwert von rund 20 % ein. Er verweist auf Roboter seiner Marke, die beim Eintausch nach 20 Jahren noch 5 bis 10 % des ursprünglichen Kaufpreises erzielten. Bei einem Kaufpreis von 210 000 Franken senkt ein Restwert von 20 % die Abschreibung um rund 2800 Franken pro Jahr. Auch Urs Schmid nennt die Nutzungsdauer als wichtigen Hebel. Wer Offerten vergleicht, sollte deshalb darauf achten, mit welcher Nutzungsdauer und welchem Restwert gerechnet wird.

Strom und Wasser hat Gassmann nicht erfasst. Sie müssen separat betrachtet werden. Auch den Nutzen des Roboters hat seine Arbeit nicht untersucht, etwa die eingesparte Melkarbeit, eine einfachere Arbeitsorganisation und grössere zeitliche Flexibilität. Ob sich ein Roboter lohnt, zeigt sich deshalb erst, wenn ein Betrieb Kosten und Nutzen individuell gegeneinander abwägt.

Vor dem Kauf prüfen

  • Ausstattung geklärt - Welche Optionen und Zusatzgeräte sind im Preis enthalten?
  • Servicevertrag verstanden - Welche Arbeiten und Leistungen sind abgedeckt, welche kosten extra?
  • Verbrauchsmaterial eingerechnet - Sind Reinigungsmittel, Verschleissteile und Ersatzteile berücksichtigt?
  • Eigenleistungen realistisch eingeschätzt - Welche Wartungsarbeiten kann der Betrieb selbst übernehmen?
  • Nutzungsdauer festgelegt - Mit wie vielen Jahren wird gerechnet?
  • Restwert geklärt - Wird am Ende der Nutzungsdauer noch ein Wert angesetzt?
  • Auslastung realistisch geplant  - Wie viel Milch soll der Roboter pro Jahr melken?
  • Kostenabgrenzung geprüft  - Was zählt zum Melkroboter – und was wird separat verbucht?
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