Die Feldtage zählen seit Jahren zu den Fixpunkten im Schweizer Pflanzenbau. Wenn sie vom 10. bis 12. Juni 2026 erstmals in Kirchberg (BE) stattfinden, stehen Innovation, Praxisnähe und fachlicher Austausch im Mittelpunkt. Auf 15 ha sind über 300 Sorten-, Düngungs- und Pflanzenbauversuche angelegt, ergänzt durch Fachreferate, Rundgänge und Technikdemonstrationen. Was während der Veranstaltung ins Auge fällt, ist jedoch nur das Resultat. Ein Blick auf den Frühling zeigt, wie viel Planung, Koordination und Detailarbeit bereits im Vorfeld nötig war.
Februar: Start in die Feldtagesaison
Ende Februar präsentierten sich die Versuchsflächen noch ruhig. Die Vegetation hatte erst zaghaft eingesetzt, oberirdisch war wenig Dynamik erkennbar. Unter der Oberfläche liefen jedoch bereits zentrale Prozesse für das Wachstum der Kulturen.
Nmin-Proben wurden entnommen, um den im Boden verfügbaren Stickstoff zu bestimmen. Diese Analysen bildeten eine wichtige Grundlage für die anstehenden Düngeentscheide. Kurz darauf erhielten Raps und Getreide ihre erste Gabe. Die Bestände zeigten sich in gutem Zustand.
Im März gab es viel zu tun
Der Pflanzenschutz verlangte im Frühjahr erhöhte Aufmerksamkeit. Anfang März erfolgten im Wintergetreide gezielte Herbizidbehandlungen. Ein entscheidender Zeitpunkt, an welchem viele Unkräuter schon mit dem Keimen beginnen. Ergänzt wurden die chemischen Massnahmen durch mechanische Verfahren wie Striegel und Sternhacke. Die Kombination verschiedener Ansätze gehörte hier von Anfang an zum Konzept: Nicht eine einzelne Massnahme sollte im Fokus stehen, sondern das Zusammenspiel unter Praxisbedingungen.
Ende März überstanden die Zuckerrüben einen unerwarteten Kälteeinbruch erstaunlich gut. Wenige Tage später erreichte der Rapsglanzkäfer die Schadschwelle. Die Behandlung erfolgte gezielt per Drohne – präzise, bodenschonend und zeitgerecht. Parallel liefen in Gerste und Sommergetreide Fungizid- und Herbizidmassnahmen, Stickstoffgaben wurden gesplittet, Bestände reguliert.
Mit zunehmender Vegetation verdichtete sich der Arbeitsplan deutlich. Mitte März wurden Zuckerrüben und Eiweisspflanzen gesät, gleichzeitig kamen Frühkartoffeln in den Boden. Auf den Futterbauparzellen wurde erstmals gemäht – weniger mit Blick auf den Ertrag als auf die Bestandesentwicklung. Ziel war es, gleichmässige, gut verzweigte Bestände zu schaffen, damit sich die verschiedenen Mischungen an den Feldtagen sinnvoll vergleichen lassen. Solche Eingriffe bleiben für Besucherinnen und Besucher oft unsichtbar, sind für die Aussagekraft der Versuche aber entscheidend.
Aussaatmonat April
Der April brachte zusätzliche Dynamik – und neue Kulturen. Die Zwiebeln wurden ausgesät und direkt im Anschluss mit einer Vorauflauf-Herbizidstrategie geschützt. Gerade bei dieser langsam keimenden und konkurrenzschwachen Kultur ist der Start entscheidend. Es folgten Kartoffeln, Karotten und erstmals auch Sonnenblumen. Parallel dazu rückte das Thema Wasser zunehmend in den Fokus. Auf den Kartoffelparzellen wurden unterschiedliche Bewässerungssysteme aufgebaut: Sprinkler, Tropfbewässerung, Varianten ohne Bewässerung sowie ein Fertigationsversuch. Ziel war es, Trockenstress nicht zu vermeiden, sondern Unterschiede im Umgang damit sichtbar zu machen.
Den Abschluss der Aussaat markierte am 21. April der Mais. In einzelnen Parzellen war zuvor Gülle per Schleppschlauch ausgebracht worden. Unterschiedliche Sorten sowie variierende Düngungs- und Pflanzenschutzstrategien wurden angelegt, um sie später direkt miteinander vergleichen zu können. Mit der Maissaat waren sämtliche Kulturen im Boden – abgeschlossen war die Arbeit damit allerdings keineswegs.
Reale Bedingungen mit allen Risiken
Was dann folgt ist ein kontinuierliches Beobachten, Dokumentieren und Reagieren auf Witterung, Wachstum und Schaderreger. Genau diese Phase macht den Charakter der Feldtage aus. Sie zeigen keine idealisierten Versuchsbedingungen, sondern einen Vegetationsverlauf mit Wetterrisiken, engen Zeitfenstern und Entscheidungen unter realen Praxisbedingungen. Wer im Juni durch die Parzellen in Kirchberg geht, sieht deshalb nicht nur Ergebnisse, sondern die Spuren eines intensiven Frühjahrs – und versteht, warum Pflanzenbau weit mehr ist als das, was am Ende sichtbar wird.
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