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Betriebsführung

Wann kippt die Strategie?

Strategische Entscheide sind zukunftsbezogen, doch Preise, Mengen und Kosten sind keine festen Grössen. Eine Szenarioanalyse zeigt, wie sich Veränderungen auf das Betriebsergebnis auswirken. Damit lassen sich Unsicherheiten greifbar machen und in die Planung einbeziehen.

Schon kleine Veränderungen bei Milchpreis, Menge, Futterkosten oder Deckungsbeitrag Schweine können eine Betriebs strategie ins Wanken bringen.

Schon kleine Veränderungen bei Milchpreis, Menge, Futterkosten oder Deckungsbeitrag Schweine können eine Betriebs strategie ins Wanken bringen.

(Illustration: UFA-Revue)

Publiziert am

Dozent für Agrarwirtschaft, BFH-HAFL

Betriebsleitende entscheiden regelmässig, wie sie in Gebäude, Einrichtungen und Maschinen investieren. Viele dieser Investitionen lösen langfristige und hohe Kosten aus, die teils unumkehrbar sind. Für den wirtschaftlichen Erfolg ist es deshalb entscheidend, dass Investitionen von hoher Tragweite in eine konsistente Gesamtstrategie eingebettet sind. Aber auch wenn Annahmen nach bestem Wissen und Gewissen getroffen werden, kann sich die Realität anders entwickeln. Szenarioanalysen zeigen auf, wie sich das betriebswirtschaftliche Ergebnis unter anderen Bedingungen entwickeln würde. So lassen sich Risiken besser abschätzen.

Die Basis für den Vergleich schaffen

Für eine Szenarioanalyse braucht es zuerst eine Basisvariante. Sie muss sich auf möglichst realistische und betriebsbezogene Daten stützen. Anschliessend müssen die Grössen identifiziert werden, die das Ergebnis am stärksten beeinflussen und gleichzeitig stark schwanken können – also unsicher sind. Preise erfüllen diese Kriterien besonders gut. Auch Produktionsmengen oder der Einsatz von Betriebsmitteln bieten sich an.

Das hier beschriebene Beispiel baut auf einem bereits publizierten Investitionsbeispiel auf. Ein fiktiver Betrieb überlegt sich, die Schweinemast aufzugeben und dafür die Milchproduktion auszubauen. Ein erster grober Betriebsvoranschlag hat ergeben, dass sich der Betrieb dadurch positiv entwickeln kann. 

Modellbetrieb

Familienbetrieb in der Talzone mit 28 ha LN und Milchvieh- sowie Schweinehaltung. Geplant sind ein Laufstall für 65 GVE inkl. Aufzucht und die Aufgabe der Schweinemast. Die Modellwerte basieren auf Buchhaltungsauswertungen, dem Deckungsbeitragskatalog und Erfahrungswerten und dienen der Veranschaulichung der Berechnung.

Die Betriebsleiterin hat aber grossen Respekt vor schwankenden Milchpreisen. Sie möchte wissen, ob die Variante nach der Investition bei jedem Milchpreis besser abschneidet, und falls nicht, bei welchem Milchpreis die Strategie kippt und der Status quo zu einem besseren Ergebnis führt.

Preisschwankungen durchspielen

Ist ein sauber gerechneter Betriebsvoranschlag vorhanden, können die Berechnungen einfach mithilfe einer Tabellenkalkulation durchgeführt werden. Als Erstes bietet es sich an, Szenarien für Preisschwankungen in einem realistischen Rahmen zu berechnen. Im negativen Szenario liegt der Milchpreis 10 Rp / kg tiefer, im positiven 10 Rp / kg höher als in der Basisvariante (siehe Grafik 1).

Die Ergebnisse zeigen, dass die Variante mit der Investition im negativen Szenario (–10 Rp / kg) einen Verlust schreibt. Bei einem stärkeren Preisrückgang schneidet der Status quo besser ab. Wie wahrscheinlich die jeweiligen Schwankungen und damit die Ergebnisse sind, lässt sich mit der Szenarioanalyse hingegen nicht ableiten. Historische Werte können als Referenz dienen, liefern aber nur begrenzte Hinweise auf die Zukunft.

Mehrere Faktoren gemeinsam betrachten

Was-wäre-wenn-Fragen, die sich mit einer Szenarioanalyse beantworten lassen, sind praktisch endlos. Weitere Faktoren, die in diesem Beispiel miteinbezogen werden könnten, sind Milchmenge, Grund- und Ergänzungsfutterkosten, aber auch Preis- und Kostenkomponenten der Schweineproduktion. Die Einflüsse der verschiedenen Annahmen werden dabei idealerweise gemeinsam betrachtet, wobei die Übersichtlichkeit ab dem 3. Faktor stark abnimmt. Deshalb ist es hilfreich, die wichtigsten Treiber des Ergebnisses zu identifizieren und die Analyse entsprechend zu priorisieren. Die Ergebnisse werden in einer Matrix dargestellt (siehe Tabelle 2).

Risikopräferenz und Risikofähigkeit entscheiden

Szenarioanalysen bringen viel Licht ins Dunkel und zeigen auf, wie sich Investitionen oder ganze Betriebsstrategien unter verschiedenen Bedingungen in Zukunft entwickeln können.

Das höhere Gewinnpotenzial einer Investition geht meist mit höheren Risiken einher.

Die Analyse dieses Beispiels zeigt zudem auf, dass das höhere Gewinnpotenzial einer Investition normalerweise mit höheren Risiken einhergeht. Dieses Muster ist in der Praxis sehr häufig und es gibt keine allgemeingültige Entscheidungsempfehlung. Betriebsleitende müssen ihre Risikobereitschaft und Risikofähigkeit kennen und ihre Entscheidung darauf abstimmen. Gut ausgeführte Szenarioanalysen helfen, die Möglichkeiten und Risiken zu quantifizieren, und tragen entsprechend zu einer fundierten Entscheidung bei.

Betriebswirtschaft kompakt

Dieser Beitrag ist Teil einer fünfteiligen Artikelserie, die 2026 in der UFA-Revue zu betriebswirtschaftlichen Themen erscheint. Die Inhalte vermitteln betriebswirtschaftliche Grundlagen für das Führen eines Landwirtschaftsbetriebs und sind Bestandteil der Lehre an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL in verschiedenen Bachelor- und Masterstudiengängen. www.bfh.ch

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