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Betriebsführung

Vom Rüebli, das nach Fisch riecht

Die kulinarische Welt erlebt einen Wandel. Das Unternehmen Wild Foods aus dem Berner Oberland hat den Trend aufgegriffen und bringt innovativ verarbeitete Produkte aus Schweizer Gemüse auf den Markt. Diese finden breiten Anklang.

Geruch und Farbe kommen dem Original aus dem Wasser verblüffend nah. Als Rohstoff für die Räucherlachs-Alternative aus Rüebli verwendet Wild Foods Rohwa...

Geruch und Farbe kommen dem Original aus dem Wasser verblüffend nah. Als Rohstoff für die Räucherlachs-Alternative aus Rüebli verwendet Wild Foods Rohware, die es nicht ins Gemüseregal beim Detaillisten schafft.

(Bild: Renate Hodel)

Publiziert am

Redaktorin, Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID

Die Idee für Wild Foods entstand während der Corona-Pandemie. Juval Kürzi, der zuvor als Grafikdesigner tätig war und daneben ein eigenes Cateringunternehmen betrieb, sah sich plötzlich vor neuen Herausforderungen, als beide Geschäftsbereiche in den Pandemie-Strudel gerieten. Doch die Not machte Juval Kürzi kreativ. Inspiriert von seiner Leidenschaft für pflanzliche Lebensmittel und getrieben von seiner Neugier, begann er im Keller mit einem alten Räucherschrank zu experimentieren.

Tüfteln, bis es passt

Seine ersten Versuche führten Monate später zum Produkt «Wood Smoked», einer innovativen Alternative zu Räucherlachs, hergestellt aus regionalen Bio-Knospe-Rüebli, die im Rauch von Fichtenholz veredelt werden. Das Resultat war so überzeugend, dass er beschloss, diese Idee weiterzuverfolgen. Sein Rezept funktionierte zwar, die Verarbeitung war aber aufwendig. «Gemüse zu räuchern, ist gar nicht so einfach, wie man denkt. Es gibt keine Anleitung oder Erfahrungsberichte, wie man das macht, und da ich auch nicht aus der Lebensmittelbranche komme, habe ich mir dies dann alles selbst beigebracht und getüftelt», erzählt Juval Kürzi.

Grossverteiler beisst an

Das Ziel war schliesslich, die geräucherte Gemüsealternative zu Lachs im kleinen Rahmen zu produzieren. «Durch eine Präsentation an einer Lebensmittelmesse in Zürich wurde ein Grossverteiler auf uns aufmerksam und wollte das Produkt bei sich aufnehmen. Da mussten wir ziemlich kreativ werden und die Produktion schnell ausbauen», erklärt Juval Kürzi weiter. Der Weg von den ersten handgefertigten Kreationen in seinem Keller bis hin zur Zusammenarbeit mit dem grossen Detailhändler war für den Jungunternehmer kein Spaziergang.

«Wir verarbeiten heute Gemüse auf eine Art, wie es sonst niemand tut.»

Juval Kürzi, Wild Foods

Ursprünglich prägte die Produktion viel Handarbeit, und das Unternehmen war auf die Unterstützung aus dem Freundes- und Familienkreis angewiesen. Nach und nach wurden die verschiedenen Prozesse aber professionalisiert, und aus dem Einzelunternehmen wurde eine GmbH. «Das war eine anstrengende Zeit, in der wir aus vielen Fehlern lernen konnten», erzählt Juval Kürzi weiter. Das Lehrgeld von Wild Foods machte sich schliesslich bezahlt: «Wir verarbeiten heute Gemüse auf eine Art, wie es sonst niemand tut, und haben unsere Nische gefunden.»

Die Wild Foods GmbH

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Juval Kürzi, Wild Foods

(Bild: Renate Hodel)

Aktuell verarbeitet Wild Foods pro Woche etwa drei Tonnen geschälte Schweizer Bio-Rüebli (Knospe). Mehrheitlich stammen sie aus dem Berner Seeland. Daraus werden die beiden Produkte «Wood Smoked Original» und «Wood Smoked Dill & Pfeffer» produziert. Kürzlich erweiterte das Start-up sein Sortiment um die beiden Trockenfleischalternativen «Beet Jerky» und «Dry Aged», die aus Randen von Schweizer Gemüseproduzenten hergestellt werden.

Nicht zuletzt durch die Unterstützung der Standortförderung des Kantons Bern wuchs Wild Foods aus der Pionierphase heraus und konnte 2022 die Produktion von Frutigen nach Uetendorf verlegen. Dort beschäftigt das Unternehmen heute rund 15 Angestellte. Die Vertriebskanäle umfassen neben dem Grossverteiler und dem Bio-Fachhandel auch Onlineshops und die Gastronomie. Der «Rüeblilachs» wird inzwischen auch als Sandwichfüllung in Bäckereien verwendet.

Fokus auf Entwicklung und Produktion

Die anfängliche Vision, direkt mit Landwirtinnen und Landwirten zusammenzuarbeiten, muss Kürzi auf später vertagen. Der Einkauf der Rohwaren und die Erstverarbeitung übernimmt ein Partnerunternehmen. «Die ganze Anbauplanung wäre für uns noch zu aufwendig», erklärt der Unternehmer. Der Fokus liege derzeit auf der Verarbeitung und Entwicklung von neuen Gemüseprodukten, wobei Wild Foods Wert auf Bio-Qualität und Swissness setzt. «Unsere Produkte kommen sowohl bei Vegetarierinnen und Vegetariern als auch bei Flexitarierinnen und Flexitariern an», freut sich Juval Kürzi. Und so hat das Unternehmen in kurzer Zeit ein bemerkenswertes Wachstum erlebt und strebt weiterhin danach, seine innovativen Gemüseprodukte erfolgreich im Markt zu etablieren. 

Start-up

2023 zeigt der Landwirtschaftliche Informationsdienst mit seiner Serie Start-up, wie Landwirtschaftsbetriebe und Jungunternehmen gegen seitig von innovativen Geschäftsmodellen profitieren und welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen.

Unterstützung und Tipps zu Öffentlichkeitsarbeit und Kundenkontakt auf www.lid.ch/bäuerinnen und bauern

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